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Türkei weitet Offensive aus IS-Kämpfer flohen zu Hunderten vor Türken

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20 weitere türkische Panzer sind über die syrische Grenze gerollt - die Regierung in Damaskus ist empört.

(Foto: AP)

Dscharablus im Norden Syrien befreien türkische Truppen mit Hilfe syrischer Rebellen nahezu kampflos - die IS-Kämpfer waren bereits größenteils geflohen. Die Türkei schickt nun weitere Panzer in das Bürgerkriegsland. Ihnen geht es nicht nur um die Dschihadisten.

Die Türkei verstärkt ihre Bodenoffensive im Norden Syriens. 20 weitere Panzer seien am Morgen auf syrisches Territorium vorgedrungen, teilte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Ankara mit - begleitet wurden sie von mehreren Krankenwagen und schwerem Baugerät. Die an der Seite der Türkei kämpfenden syrischen Rebellen hatten am Mittwoch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem syrischen Grenzort Dscharablus vertrieben.

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Türkische Panzer warten an der syrischen Grenze auf den Marschbefehl.

(Foto: dpa)

Hunderte Dschihadisten hätten Dscharablus bereits vor der Militäroffensive türkischer Kräfte und Rebellen verlassen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bis zu 450 IS-Kämpfer hätten sich bis Dienstag noch in Dscharablus aufgehalten, sagte der Vorsitzende des Stadtrates, Mahmud Ali. Sie sollen sich nach Ort Al-Bab zurückgezogen haben, das etwa 70 Kilometer südwestlich liegt und das letzte größeres Zentrum der Terrormiliz in der Region ist.

Einsatz auch gegen Kurden

Mehr als fünf Jahre nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs war es das erste Mal, dass türkischen Truppen eine so große Bodenoffensive im Nachbarland starteten. Erdogan erklärte, der Militäreinsatz sei "gegen Bedrohungen gerichtet", die für die Türkei von Terrororganisationen wie dem IS oder der syrischen Kurdenmiliz YPG ausgingen. Bei der Offensive "Schutzschild Euphrat" dürfte es der Türkei neben der Bekämpfung der IS-Miliz vor allem darum gehen, einen weiteren Vormarsch syrischer Kurden zu verhindern.

"Bis das verwirklicht ist, werden unsere Operationen weitergehen", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am späten Abend in einem Fernsehinterview. "Unsere Abmachung mit den USA lautet, dass sich die Kurden aus Manbidsch und der Region auf die Ostseite des Euphrats zurückziehen müssen", führte Yildirim aus. "Das ist die Zusage, die Garantie, die uns die USA gegeben haben." Das westlich des Euphrats gelegene Manbidsch war kürzlich von einem Bündnis unter Führung syrischer Kurdenmilizen vom IS zurückerobert worden.

Die syrische Führung verurteilte die türkische Intervention im Norden Syriens scharf. Der Einsatz türkischer Panzer unter dem Schutz der US-Luftwaffe sei eine schwere Verletzung der Souveränität, sagte der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad, am Donnerstag der Agentur Interfax. Die Türkei müsse ihr Vorgehen mit der Regierung in Damaskus koordinieren, forderte er.

US-Unterstützung für Türkei

An dem Militäreinsatz in Dscharablus waren laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu rund 1500 Kämpfer der Freien Syrischen Armee beteiligt. Sie eroberten demnach auch das Dorf Keklidscha, fünf Kilometer von Dscharablus entfernt und drei Kilometer hinter der Grenze gelegen. Unterstützt wurden sie von US-Kampfflugzeugen. "Die Anti-IS-Koalition hat in Unterstützung türkischer Anti-IS-Operationen und syrischer Oppositionskräfte Luftschläge ausgeführt ", teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Die Gegend um Dscharablus ist ein wichtiges Schlupfloch - IS-Kämpfer überwinden dort die türkisch-syrische Grenze. Die USA hätten die Türkei bereits seit langer Zeit ermutigt, die Grenze zu schließen, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Bereits beim G20-Gipfel im vergangenen Jahr hätten sich US-Präsident Barack Obama und Erdogan darüber verständigt. Der US-Sprecher betonte, die Kurden hätten bei der Befreiung der türkisch-syrischen Grenze "wichtige Beiträge" geleistet.

Quelle: n-tv.de, vpe/jug/dpa/AFP

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