Politik

Politiker gegen Kassen-Zuzahlung Homöopathie bald Privatvergnügen?

Viele gesetzliche Krankenkassen bezahlen Globuli und Bachblüten. Fachpolitiker der Großen Koalition wollen diese Zuzahlungen für homöopathische Mittel jetzt abschaffen. Denn deren Wirksamkeit sei nicht nachgewiesen - das Geld werde anderswo dringender gebraucht.

Kügelchen aus Zucker sollen Krankheiten heilen - obwohl von den ursprünglichen "Wirkstoffen" im Labor meist nichts mehr nachweisbar ist. Wissenschaftlich erwiesen ist bei Therapien mit Globuli nur der Placebo-Effekt. Dennoch erstatten viele gesetzliche Krankenkassen die Kosten für homöopathischen Mittel. Nun sprechen sich nach den Kassenärzten auch Fachpolitiker der Großen Koalition dafür aus, diese Zuzahlungen der Krankenkassen abzuschaffen.

"Es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss", sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen", sagte der CDU-Politiker.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, sagte: "Die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ist nicht nachgewiesen." Sie sehe es deshalb "kritisch, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler diese Mittel finanzieren". Es sei aber wichtig, zwischen Naturheilkunde und Homöopathie zu unterscheiden. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sagte, jeder, der Homöopathie befürworte, solle sie auch weiter erwerben können. "Aber auf Selbstzahlerbasis."

Manche Politiker befürworten Erstattung

Der Linken-Politiker Harald Weinberg hält die Debatte jedoch für überzogen. Die Kosten für Homöopathie für die Krankenkassen seien extrem niedrig. Es gebe wichtigere Probleme im Gesundheitswesen, beispielsweise den Pflegenotstand in Krankenhäusern, der zu Komplikationen und vermeidbaren Todesfällen führe.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, betonte im Deutschlandfunk die geringen Kosten für die Krankenkassen: "Wir reden von 0,03 Prozent der Ausgaben." Die CDU-Politikerin hält - anders als ihr Parteikollege Rüddel - daher eine freiwillige Übernahme seitens der Kassen für "vertretbar" und verwies auf die freie Kassenwahl: "Derjenige, der für sich Homöopathie ablehnt, der kann ohne weiteres eine Kasse finden, die diese Medikamente nicht erstattet."

Nach einem Bericht des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zahlten die Kassen im Jahr 2017 lediglich 10,5 Millionen Euro für homöopathische Mittel. Im Gegensatz dazu beliefen sich die gesamten Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in jenem Jahr nach BPI-Berechnungen auf 39,6 Milliarden Euro.

Globuli aus Marketinggründen erstattet

Im Nachbarland Frankreich hatte die Regierung diese Woche beschlossen, dass homöopathische Mittel ab 2021 nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden sollen. Grund sind massive Zweifel an der Wirksamkeit der Globuli. In Deutschland sind sie zwar kein Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherungen. Allerdings erstatten viele Kassen Behandlungskosten für Naturheilverfahren - auch aus Marketinggründen.

Nun fordert der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, ein Ende der Finanzierung solcher Leistungen durch die Krankenkassen in Deutschland. Es gebe "keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren". Er forderte die Kassen auf, ihre Finanzmittel in die ambulante Versorgung zu leiten, "anstatt vor allem aus Marketingzwecken Beitragsgelder für Homöopathie auszugeben". Gassen betonte: "Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft."

Der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, forderte Klarheit vom deutschen Gesetzgeber. Litsch sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, wie in Frankreich sei "der Gesetzgeber gefragt, Klarheit zu schaffen." Damit es diese Klarheit gebe, müsse der Gesetzgeber "Homöopathie als zusätzliche Leistung der Krankenkassen explizit ausschließen". Litsch sagte, es gebe keinen Nachweis in methodisch hochwertigen Studien für die Wirksamkeit der Homöopathie. Die Krankenversicherungen stünden deshalb "zwischen Baum und Borke", weil ein Teil der Bevölkerung die Homöopathie als Alternative zur klassischen Schulmedizin schätze.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa

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