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Gegenoffensive "Vulkan der Wut" Heftige Kämpfe toben um Tripolis

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Triumphierend: Haftars Truppen rücken vor.

(Foto: REUTERS)

Die Bemühungen der UN sind vergeblich: Die Bitte um eine Waffenruhe in der Kampfzone vor Tripolis verhallt ungehört. Stattdessen greifen die Truppen von General Haftar weiter regierungstreue Einheiten an. Die Zahl der Toten steigt.

Ungeachtet internationaler Appelle dauern die Kämpfe um die libysche Hauptstadt Tripolis an. Die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, die sogenannte Libysche Nationale Armee (LNA), rückt seit Donnerstag auf die Hauptstadt vor, in der die Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch ihren Sitz hat. Daraufhin starteten die Regierungstruppen eine Gegenoffensive namens "Vulkan der Wut". Ziel sei es, alle Städte von "unrechtmäßigen Kämpfern" zu befreien, sagte ihr Sprecher Mohammed Gnunu.

Das Gesundheitsministerium in Tripolis sprach von mindestens 21 Toten und 27 Verletzten seit Donnerstag, ließ dabei aber offen, ob unter den Toten auch Zivilisten waren. Der libysche Rote Halbmond hatte am Samstag von einem getöteten Arzt berichtet. Die LNA meldete den Tod von 14 ihrer Kämpfer. Einem Sprecher der Rettungskräfte zufolge konnten Helfer bislang nicht in die Kampfgebiete gelangen.

Ein Aufruf der Vereinten Nationen zu einer zweistündigen Waffenruhe scheiterte. Die UN hatten dazu für Sonntagnachmittag in den Kampfgebieten südlich von Tripolis dazu aufgerufen, um Verletzte und Zivilisten in Sicherheit zu bringen. "Es hat keine Waffenruhe gegeben", sagte ein Sprecher der UN-Mission in Libyen, Jean Alam, nach Verstreichen der Frist. "Aber wir hoffen weiter auf eine positive Antwort" der Konfliktparteien.

Wegen der unsicheren Lage zog das US-Militär nach eigenen Angaben eine ungenannte Zahl von Soldaten aus Libyen vorübergehend ab. Die Sorge vor einem erneuten Bürgerkrieg wächst.

Ministerpräsident al-Sarradsch hatte Haftar am Samstag vor einem "Krieg ohne Gewinner" gewarnt und gesagt, aus zahlreichen Regionen würden zusätzliche Einheiten in der Hauptstadt zusammengezogen. Mindestens eine Miliz aus Misrata, die sogenannte Brigade 166, kam zur Verstärkung, um vor Tripolis an der Gegenoffensive gegen die LNA teilzunehmen. Auch kriegserprobte Kämpfer aus Sentan und aus Sawija, die bereits am Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi beteiligt waren, stießen hinzu.

Hamsterkäufe in Supermärkten

Einwohner von Tripolis richteten sich indes auf einen längeren Kampf um die Stadt ein. An Tankstellen und Supermärkten bildeten sich Schlangen. "Wir müssen jetzt alles horten, was man braucht", sagte eine Frau in einem Supermarkt in der Hauptstadt. "Man weiß ja nie, was geschieht."

Seit der Militärintervention der Nato in Libyen und dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in dem nordafrikanischen Land Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

Haftar unterstützt mit seinen Truppen eine Gegenregierung, die im Osten Libyens herrscht. Ihm war es in der Vergangenheit gelungen, mit einer Reihe erfolgreicher Militäreinsätze den Osten und große Teile des Südens Libyens unter seine Kontrolle zu bringen. Experten halten es aber für möglich, dass er sich mit der Offensive auf Tripolis übernommen hat.

Trotz der Kämpfe will die UNO nach eigenen Angaben an einer für Mitte April geplanten Allparteienkonferenz festhalten. Zu ihr werden in der Stadt Ghadames mehr als hundert Delegierte erwartet, die Termine für Parlaments- und Präsidentschaftswahlen festlegen sollen.

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Quelle: n-tv.de, ghö/AFP

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