Politik

Kanzler der Weltgeschichte Helmut Kohls Leben als Chronologie

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Helmut Kohl im Jahr 1983, im damaligen Bundestag in Bonn. Dort wurde er Bundeskanzler.

(Foto: imago/photothek)

Vom rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten zum Kanzler der Einheit - Helmut Kohl hatte eine bewegte Karriere in einer bewegten Zeit.

Vom rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten zum Kanzler der Einheit - der verstorbene Helmut Kohl konnte auf eine bewegte Karriere in einer bewegten Zeit zurückblicken. In den vergangenen Jahren zeigte sich der langjährige CDU-Vorsitzende aus gesundheitlichen Gründen kaum noch in der Öffentlichkeit.

3. April 1930: Helmut Kohl wird in Ludwigshafen als jüngstes von drei Kindern eines Finanzbeamten geboren.

1946: Eintritt in die CDU

1955: Mitglied im Vorstand der CDU Rheinland-Pfalz

1959: Kohl wird Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz.

1963: Wahl zum Fraktionsvorsitzenden

1964: Wahl in den CDU-Bundesvorstand

1966: Wahl zum CDU-Landesvorsitzenden

Mai 1969: Kohl übernimmt in der Mitte der Legislaturperiode das Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten von Peter Altmeier. Nach zweimaliger Wiederwahl mit absoluten Mehrheiten gibt er das Amt im Dezember 1976 an Bernhard Vogel ab.

1971: Erste Kandidatur für den CDU-Bundesvorsitz, Kohl unterliegt Rainer Barzel

Juni 1973: Auf einem Sonderparteitag wird Kohl zum Bundesvorsitzenden gewählt.

1976: Erste Kanzlerkandidatur Kohls. Die Union wird mit 48,6 Prozent stärkste Fraktion, aber SPD und FDP behalten ihre Mehrheit.

Dezember 1976: Kohl tritt als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz zurück und wird Oppositionsführer im Bundestag.

1979: Bei der Kanzlerkandidaten-Kür unterliegt er Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU).

Oktober 1982: Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition setzt Kohl ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt durch und wird zum Bundeskanzler gewählt. Durch eine gezielt verlorene Vertrauensabstimmung macht Kohl im Dezember 1982 den Weg für eine Neuwahl frei.

März 1983: Bei der Bundestagswahl erhalten Union und FDP eine klare Mehrheit für die von Kohl angekündigte Politik der "geistig-moralischen Wende".

1984: Innenpolitische Krisen wegen der Affäre um General Kießling und der Flick-Parteispendenaffäre. Im September trifft sich Kohl mit dem französischen Präsidenten Francois Mitterrand am Ort der Schlacht um Verdun zum gemeinsamen Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege. Die Bilder des minutenlangen Händedrucks wurden zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung.

Mai 1985: Der gemeinsame Besuch Kohls mit US-Präsident Ronald Reagan auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg löst heftige Kontroversen aus. Auf dem Friedhof sind auch Angehörige der Waffen-SS beerdigt.

November 1986: Kohl vergleicht den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow in einem "Newsweek"-Interview mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels.

1987: Deutliche Verluste der Union bei der Bundestagswahl und Wahlverluste in den Ländern Bremen und Schleswig-Holstein.

1989: Innerparteiliche Widersacher um Heiner Geißler, Lothar Späth und Rita Süssmuth schmieden Pläne zur Ablösung Kohls. Der erfährt davon und kann den Putschversuch abwehren. Am 9. November fällt die Mauer. Kohl verkündet danach ein Zehn-Punkte-Programm zur stufenweisen Herstellung der Einheit Deutschlands und Europas.

1990: Abschluss der Einigungsverträge. Gegen den Widerstand von Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl setzt Kohl einen Umtauschkurs von Ost- in D-Mark von 1:1 durch. Kohl spricht im Bundestag über "blühende Landschaften" in Ostdeutschland. In den 2+4-Verhandlungen mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs erreicht Deutschland die Rückgabe seiner vollen Souveränität. Zusammen mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher erwirkt Kohl bei einem Besuch in der Sowjetunion die Zustimmung Gorbatschows, dass das vereinigte Deutschland in der Nato bleiben kann. Beim sogenannten Strickjacken-Treffen mit Gorbatschow gelingt der Durchbruch für die "volle und uneingeschränkte Souveränität" Gesamtdeutschlands.

Oktober 1990: Auf dem Vereinigungsparteitag der CDU von Ost und West wird der "Kanzler der Einheit" mit 98,5 Prozent zum gesamtdeutschen Parteichef gewählt.

3. Oktober 1990: Beitritt der DDR zur Bundesrepublik.

2. Dezember 1990: Erste gesamtdeutsche Wahlen, Union und FDP können weiter regieren.

1991: Kohl bricht sein Wahlversprechen von 1990, die Steuern wegen der deutschen Einheit nicht zu erhöhen. Außenpolitisch treibt seine Regierung zusammen mit Frankreich die europäische Einigung voran, die auf dem EG-Gipfel von Maastricht in der Vereinbarung über die Einrichtung einer Europäischen Union mit einer gemeinsamen Währung, dem Euro, mündet.

November 1993: Inkrafttreten des EU-Vertrags von Maastricht.

16. Oktober 1994: Die schwarz-gelbe Koalition entscheidet die Bundestagswahlen knapp für sich.

31. Oktober 1996: Kohl überholt als dienstältester Kanzler mit 5145 Amtstagen sein Vorbild Konrad Adenauer.

1997: Kohl kündigt entgegen früheren Äußerungen seine neuerliche Kandidatur für die Wahl 1998 an. Wenig später präsentierte er Wolfgang Schäuble als seinen Wunsch-Nachfolger.

27. September 1998: Bei der Bundestagswahl erleidet die Koalition eine schwere Niederlage, SPD und Grüne gewinnen. Kohl tritt nach 16 Jahren als Kanzler ab, ebenso als Parteichef. Er wird Ehrenvorsitzender.

1999: Die CDU-Spendenaffäre wird aufgedeckt. Ende November räumt Kohl ein, von heimlichen CDU-Konten gewusst zu haben. Er selbst habe von 1993 bis 1998 Spenden von bis zu zwei Millionen Mark (1,02 Millionen Euro) entgegengenommen. Er verweigert jede Auskunft über die Namen der Spender mit der Angabe, er habe den Geldgebern mit seinem Ehrenwort Anonymität zugesichert, und gibt sie bis zu seinem Tod nicht preis.

18. Januar 2000: Kohl gibt den Ehrenvorsitz der CDU ab, nachdem sich die Parteispitze um den damaligen CDU-Chef Wolfgang Schäuble und die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel von ihm distanziert hat.

2001: Das Ermittlungsverfahren gegen Kohl wegen der Spendenaffäre wird gegen Zahlung von 300.000 Mark (rund 153.000 Euro) eingestellt. Kohls Ehefrau Hannelore, die jahrelang an einer Lichtallergie litt, nimmt sich das Leben.

12. September 2002: Kohls letzte Plenarsitzung nach 26 Jahren im Bundestag.

Februar 2008: Kohl stürzt in seinem Ludwigshafener Haus und wird wegen eines Schädel-Hirn-Traumas operiert.

13. Mai 2008: Kohl heiratet seine 35 Jahre jüngere Lebensgefährtin Maike Richter.

31. Oktober 2009: Kohl nimmt im Rollstuhl sitzend an einer Festveranstaltung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls teil.

2011: In einem Interview übt Kohl Kritik an der deutschen Außen- und Europapolitik, was als Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel wahrgenommen wird. Später relativiert er diese Interpretation etwas.

2012: Die Kanzlerin würdigt Kohl zum 30. Jahrestag seiner Wahl zum Bundeskanzler und überreicht ihm eine Sonderbriefmarke mit der Aufschrift "Kanzler der Einheit" und "Ehrenbürger Europas".

8. Oktober 2014: Auf der Frankfurter Buchmesse stellt Kohl sein Buch "Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung" vor. Über ein anderes Buch streitet Kohl bis zuletzt mit seinem Ex-Biografen Heribert Schwan vor Gericht: In "Vermächtnis - Die Kohl-Protokolle" zitieren Schwan und ein Mitautor den Altkanzler mit drastischen Äußerungen über frühere Weggefährten.

2015: Kohl liegt nach Komplikationen bei einer Hüftoperation monatelang im Krankenhaus.

27. April 2017: Das Landgericht Köln spricht Kohl wegen der unabgesprochenen Veröffentlichungen in einer Biografie über ihn eine Million Euro Schadenersatz zu.

16. Juni 2017: Helmut Kohl stirbt in seinem Haus in Ludwigshafen.

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP/rts

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