Politik

Anerkennung des Homeoffice Hessen will Steuernachteile abschaffen

imago0101285559h.jpg

Der Vorschlag aus Hessen soll eine Ergänzung zu den bestehenden Steuerregelungen sein.

(Foto: imago images/Westend61)

Bislang gelten enge Vorgaben, um das Homeoffice steuerlich absetzen zu können. Tausende Unternehmen gehen jedoch davon aus, dass sich das Arbeitsmodell nach der Corona-Krise halten wird. Der hessische Finanzminister fordert eine Pauschale, um Nachteile für die Arbeit zu Hause zu vermeiden.

Hessens Finanzminister Michael Boddenberg hat vorgeschlagen, Beschäftigte im Homeoffice steuerlich zu entlasten. Arbeitnehmer sollten ihre Kosten über eine einfache Pauschale steuerlich geltend machen können, regt der CDU-Politiker an. Für jeden vollen Arbeitstag in den heimischen vier Wänden sollten 5 Euro als Werbungskosten absetzbar sein, mit einer Jahresobergrenze von 600 Euro.

Steuergesetze liegen in der Zuständigkeit des Bundes - dort ist eine solche Entlastung für Beschäftigte im Homeoffice bislang nicht geplant. Bislang ist es für Arbeitnehmer schwierig, beim Finanzamt ein Arbeitszimmer anerkannt zu bekommen. Es gelten enge Voraussetzungen.

Der hessische Minister Boddenberg sieht seinen Vorschlag als Ergänzung zu den bestehenden Regelungen. Arbeitnehmer, die sowohl die neue Pauschale als auch den hergebrachten Abzug für ein Arbeitszimmer erfüllten, sollten letztlich ein Wahlrecht erhalten. Bei einem Arbeitstag in den eigenen vier Wänden können auf der anderen Seite auch keine Fahrtkosten ins Büro geltend gemacht werden.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten zeitweise im Homeoffice

Viele Firmen werden das Homeoffice-Modell womöglich auch nach der Corona-Krise beibehalten. Laut einer Befragung des Münchner Ifo-Instituts bei rund 7300 Unternehmen erwarten 54 Prozent der Betriebe, dass diese Arbeitsform dauerhaft zunimmt. "Die Corona-Krise könnte einen dauerhaften Schub fürs Homeoffice bedeuten", sagt Oliver Falck vom Ifo. "Für viele Unternehmen ging die Umstellung mit beträchtlichen Investitionen in digitale Infrastruktur und neue Kommunikationstechnologie einher. Diese Neuorganisation der Arbeit wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig rückgängig gemacht werden."

Für eine Studie haben Falck und seine Kollegen Befragungen des Ifo und eine Mitgliederbefragung des Netzwerks LinkedIn ausgewertet. Drei Viertel der Unternehmen haben dem Ifo zufolge zur Bewältigung der Krise Teile der Belegschaft ins Homeoffice geschickt. Zeitweise konnten demnach 56 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zeitweise von zu Hause arbeiten.

"Dass Jobs in Zukunft vollständig ins Homeoffice verlagert werden, dürfte dennoch die Ausnahme bleiben", sagt Koautor Jean-Victor Alipour. "Zum einen wissen wir, dass der Mangel an sozialen Kontakten im Homeoffice dauerhaft eine Belastung sein kann, zum anderen lässt sich kreativer Austausch und der Transfer von Ideen und Wissen nicht vollständig ins Digitale verlagern." Wahrscheinlicher sei, dass sich "hybride Arbeitsmodelle zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice durchsetzen werden".

Quelle: ntv.de, chf/dpa