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100.000 Pass-Anträge vor Brexit Immer mehr Briten wollen Iren werden

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Fast 100.000 Menschen aus Großbritannien haben im vergangenen Jahr einen irischen Pass beantragt.

(Foto: imago/AFLO)

Im März verlässt Großbritannien die EU - und Zehntausende Bürger des Landes versuchen vor diesem Termin noch Großbritannien in Richtung Irland zu verlassen. Nicht nur dort erreicht die Zahl der Pass-Anträge einen Höhepunkt.

Vor dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union beantragen deutlich mehr Briten einen irischen Pass. Ihre Zahl sei 2018 um 22 Prozent auf fast 100.000 gestiegen, wie das irische Außenministerium mitteilte. Noch 2015 waren es lediglich 46.000. Jeder, der in Irland oder Nordirland geboren wurde oder dessen Eltern oder Großeltern aus Irland stammen, kann einen irischen Pass beantragen - das trifft auf etwa sechs Millionen Briten zu. Sowohl in Irland als auch in Großbritannien ist die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt.

Großbritannien soll Ende März die Europäische Union verlassen. Unklar ist, ob es dem britischen Parlament bis dahin gelingt, ein Austrittsabkommen zu verabschieden oder ob es zu einem Brexit ohne Folgevereinbarung kommt. Auch in Deutschland stieg die Zahl der eingebürgerten Briten zuletzt kräftig an: 2017 beantragten mit 7493 Briten so viele wie nie zuvor einen deutschen Pass.

Drei Monate vor dem Austrittstermin ist aus Sicht des britischen Handelsministers Liam Fox allerdings noch nicht sicher, dass Großbritannien die EU wirklich verlässt. Sollte das Parlament das EU-Austrittsabkommen ablehnen, stünden die Chancen 50 zu 50, dass der Brexit nicht stattfinde, sagte Fox der "Sunday Times". EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström prognostizierte Chaos für den Fall eines Austritts ohne Vertrag. Der zollfreie Warenverkehr würde abrupt unterbrochen, sagte die Schwedin der Deutschen Presse-Agentur. Großbritannien will die EU am 29. März verlassen.

"Rauft euch zusammen"

Über den von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag soll das britische Parlament Mitte Januar abstimmen. Doch ist bisher keine Mehrheit in Sicht. Konservative Kritiker befürchten, der Vertrag könne Großbritannien mit Übergangslösungen auf Dauer zu eng an die EU binden. Die langfristigen Beziehungen sollen aber eigentlich mit einem weiteren Abkommen geklärt werden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wiederholte in der "Welt am Sonntag" sein Angebot, bei Zustimmung des Parlaments "schon einen Tag später mit den Vorbereitungen der künftigen Beziehungen" zu beginnen. "Man unterstellt uns, unser Ziel sei es, Großbritannien mit allen Mitteln in der EU zu halten", sagte Juncker. "Das ist aber nicht unsere Absicht."

Die EU respektiere das Ergebnis der britischen Volksabstimmung aus dem Jahr 2016, wünsche aber Klarheit über die künftigen Beziehungen. "Mein Appell ist: Rauft euch zusammen und sagt uns dann Bescheid, was ihr denn nun wollt", sagte Juncker. Handelskommissarin Malmström stellte klar, dass die EU auch im Falle eines Austritts ohne Vertrag mit Großbritannien über ein Handelsabkommen reden werde. Dafür werde es aber Zeit brauchen.

"Also werden die Briten vom ersten Tag an Kontrollen durchführen, und so werden wir es auch machen", sagte Malmström. Im Hafen von Dover, einem der Hauptumschlagsorte der Insel für den Warenhandel mit dem europäischen Festland, werde es chaotische Verhältnisse geben. Für diesen Fall bereitet sich Großbritannien verstärkt vor. Wie die BBC berichtete, schloss die Regierung in den vergangenen Monaten Verträge über umgerechnet rund 120 Millionen Euro mit Fährgesellschaften, um Engpässe in Dover mithilfe von gecharterten Fähren zu vermeiden.

Quelle: n-tv.de, bdk/rts/dpa

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