Politik
Mohring gilt als Merkel-kritisch - er zollt ihr aber auch großen Respekt.
Mohring gilt als Merkel-kritisch - er zollt ihr aber auch großen Respekt.(Foto: imago/Chris Emil Janßen)
Freitag, 07. Dezember 2018

Mike Mohring im Interview : "Ich hoffe, sie lädt mich mal zum Tee ein"

Der Thüringer CDU-Chef Mike Mohring war einer derjenigen, die spürbar aufatmeten, als Kanzlerin Merkel ankündigte, den CDU-Vorsitz abzugeben. Im Interview mit n-tv zollt er ihr jedoch nun großen Respekt und hätte sogar Lust, mit ihr Tee zu trinken.

n-tv: Herr Mohring, die größte Frage, die alle haben: Wie geht's aus?

Mike Mohring: Die größte Antwort, die alle geben: Keiner weiß es. Das ist das Spannende. Es ist wirklich ein historischer Parteitag. Alle sind aufgeregt und neugierig, dabei zu sein. Es ist ein bisschen wie im Kino mit Popcorn: zurücklehnen und schauen, wie die Reden der Bewerber ausgehen.

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Egal, was aus der Partei kommt - ob Wolfgang Schäuble oder Bundeswirtschaftsminister Altmaier sagt, für wen er ist - es gibt Aufregung. Haben Sie die CDU je schon einmal so nervös erlebt?

Nein, und das ist natürlich begründet. Wir haben jetzt sechs Wochen Wahlkampf auf den Regionalkonferenzen gehabt, die sehr fair abgelaufen sind und der Partei wirklich gut getan haben. Und jetzt, wo sich alles fokussiert auf Hamburg, auf den Parteitag, wollen natürlich alle ihre Pferde in den Stall kriegen. Da wird's ein bisschen aufgeregt. Deswegen sage ich: Gut, dass heute entschieden wird und dass auch morgen dann gearbeitet wird und die Leute sehen, diese CDU hat verstanden. Sie hat sich neu aufgestellt. Es gibt kein "Weiter so" und es gibt heute die Entscheidung.

Wer ist denn derjenige, der diese Partei einen wird, wenn diese Wahl vorbei ist?

Tatsächlich traue ich es allen dreien zu. Aber gleichzeitig ist es die große Aufgabe, nicht nur die Partei zu einen, sondern auch die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden. Brücken zu bauen, die Mitte der Gesellschaft wieder zu integrieren, die Ränder wieder klein zu machen. Das ist die große Aufgabe und wenn wir genau hinschauen, wissen wir: Die Denkzettelwahlen, die wir in Bayern und Hessen bekommen haben, die haben wir nicht wegen des CDU-Parteivorsitzes gekriegt. Sondern wegen des fehlenden Vertrauens in die Arbeit der Bundesregierung. Und es muss gelingen, dass der oder die neue Parteivorsitzende ihren oder seinen Einfluss auf die Bundesregierung geltend macht. Dass dort nicht mehr gestritten wird, dass dort entschieden wird und dass die Probleme der Menschen auch Themen im Kabinett dieser Bundesregierung sind.

Sie haben im kommenden Jahr eine Landtagswahl in Thüringen. Wer wäre Ihnen denn als Wahlkampfhelfer am liebsten? Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn?

Alle drei kommen ja nicht aus dem Osten und wohnen auch relativ weit weg vom Osten. So gesehen braucht es, so glaube ich, eine Mannschaftsaufstellung. Michael Kretschmer, der Ministerpräsident aus Sachsen, und ich kandidieren neu für das Präsidium, weil Angela Merkel und Thomas de Maizière ausscheiden. Wir hoffen, dass wir dann auf Augenhöhe unsere Themen des Ostens in der Bundesparteispitze geltend machen können. Wobei, alleine wird das nicht gehen. Und wer sein Wort nicht geltend machen kann, dessen Worte werden auch nicht gehört. Deswegen brauchen wir da eine gute Mannschaft, die auch zeigt, dass auch die CDU für den Osten die Ohren offen hat. Und als Partei der Deutschen Einheit auch weiß, dass es auch nach dem Ende des Solidarpaktes gemeinsam in eine gute Zukunft für Deutschland geht. Die Ostdeutschen fühlen sich nicht abgehängt, sondern sind auf Augenhöhe mit ihren Biographien und Teil aller.

Würden Sie sich freuen, wenn Angela Merkel auch mal bei einer Wahlkampfveranstaltung vorbeikommt?

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Sie war ja gerade erst bei mir und ich lade sie auch wieder ein, selbstredend. Sie ist ja die Bundeskanzlerin unserer Bundesrepublik.

Und wenn sie nicht mehr Kanzlerin ist?

Dann hoffe ich, dass sie mich mal einlädt zum Tee.

Herr Mohring, Angela Merkel ist 18 Jahre im Amt. Wie wird das heute zu Ende gehen?

Ich glaube, heute wird es noch einmal richtig emotional werden nach ihrer Rede. Es ist ja doch eine Ära, die zu Ende geht. Wenn man alles setzen lässt, dann sieht man, dass während der Kanzlerschaft Angela Merkels die größte Aufschwungsperiode fällt, die wir je hatten. Der Fiskus hat so viel Geld wie nie zuvor, weil die Leute fleißig sind und die Rahmenbedingungen stimmen.

Trotzdem sind viele unzufrieden.

Ja, das ist das Verrückte. Es ist natürlich auch so, dass die Erwartungen immer weiter steigen. Man ist in der Politik nicht mit der Dankbarkeit für die Vergangenheit, sondern den Optionen auf die Zukunft unterwegs. Und da ist vieles durcheinander geraten. Deswegen hat sie auch selber erkannt, dass es kein "Weiter so" geben kann. Dass sie an einer Stelle zur Seite treten muss, damit sich die Dinge weiterentwickeln können. Und das tut sie jetzt mit der Abgabe des Parteivorsitzes. Das ist schon ein historischer Schritt.

Sie kommen aus einem Bundesland, wo es viele Gegner Angela Merkels gab.

Man muss anerkennen, wie Angela Merkel in der Welt wahrgenommen wird. Und da hat sie die Ebene von Konrad Adenauer und Helmut Kohl erreicht, wie wir jetzt gerade wieder beim G20-Gipfel gesehen haben. Und das bleibt auch, das ist ihr Verdienst. Ihre Souveränität im Amt, das sie ausgefüllt hat. Da muss man schon so anständig sein, dass man diesen Respekt auch immer zum Ausdruck bringt.

Als Landeschef der Thüringer CDU haben Sie jetzt die Chance, Ihren Tipp abzugeben: Wer gewinnt?

Die Delegierten tragen ihre Entscheidung sicher schon im Herzen, so wie ich. Aber auf dem Parteitag kommt es heute darauf an, wer wie redet. Wir haben nur eine kurze Redezeit, nur etwa 20 Minuten. Wer es da schafft, die Herzen der Delegierten zu erreichen, der kann auch etwas wuppen. Ich glaube es wird am Ende zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer richtig spannend und knapp ausgehen.

Glauben Sie auch, dass es im zweiten Wahlgang knapp wird?

Das gilt für beide Wahlgänge. Wenn Jens Spahn ausscheidet, wird es ja noch einmal spannend - was machen dann die Leute, die vorher ihn unterstützt haben? Das wird sich, glaube ich, ziemlich genau aufteilen. Und dann wird es echt eine knappe Hausnummer.

Quelle: n-tv.de