Politik

Tätersuche nach Botschafter-Tod Hutu-Rebellen beschuldigen Militär

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Friedenstruppen der Vereinten Nationen bewachen das Gebiet, in dem der Konvoi überfallen wurde.

(Foto: dpa)

Zahlreiche Milizen operieren im Ost-Kongo, Überfälle sind an der Tagesordnung. Nachdem der italienische Botschafter bei einem solchen Angriff ums Leben kommt, fällt der Verdacht zunächst auf Hutu-Rebellen. Doch die weisen die Verantwortung von sich.

Nach dem gewaltsamen Tod des italienischen Botschafters Luca Attanasio im zentralafrikanischen Kongo läuft die Suche nach den Tätern. Präsident Félix Tshisekedi hat nach der Einsetzung eines Krisenstabs mehrere Ermittler in die östlich gelegene Grenzstadt Goma entsandt.

Die Regierung hatte zunächst Hutu-Rebellen der FDLR (Forces démocratiques pour la libération du Rwanda) aus dem benachbarten Ruanda der Tat verdächtigt. Diese bestritten in einer Erklärung jedoch ihre Beteiligung: Ihre Milizen befänden sich weit entfernt vom Tatort, den die Armee kontrolliere. Die Verantwortung für diese "abscheuliche Tötung" sei in den Reihen des Militärs zu finden. Bislang haben weder die kongolesischen noch die ruandischen Behörden die Anwesenheit ruandischer Truppen im Kongo bestätigt.

Am Vortag hatten Bewaffnete einen Konvoi des Welternährungsprogramms (WFP) überfallen und dabei den Botschafter, dessen Leibwächter und einen Fahrer getötet. Mehrere andere Menschen aus dem Konvoi wurden verwundet. Ranger, die zufällig in der Nähe waren, schlugen den Angriff wenig später zurück. Der 43-jährige Diplomat erlag seinen schweren Verletzungen. Der Konvoi war von Goma zu einem Schulspeisungsprojekt in der Rutshuru-Region unterwegs - auf einer Straße, die laut WFP zuvor für Reisen ohne Sicherheitseskorten freigegeben worden war.

Häufige Entführungen

Attanasios Leiche wurde am Dienstag an Bord eines Fliegers der italienischen Luftwaffe nach Italien zurückgeführt. Nach dem Vorfall beschloss die Regierung des Landes, Reisen von Diplomaten einzuschränken. Botschafter und andere Vertreter diplomatischer Missionen dürften die Hauptstadt Kinshasa nicht verlassen und ins Landesinnere reisen, ohne die Behörden zu informieren, sagte Außenministerin Marie Thérèse Tumba Nzeza. Die Regierung werde zudem für mehr Sicherheit in den als besonders gefährdet eingestuften Gebieten des Landes sorgen.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte den Angriff aufs Schärfste verurteilt und Kongos Regierung zu einer schnellen Aufklärung der Tat aufgefordert, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Im Ost-Kongo sind mehrere Milizen aktiv, denen es vor allem um die Kontrolle der wertvollen Bodenschätze geht. In der Nähe des Virunga-Nationalparks sind Menschenrechtlern zufolge innerhalb von drei Jahren mindestens 170 Menschen entführt worden. Die Opfer - viele davon Frauen - seien geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und zu Geldzahlungen erpresst worden.

Quelle: ntv.de, ino/dpa