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Sechs Tote bei Überfall in Afghanistan IS soll Rot-Kreuz-Mitarbeiter ermordet haben

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Im Konflikt zwischen Regierung und Taliban ist das Rote Kreuz neutral. Das schützte die nun getöteten Mitarbeiter jedoch nicht.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Obwohl die Gewalt in Afghanistan seit Langem immer weiter eskaliert, genießt das Rote Kreuz als Hilfsorganisation bei allen Konfliktparteien einen besonderen Schutzstatus - zumindest bislang. Nun werden sechs Mitarbeiter getötet und weitere entführt.

Islamisten haben in der nordafghanischen Provinz Dschausdschan sechs Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erschossen. Zwei weitere Kollegen würden vermisst, teilte die Organisation auf Twitter mit.

Die Männer seien am Mittwochmorgen getötet worden, sagte ein IKRK-Sprecher. Zu ihrer Nationalität und zur Identität der Täter wollte er zunächst keine Angaben machen.

Ein Reporter des afghanischen Senders Tolo TV hatte zuvor getwittert, Bewaffnete hätten die sechs IKRK-Mitarbeiter von einem oder mehreren Motorrädern aus im Bezirk Kosch Tepa erschossen. Nach Angaben des Gouverneurs Maulawi Lotfullah Asisi haben Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Männer getötet. Alle Opfer seien Afghanen. Am Morgen hätten insgesamt acht Mitarbeiter des Roten Kreuzes "Heu für Herdentiere verteilt", als sie im Gebiet von Tschakmachokor von Mitgliedern des IS angegriffen worden seien. Zwei Männer seien entführt worden.

Asisi beschuldigt einen Kommandeur namens Kari Hikmatullah und seine Männer. Die sechs Toten seien mithilfe von Stammesältesten geborgen worden. Man versuche nun, die Freilassung der beiden Geiseln auszuhandeln.

Taliban entführen Hunderte NGO-Mitarbeiter

Der IS hat eigentlich außerhalb der ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar sowie einer Zelle in Kabul keine Präsenz im Land. IS-Kämpfer in Dschausdschan wären eine Neuheit. Ehemalige Taliban oder auch Kriminelle haben sich aber auch in anderen Provinzen punktuell schon IS genannt.

Erst im Dezember war ein spanischer Mitarbeiter des IKRK in der nordafghanischen Provinz Kundus aus einem Auto heraus entführt worden. Er war im Januar freigekommen. Zur Identität der Entführer hatte die Organisation damals keine Angaben machen wollen.

Entlang der betroffenen Straße und anderswo hatten radikalislamische Taliban seit Monaten Hunderte Autos und Busse angehalten und nach Angestellten von Nichtregierungsorganisationen, der Regierung oder Sicherheitskräften durchsucht. Hunderte wurden entführt, Dutzende getötet. Das Rote Kreuz genießt eigentlich auch unter Taliban und anderen Kriegsparteien einen besonderen Schutzstatus. "Möglicherweise haben sich die Zeiten geändert", sagte ein IKRK-Mitarbeiter. "Das sind schwere Monate für uns."

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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