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Die Schwellenländer rüsten auf Indien enthüllt Flugzeugträger

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Jung, stark, selbstbewusst: Indien strebt zu militärischer Macht und Größe.

(Foto: REUTERS)

Verteidigungsminister Antony kann seinen Stolz kaum verbergen: Mit einer feierlichen Zeremonie im südwestindischen Flottenstützpunk Kochi übergibt er den Rumpf des größten und mächtigsten jemals in Indien gebauten Kriegsschiffs an die Marine. Der Rüstungswettlauf in Asien erreicht eine neue Dimension.

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Der Stolz der indischen Seestreitkräfte: Noch ist die "INS Vikrant" nicht viel mehr als ein großer Rumpf.

(Foto: AP)

Historische Schiffstaufe am Ufer des Indischen Ozeans: Indien hat zu Wochenbeginn seinen ersten unter Eigenregie gebauten Flugzeugträger eingeweiht. Verteidigungsminister Arackaparambil Kurien Antony sprach bei der Zeremonie in der südindischen Hafenstadt Kochi von einem "bemerkenswerten Meilenstein".

"Wir haben die Fähigkeit und die Technologie, uns mit den Besten in der Welt zu messen", sagte Antony. Der Minister wies vor dem riesigen grauen Rumpf der "INS Vikrant" aber auch darauf hin, dass die Einweihung "nur ein erster Schritt auf einer langen Reise" sei. Tatsächlich muss das Typschiff der neuen Vikrant-Klasse noch mit Waffen- und Maschinentechnik ausgerüstet werden, bevor es getestet werden kann. Die Erprobungsphase mit den unterschiedlichen technischen, nautischen und militärischen Systemen an Bord ist auf vier Jahre angesetzt. Erst 2018 soll der neue Träger offiziell in Dienst gestellt werden. Ein zweites Schiff dieser Klasse ist in Planung.

Rivalen China überholt

Wenn alles klappt, dann steigt Indien damit neben Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA zum weltweit fünften Staat auf, der über eigene Kompetenzen im Flugzeugträgerbau verfügt. Das bevölkerungsreiche Schwellenland überholt damit den regionalen Rivalen China. Die von der Kommunistischen Partei in Peking regierte Großmacht kann bisher nur einen umgerüsteten Flugzeugträger aus der Ukraine vorweisen, der sich darüber hinaus derzeit noch in der Erprobungsphase befindet.

Und Indien rüstet weiter auf: Erst am Wochenende hatte die indische Regierung bekannt gegeben, dass das erste selbstentwickelte Atomunterseeboot "INS Arihant" bereit zur Probefahrt sei. Weitere 39 Kriegsschiffe sind derzeit im Bau, darunter auch zwei weitere Flugzeugträger.

Wichtiger Schritt im Rüstungswettstreit

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Noch fehlen Technik, Innenleben und Aufbauten: Doch schon jetzt verändert die "Vikrant" das machtpolitische Gleichgewicht im Indischen Ozean.

(Foto: REUTERS)

Analysten sehen den Bau des neuen, 262 Meter langen Flugzeugträgers als wichtigen Schritt im Rüstungswettstreit mit China. Allerdings hat sich der Bau der "INS Vikrant" wegen technischer Probleme bereits um zwei Jahre verzögert. Abgesehen davon ist der Anspruch auf Eigenentwicklung nur bedingt haltbar: Nur ein Teil des neuen Riesenschiffs stammt tatsächlich aus Indien. Zwar ist der Rumpf des 40.000-Tonnen-Schiffs im Wesentlichen an indischen Werftstandorten entstanden, doch die Maschinentechnik und vor allem die Waffensysteme stammen zum Großteil aus dem Ausland.

An welchen Baumustern sich die indischen Träger-Ingenieure orientieren, verraten Pläne für die Ausstattung der fliegenden Einheiten des Trägers: Ausgerüstet werden soll das Schiff mit russischen MIG-Flugzeugen. Bislang vertraute Indien bei Großkampfschiffen stets auf britische oder russische Technik.

Eroberung des "offenen Wassers"

Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte sich die indische Marine dem Motto verschrieben, "das offene Wasser zu erobern". Unter diesem Slogan machen sich die Militärplaner der weltgrößten Demokratie daran, weitreichende und hochseetaugliche Technik zu entwickeln. Die Anstrengungen schlagen sich auch im Staatshaushalt nieder: Anfang der 1990er Jahre lagen die Mittel für die Marine bei rund 12 Prozent des Verteidigungsbudgets. In den vergangenen Jahren erreichten sie einen Anteil von 18 Prozent, wie das Institut für Verteidigungsstudien und -analysen berichtet. Das heißt in offiziellen Zahlen: Umgerechnet 4,2 Milliarden Euro gibt Indien im aktuellen Jahresbudget für seine Seestreitmacht aus.

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Ein Meilenstein für den indischen Schiffbau: Der Rumpf der "Vikrant" in der Cochin-Werft.

(Foto: REUTERS)

Quantitativ liege der Fokus Indiens zwar nach wie vor auf den Landstreitkräften, sagt der Verteidigungsanalyst Uday Bhaskar von der Gesellschaft für Politikstudien in Neu Delhi. "Aber qualitativ ist die Marine sehr bedeutend." Als starke Macht im Indischen Ozean könne Indien mit seinen Fregatten, Zerstörern und Korvetten die Handelsrouten um den Subkontinent sichern - oder im Fall von Naturkatastrophen wie etwa einem Tsunami mit Schiffsraum und Verladekapazitäten aushelfen. "Die indische Marine hat in dem Bereich an Relevanz gewonnen und spielt regional eine herausragende Rolle", meint Bhaskar.

Rückgrat der künftigen indischen Marine

Der nun zu Wasser gelassene Flugzeugträger "Vikrant" - das Sanskrit-Wort für mutig - soll zusammen mit seinem geplanten Schwesterschiff das Rückgrat der künftigen indischen Marine bilden. Außerdem könnte Ende dieses Jahres endlich die sanierte sowjetische "Admiral Gorschkow" ankommen, die mittlerweile unter dem Namen "Vikramaditya" fest in die Einsatzplanungen der indischen Marine eingeplant ist. "Indien plant zukünftig mit drei Trägern: einen im Osten, einen im Westen und einen in den Docks", sagt Ex-Generalmajor Ramesh Chopra. Damit steige das Land in die Riege der sechs globalen Seemächte auf - auch wenn die Interessen Indiens immer regional blieben, betont er.

Andere Analysten sehen allerdings am Horizont einen Kampf mit China um die Vormachtstellung auf dem Wasser heraufziehen. Die andere große asiatische Militärmacht rüstet mit der "Liaoning" ebenfalls einen Flugzeugträger aus. Die ehemalige "Warjag" ist ein modernisiertes sowjetisches Modell, das vorerst nur zu Trainingszwecken dient. Nach offiziell unbestätigten Berichten arbeitet China allerdings ebenfalls bereits an einem ersten eigenen Flugzeugträger.

Verschiebung mit globalen Folgen

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Japans neues Großkampfschiff: Der Helikopterträger "Izumo" gilt offiziell als umgebauter Zerstörer.

(Foto: REUTERS)

Raja Mohan von der Observer Research Foundation (ORF) sagte jüngst bei der Vorstellung seines Buches zur Rivalität im Indopazifik in Neu Delhi: "Erstmals blicken die beiden Staaten Indien und China, jeder mit einer Bevölkerung von 1,2 Milliarden Menschen, Richtung Meer." Dies sei eine gewaltige Verschiebung mit globalen Folgen.

Die maritimen Spuren der beiden Mächte kreuzten sich nun immer häufiger, meint Analyst Mohan. Und mit den USA gebe es einen dritten Akteur in der Region, der sich als Partner Indiens verstehe. Er ist sich sicher, dass die beiden ökonomisch so ungleichen Schwellenländer China und Indien um ihren Platz auf den Meeren ringen: "Man muss ja nicht gleichauf liegen, um miteinander zu wetteifern."

Japan feiert "Izumo"

Wie sensibel China auf den Ausbau der Seestreitkräfte in der Region reagiert, ließ sich erst vor Kurzem an den offiziellen Stellungnahmen aus Peking zur Weihe des neuen japanischen Hubschrauber-Trägers "Izumo" ablesen. Anfang August hatte Japan - das sich mit den Nachbarn Taiwan und China um eine unbewohnte Inselgruppe im chinesischen Meer streitet - den größten Kriegsschiffneu seit dem Zweiten Weltkrieg vorgestellt. Der 248 Meter lange Helikopterträger - technisch und offiziell ein umgebauter Zerstörer mit erweiterter Landefläche - wurde in einer Zeremonie in Yokohama präsentiert, bei der auch Vizeregierungschef Taro Aso zugegen war.

"Wir sind besorgt über den ständigen Ausbau der militärischen Ausrüstung Japans", teilte das chinesische Verteidigungsministerium mit. Die Nachbarländer sollten dies "mit hoher Wachsamkeit" beobachten. Japan selbst solle "sein Versprechen einhalten, den Weg zu einer friedlichen Entwicklung einzuschlagen", verlangte das Ministerium.

Das neue Kriegsschiff kann nach Angaben des japanischen Verteidigungsministeriums neun Hubschrauber transportieren und wird voraussichtlich 2015 in Dienst gestellt. Die "Izumo" soll sowohl für Rettungseinsätze als auch für die Verteidigung von Schifffahrtswegen und Gebietsansprüchen verwendet werden. Japan kontrolliert die unbewohnten Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer, die unter dem Namen Diaoyu auch China für sich beansprucht. Taiwan reklamiert die Inseln ebenfalls für sich. Japan streitet sich außerdem mit Südkorea über Gebietsfragen. Abgesehen davon ist Japan als Inselstaat auf freie Zufahrtswege und sichere Handelsrouten auf dem Meer angewiesen.

Fesseln der Vergangenheit

Die Vorstellung des neuen Hubschrauberträgers steht auch in Zusammenhang mit Plänen der konservativen Liberaldemokraten von Regierungschef Shinzo Abe, die sogenannten "Selbstverteidigungskräfte" Japans zu einer modernen Armee mit Offensivkapazitäten umzuwandeln. Dafür müsste jedoch die pazifistische Verfassung des Landes geändert werden, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA verfügt worden war.

Für Irritationen sorgte bei der Schiffstaufe in Japan auch die Tatsache, dass die Vorstellung der "Izumo" zeitlich mit dem Gedenktag für den Atombombenabwurf auf Hiroshima vor 68 Jahren zusammenfiel. Nach Angaben der Regierung in Tokio war die Terminüberschneidung rein zufällig.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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