Politik

Gewalt auf den Straßen Hamburger Polizei braucht Verstärkung

Nach der gewaltsamen Eskalation gestern kommt es in Hamburg bei den Demonstrationen gegen den G20-Gipfel wieder zu Ausschreitungen: Autos brennen, Wasserwerfer sind im Einsatz. Erneut gibt es viele Verletzte.

Zum Auftakt des G20-Gipfels in Hamburg ist die Lage am Morgen nach einer Krawall-Nacht erneut eskaliert. Hunderte Demonstranten versuchten, in die Hochsicherheitszone um den Tagungsort der Staats- und Regierungschefs vorzudringen, um den Ablauf des Gipfels zu stören. Im Innenstadtbereich wurden diverse Barrikaden, Mülltonnen, Holzpaletten und Kraftfahrzeuge angezündet. Verkehrszeichen und Baumaterial seien herausgerissen und zum Teil entwendet worden, teilte die Polizei mit. Durch Flaschenwürfe und Feuerwerkskörper seien weitere Polizisten verletzt worden. Die Hamburger Polizei hat angesichts der massiven Ausschreitungen weitere Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert.

Die gewaltbereiten G20-Gegner griffen an zahlreichen verschiedenen Orten und auf verschiedene Ziele an. Reifen eines Autos der kanadischen Delegation wurden zerstochen. In Hamburg-Horn wurden die Fensterscheiben der Polizeiwache eingeworfen, ebenso die Scheiben des Konsulats der Mongolei. Demonstranten griffen nach Polizeiangaben Wachpersonal am Hotel Park Hyatt in der Altstadt an. In dem Hotel sollen Russlands Präsident Wladimir Putin, Südkoreas Präsident Moon Jae und Australiens Premier Malcolm Turnbull übernachten. Derzeit wird die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump von Demonstranten an der Teilnahme am Partnerprogramm des G20-Gipfels gehindert. "Wir haben von der Polizei bisher keine Sicherheitsfreigabe zum Verlassen des Gästehauses", sagte eine Sprecherin von Melania Trump.

Leuchtrakete auf Helikopter geschossen

Zwei Streifenwagen wurden nahe des Bahnhofs Altona angegriffen, obwohl Beamte darin saßen. Auf einen unbesetzten Streifenwagen wurde ein Molotowcocktail geworfen worden, der aber nicht zündete. Ein Polizeihubschrauber sei mit einer Leuchtrakete angegriffen worden, das Geschoss habe den Hubschrauber nur knapp verfehlt, so die Polizei. Erneut ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die mit Sitzblockaden Zugangsstraßen zum Gipfel versperren wollten.

Nach der Krawallnacht vor Beginn des G20-Gipfels in Hamburg gibt es nach Angaben der Polizei 111 verletzte Beamte. 29 Menschen seien festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Freitagmorgen. Wegen der Proteste ist die Hamburger Feuerwehr seit Donnerstagabend zu 156 Einsätzen ausgerückt. 61 kleinere und größere Feuer wurden gelöscht, teilte die Feuerwehr mit. Am frühen Freitagmorgen hätten 15 Autos in der Elbchaussee teilweise an Hauswänden gebrannt.

"Überrascht von Gewaltexzessen"

Die Polizei hat die Kritik, sie sei bei der "Welcome to Hell"-Demo gestern mit übertriebener Härte vorgegangen, zurückgewiesen. Polizeisprecher Timo Zill sprach von einer drohenden "unbeherrschbaren Sicherheitssituation". Laut Polizeibericht hatten sich am Donnerstag zwei schwarze Blöcke aus jeweils 1000 Teilnehmern gebildet, die sich bereits unmittelbar nach Beginn vermummt hätten. "Viele trugen Rucksäcke mit der entsprechenden Wechselkleidung bei sich", hieß es. Die Beamten stoppten den Aufzug daraufhin und forderten, die Vermummung wieder abzulegen.

Zill sprach von 3500 Extremisten vor Ort, die zuvor schwerste Gewalttaten angekündigt hätten. Wenn diese Menschen sich plötzlich vermummten, sei das sozusagen die Vorbereitung von Straftaten. "Dann kann doch nicht von der Polizei erwartet werden, dass man mit diesen Menschen in bewohntes Gebiet geht. Das wäre unverantwortlich", sagte er. Zill bezeichnete das Vorgehen als "alternativlos". Laut Polizei versuchten die Beamten ebenso wie der Anmelder der Kundgebung bis zu 45 Minuten vergeblich zu erreichen, dass die Vermummung wieder abgelegt wird. Daraufhin sei beschlossen worden, diesen Teil von den friedlich Demonstrierenden zu trennen, damit der Protestzug weiterlaufen könne. Daraufhin habe der schwarze Block die Polizeikräfte massiv mit Steinen und Flaschen beworfen und mit Stangen angegriffen, teilte die Polizei mit. Einige Gewalttäter hätten eine Flutschutzmauer erklommen und den Bewurf von oben auf die Polizeibeamten unvermindert fortgesetzt. "Überrascht sind wir natürlich von den Gewaltexzessen, die uns hier offenbar geworden sind", sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack. "Das ist schon sehr erschreckend."

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Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/AFP

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