TV-Sender vor "Gleichschaltung"?Hegseth schießt wegen Iran-Berichterstattung gegen US-Medien

In den USA wächst die Kritik an der Strategie der Regierung im Iran-Krieg. Der Verteidigungsminister stört sich an der Medienberichterstattung, vor allem CNN bekommt sein Fett weg. Hegseth kann eine Übernahme des Nachrichtensenders durch Trump-Unterstützer kaum erwarten.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat bei einer Pressekonferenz zum Rundumschlag gegen die Berichterstattung der US-Medien über den Iran-Krieg ausgeholt. "Manche in der Presse können einfach nicht aufhören. Erlauben Sie mir, ein paar Vorschläge zu machen", sagte der selbst ernannte Kriegsminister. Anstelle von Schlagzeilen wie "Krieg im Nahen Osten spitzt sich zu" sollten die Medien lieber "Der Iran wird immer verzweifelter" titeln, forderte der ehemalige Fox-News-Moderator.
Besonders die Berichterstattung des Senders CNN missfällt Hegseth offenbar. "Mehr Fake News von CNN", behauptete der Republikaner über einen Bericht darüber, dass die Trump-Regierung die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Straße von Hormus unterschätzt habe. "Offensichtlich lächerlich", echauffierte sich Hegseth und legte nach: "Je eher David Ellison den Sender übernimmt, desto besser."
Der frühere CNN-Korrespondent Jim Acosta reagierte auf X: "Der hysterische Hegseth will staatliche Medien." Auch von deutschen Journalisten kam Kritik. Der leitende Redakteur für Sicherheitspolitik bei der "Bild"-Zeitung, Julian Röpcke, schrieb: "Die US-Regierung macht überhaupt keinen Hehl daraus, dass sie heimische Fernsehsender gleichschalten und auf Regierungslinie bringen will - und dieser Prozess bereits läuft."
Hintergrund ist die Übernahme von CNN durch Paramount. Damit dürfte der Nachrichtensender unter die Kontrolle der Familie des als Trump-Unterstützer geltenden Tech-Milliardärs Larry Ellison wandern. Trump-Kritiker in den USA befürchten, dass CNN unter dem Dach von Paramount die redaktionelle Unabhängigkeit verlieren könnte. Unbegründet ist die Sorge nicht: Die Nachrichtenredaktion des Paramount-Senders CBS schlug seit der Übernahme durch die Ellisons zum Teil einen freundlichen Ton gegenüber der Trump-Regierung an.
Eine Journalistin des Magazins "The Atlantic" hatte am Morgen berichtet, dass ihr der Zutritt zu dem Medien-Briefing im Pentagon verweigert worden sei. US-Medien spekulierten darüber, ob die Reporterin Nancy Youssef gezielt herausgegriffen wurde, weil sie über die Reaktion von Hegseths Mitarbeitern auf dessen Äußerungen zu getöteten US-Soldaten zu Beginn des Iran-Kriegs berichtet hatte. Während einer Pressekonferenz am 4. März hatte Hegseth behauptet, die Presse berichte nur über den Tod amerikanischer Soldaten, um "den Präsidenten in ein schlechtes Licht zu rücken". Youssef berichtete, dass diese Bemerkung "eine fassungslose Stille" bei den anwesenden Journalisten ausgelöst habe, einige Mitarbeiter von Hegseth hätten den Kopf gesenkt.
Nach Youssefs Angaben durfte an der heutigen Pressekonferenz auch kein einziger Print-Fotograf teilnehmen. Die "Washington Post" hatte diese Woche berichtet, dass das US-Verteidigungsministerium Fotografen von Pressekonferenzen zum Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran ausgeschlossen habe, nachdem diese "Fotos von Verteidigungsminister Pete Hegseth veröffentlicht hatten, die seine Mitarbeiter als unvorteilhaft empfanden".