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Cannabis in Illinois legalisiert Hunderttausende Häftlinge sollen freikommen

Ein Mann raucht einen Joint mit Marihuana. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Innerhalb von nur fünf Verkaufstagen wurden mit dem Cannabis-Handel in Illinois Einnahmen in Millionenhöhe erzielt.

(Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild)

Ein weiterer US-Bundesstaat legalisiert Cannabis und sogleich stehen die Menschen Schlange. Doch dem Gouverneur von Illinois geht es nicht nur um die Droge selbst, sondern auch um die Justiz. Die Entlassung Hunderttausender Häftlinge steht bevor.

Kaum ist Cannabis im US-Bundesstaat Illinois legalisiert, schon gibt es Lieferengpässe: Mehrere Verkaufsstellen mussten mangels Cannabis-Vorräten vorläufig schließen, wie von Verkäuferseite zu erfahren war. Andere Verkaufsstellen beschränken sich bis auf Weiteres darauf, Cannabis zu medizinisch-therapeutischen Zwecken herauszugeben. Innerhalb von nur fünf Verkaufstagen wurden den Statistiken zufolge mit dem Cannabis-Handel in Illinois Einnahmen von elf Millionen Dollar (knapp zehn Millionen Euro) erzielt.

Die Einnahmen könnten nach Experteneinschätzung künftig noch stark in die Höhe schnellen. Das Fachmagazin "Marijuana Business Daily" veranschlagte den möglichen Verkaufserlös auf umgerechnet gut 2,2 Milliarden Euro im Jahr. Bislang gibt es in Illinois 37 Verkaufsstellen, davon zehn in Chicago. Der Bundesstaat will aber ab der Jahresmitte Dutzende neue Lizenzen an Händler und Cannabis-Produzenten vergeben.

Die Legalisierung gilt für Nutzer ab 21 Jahren. Einwohner von Illinois dürfen ab dieser Altersgrenze seit der Jahreswende bis zu 30 Gramm Cannabis, fünf Gramm Cannabis-Konzentrat oder 500 Milligramm des Cannabis-Wirkstoffs THC besitzen. Wer seinen Wohnsitz nicht in Illinois hat, sich aber dort aufhält, darf bis zu 15 Gramm Cannabis mit sich führen.

700.000 Häftlinge vor Entlassung

Im neuen Jahr hatten sich an den Verkaufsstellen gleich lange Schlangen gebildet. Gouverneur Jay Robert Pritzker will mit der Legalisierung zugleich das Justizsystem entlasten und Zehntausende Menschen in die Freiheit entlassen, die wegen geringfügiger Delikte im Zusammenhang mit Cannabis-Konsum verurteilt worden waren. Direkt bei der Umstellung begnadigte der Gouverneur 11.017 Menschen. Insgesamt sind mehr als 700.000 Begnadigungen geplant.

Mit der Legalisierung von Cannabis als Genussmittel beende Illinois einen "gescheiterten Krieg gegen Drogen", sagte die Staatsanwältin Kim Foxx. Dieser Kampf habe "unverhältnismäßige" Auswirkungen auf afroamerikanische Bürger und Mitglieder anderer Minderheiten gehabt.

Vor Illinois haben schon zehn andere US-Bundesstaaten sowie Washington D.C. Cannabis als Genussmittel legalisiert. In 34 Bundesstaaten sowie in der US-Hauptstadt ist der Cannabis-Konsum aus medizinischen Gründen erlaubt. Die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA stuft Marihuana aber weiterhin als eine gefährliche Substanz ein - ebenso wie LSD oder Heroin.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa