Politik

Abbrennen von Feldern gestoppt Indien zieht die Smog-Notbremse

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Neu-Delhis Einwohner kämpfen sich durch den Smog.

(Foto: imago images/Hindustan Times)

In keiner Stadt der Welt ist die Luft dreckiger als in Neu-Delhi. Eingeschränkter Autoverkehr und auch ein Verbot zum Abbrennen von Stoppelfeldern sollen helfen, die gefährliche Feinstaubbelastung zu verringern. Kritikern gehen die Maßnahmen allerdings nicht weit genug.

Indien ergreift eine Reihe von Maßnahmen gegen den gesundheitsschädlichen, extremen Smog in Neu Delhi und anderen Städten. Das Oberste Gericht des Landes verhängte für Neu Delhis Umgebung ein sofortiges Verbot, abgeerntete Felder abzubrennen. Diese landwirtschaftliche Praxis trägt massiv zu der gefährlichen Feinstaubbelastung in Indiens Hauptstadt bei. Durch das Abbrennen von Stoppelfeldern verlören die 20 Millionen Menschen in Neu Delhi "wertvolle Jahre", begründete der Oberste Gerichtshof seine Entscheidung über eine Klage von Aktivisten.

Menschen würden durch die Luftverschmutzung sterben und das dürfe "in einem zivilisierten Land nicht passieren". Das Gericht drohte, wenn das Abbrennen von Stoppelfeldern kein Ende nehme, würden die gesamten Staats- und Polizeihierarchien bis hin zu örtlichen Beamten dafür verantwortlich gemacht. Stoppelfelder anzuzünden ist eigentlich bereits verboten, viele Bauern halten sich aber nicht daran.

In der kühleren Jahreszeit nimmt die Luft den Rauch von den Feldern auf und trägt ihn bis in die großen Städte. Zusammen mit Autoabgasen, den Emissionen von Fabriken und dem Staub von Baustellen ergibt dies einen giftigen Smog-Cocktail, der Beschwerden wie Augenbrennen und Atemnot verursacht. Am Sonntag erreichte die Konzentration von Feinstaub-Partikeln der Kategorie 2,5 PM in Neu Delhi den höchsten Wert seit fast drei Jahren. Fast 1000 Mikrometer des Feinstaubs pro Kubikmeter Luft wurden gemessen - die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Wert von unter 25. Die PM-2,5-Feinstaubpartikel können durch die Blutbahn in die Lunge eindringen und schwere Atemwegs- und Herzerkrankungen verursachen.

Nach Angaben der Website "AirVisual" ist Neu Delhi weiterhin die Stadt mit der schlimmsten Luftverschmutzung weltweit, gefolgt von der indischen Metropole Mumbai. Laut WHO sind unter den weltweit am meisten verschmutzten Städten 14 indische Städte.

Schulen bleiben tagelang geschlossen

Vor dem berühmten Mausoleum Taj Mahal, rund 250 Kilometer südlich von Neu Delhi, wurde ein Kleinbus mit einer Luftreinigungsanlage aufgebaut. Wegen des Smogs, den auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem am Samstag beendeten Indien-Besuch zu spüren bekommen hatte, wurde vergangene Woche für Neu Delhi bereits ein vorübergehendes Verbot für Bauarbeiten verhängt. Die Behörden verteilten Gratis-Atemmasken an Kinder, die Schulen der Stadt sollen bis Mittwoch geschlossen bleiben.

Seit Montag herrscht in Neu Delhi ein Fahrverbot, das abwechselnd für Autos mit geraden und ungeraden Ziffern auf ihrem Nummernschild gilt. 465 Polizisten und andere Beamte sowie 2000 Freiwillige überwachten die Einhaltung des Fahrverbots und verhängten Strafen gegen knapp 260 Autofahrer. Die sieben Millionen Motorräder und Motorroller in Neu Delhi sowie Transportfahrzeuge und Fahrzeuge mit rein weiblicher Besetzung wurden von dem Fahrverbot ausgenommen.

Neu Delhis Regierungschef Arvind Kejriwal, der seine Stadt unlängst als "Gaskammer" bezeichnet hatte, sprach von einem Erfolg. Auf den Straßen seien dadurch 1,5 Millionen Autos weniger gewesen, erklärte er. Der Klimaexperte Siddharth Singh kritisierte das Fahrverbot hingegen als "ineffektiv", weil die Autoabgase nur "einen kleinen Teil" zu dem Smog-Problem beitrügen.

Quelle: ntv.de, jru/AFP