Politik

Giftgaseinsatz in Syrien Halbherzige Vergeltung bringt nichts

ed327a413835a0aadc1f3baabaa430ca.jpg

US-Präsident Donald Trump will in Kürze sein weiteres Vorgehen in Syrien verkünden.

(Foto: imago/UPI Photo)

Ein Vergeltungsschlag steht wohl kurz bevor. US-Präsident Trump will, dass Syrien für den angeblichen Giftgasanschlag auf den Ort Duma einen "hohen Preis" zahlt. Der syrische Machthaber Assad lässt sich aber nicht so leicht einschüchtern.

Die Bilder waren martialisch: Die Brücke eines Kriegsschiffs zeichnet sich in der Dunkelheit ab. Ein Lichtkegel blitzt auf, steigt in die Höhe und zieht eine gewaltige Rauchschwade hinter sich her.

Anfang April 2017 feuerten die USA 59 Marschflugkörper Typ Tomahawk auf den Luftwaffenstützpunkt al-Schairat in Syrien. Ein Vergeltungsschlag für den Giftgaseinsatz in Chan Scheichun, den Amerika dem syrischen Regime vorwarf. Der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump machte deutlich, dass er, anders als sein Vorgänger Barack Obama, nicht nur "rote Linien" ausgibt, sondern auch wirklich die bestraft, die sie übertreten. Das sollte zumindest die Botschaft sein.

Der Angriff auf al-Schairat muss Trump allerdings eine Lehre sein, wenn er nun angesichts des angeblichen Giftgasangriffs auf den Ort Duma wieder über einen Vergeltungsschlag nachdenkt. Die Wirkung verpuffte fast so schnell wie die Marschflugkörper nach ihrem Einschlag.

Trump hat bereits per Twitter verkündet, dass er mit Raketen reagieren wolle. Details zu den Plänen gibt es allerdings noch nicht. Das syrische Regime hat Berichten zufolge schon zuvor militärische Stützpunkte in Alarmbereitschaft versetzt und Personal an wahrscheinlichen Zielen abgezogen.

Trump redete nach dem Einsatz der Marschflugkörper 2017 nicht mehr viel über al-Schairat. Er konnte sich darüber freuen, dass selbst Medien, die seine Regierung kritisch beäugen, ihn ausnahmsweise lobten. Der Gouverneur, der für al-Schairat zuständig war, sprach dagegen viel. Nur wenige Tage, nachdem auf der Airbase die Raketen einschlugen, verkündete er die Wiederaufnahme des Flugbetriebs. Damaskus hat, auch dank massiver Unterstützung aus Russland und dem Iran, ausreichend Kapazitäten, um gezielte Angriffe schnell zu kompensieren. Und beim Einsatz in al-Schairat handelte es sich um einen gezielten, um einen isolierten Angriff. Er richtete sich gegen die Infrastruktur für den Einsatz von Giftgas. Von dem Luftwaffenstützpunkt im Westen Syriens starteten die Jets, die das Nervengift nach Chan Scheichun flogen, so der Vorwurf.

Es zeichnet sich ab, dass sich die Vergeltungsschläge auch dieses Mal wieder auf die Infrastruktur für den Giftgaseinsatz richten werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte bereits, Angriffe auf "chemische Kapazitäten" in Syrien seien möglich. Macron ist ebenfalls entschlossen, das Regime von Baschar al Assad zu bestrafen und stimmt sich eng mit Trump ab. Doch Angriffe auf die Infrastruktur für Giftgaseinsätze haben, das zeigt nicht nur al-Schairat, vor allem symbolischen Charakter. Sie bringen nichts, wenn es darum geht, Assad abzuschrecken.

Trump will nicht mehr im Nahen Osten mitmischen

In den vergangenen Jahren des Kriegs töteten Mittel wie Sarin und Chlorgas Tausende Menschen in Syrien, der Einsatz konventioneller Waffen dagegen Hunderttausende. Wer Assad wirklich treffen will, kann sich nicht auf Nervengift beschränken. Michael Eisenstadt von der amerikanischen Denkfabrik Washington Institute geht so weit, zu fordern, dass Trump gezielt militärische Hauptquartiere Syriens und ihre Mitarbeiter angreifen sollte. "Russland und der Iran können die Ausrüstung des Assad-Regimes ersetzen, aber sie können nicht sein Personal ersetzen, und Personal ist, was ihm am meisten fehlt."

Kenner des Regimes, wie der letzte US-Botschafter in Syrien, Robert Ford, befürchten, dass es eine langanhaltende und umfassende militärischen Kampagne bräuchte, um Assad vom Einsatz von Giftgas abzubringen.

Assad, der starke Mann in Damaskus, dürfte allerdings ahnen, dass Trump sich darauf kaum einlassen wird. Und das nicht nur, weil weithin bekannt ist, welch schwierige geopolitischen Gefahren angesichts der russischen und iranischen Präsenz eine weitreichende US-Intervention in Syrien mit sich brächte. Trump hat es satt, im Nahen Osten mitzumischen, so scheint es zumindest.

Nur Tage vor dem Giftgaseinsatz in Duma klagte der US-Präsident über die immensen Kosten, die Amerika in den vergangenen Jahren in den Nahen Osten gesteckt habe. Er sprach von 17 Billionen US-Dollar, die überhaupt nichts gebracht hätten. Und er suggerierte, dass all das Geld viel besser in die amerikanische Wirtschaft investiert sei. "Manchmal ist es Zeit, nach Hause zu kommen", sagte Trump und sprach über die rund 2000 verbliebenen US-Soldaten in Syrien. "Wir denken darüber sehr ernsthaft nach." Zwar gibt es in Trumps Regierung viele, die einen schnellen Rückzug aus Syrien für eine fatale Entscheidung halten. Nur ist fraglich, ob sie Trump umstimmen können. Für Assad liegt es nahe, weiter auf Zeit zu spielen.

Quelle: n-tv.de