Deutscher Chip trotz SanktionenUkraine: Putins neue Turbo-Drohne fliegt mit Infineon-Transistor

Russlands neue Jet-Drohne fliegt dreimal schneller als ihre Vorgänger. Ihre Elektronik basiert maßgeblich auf westlicher Technologie, darunter einem Bauteil aus Deutschland. Brisant ist auch das Herstellungsdatum einiger Komponenten.
Der ukrainische Militärgeheimdienst (GUR) hat in der neuesten russischen Angriffsdrohne, der Geran-5, laut übereinstimmenden Medienberichten eine Reihe westlicher Bauteile identifiziert. Trotz weitreichender internationaler Sanktionen basiere die Elektronik des Systems maßgeblich auf westlicher Technologie. Neben zahlreichen US-amerikanischen Komponenten wurde demnach mindestens ein Transistor des deutschen Herstellers Infineon identifiziert. Für die Ukraine belegt das: Russland findet weiterhin Wege, kritische Hochtechnologie für seine Waffenproduktion zu beschaffen. Die Bauteile würden dabei oft über Netzwerke in China importiert.
Die Erkenntnisse basieren laut GUR auf der Analyse von Wrackteilen, die die Ukraine Anfang Januar 2026 sicherstellen konnte. Ukrainische Streitkräfte hätten in diesem Zeitraum zwei Exemplare der Geran-5 abgeschossen - eines in der Oblast Kiew und ein weiteres nahe der Stadt Dnipro. Während eine Drohne schwer beschädigt wurde, befand sich die zweite in einem Zustand, der dem Geheimdienst nach eigenen Angaben eine detaillierte forensische Untersuchung der internen Komponenten ermöglichte. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden Mitte Januar veröffentlicht.
Die Geran-5 ist demnach ein technologischer Mix aus östlicher Hardware und westlicher Mikroelektronik: Im Drohneninneren fand der GUR einen Transistor des deutschen Chipherstellers Infineon mit der Kennung "014N06NS HAA519". Infineon betonte auf Anfrage von ntv.de, das Russland-Geschäft bereits 2022 vollständig eingestellt zu haben. Die Kontrolle über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts sei aber "äußerst schwierig". Finde man Anhaltspunkte, dass ein Partnerunternehmen Handel mit Russland treibe, stoppe man Lieferungen und fordere Aufklärung.
Die Ukraine will zudem mindestens neun US-Bauteile identifiziert haben. Besonders präsent ist demnach die Firma Texas Instruments mit sechs Einheiten; weitere Teile stammen von CTS Corporation und Monolithic Power Systems. Der Geheimdienst weist darauf hin, dass es sich bei den identifizierten Elementen nicht nur um alte Lagerbestände handelt. Zwei Oszillatoren der Firma CTS wurden demnach erst im Februar 2024 und im September 2025 hergestellt.
Wie ein Marschflugkörper mit Flügeln
Der GUR schreibt, der Antrieb bestehe aus einem chinesischen Turbojet-Triebwerk, das für den zivilen Markt deklariert sei. Laut ukrainischen Erkenntnissen stammen auch die Modems zur Steuerung von chinesischen Firmen wie Xingkai Tech. Die Drohne nutze zudem das russische Kometa-Satellitennavigationssystem sowie Raspberry Pi-Mikrocomputer.
Laut dem deutschen Portal "Defence Network" unterscheidet sich die Geran-5 fundamental von ihren propellergetriebenen Vorgängern: Dank des Jet-Antriebs erreicht sie eine Reisegeschwindigkeit von 450 bis 600 Kilometer pro Stunde - etwa dreimal schneller als frühere Modelle. Die Drohne ist wie ein kleiner Marschflugkörper mit Flügeln konstruiert, nicht mehr als Deltaflügler. Laut "Defence Network" hat sie eine Reichweite von bis zu 950 Kilometern pro Stunde und kann eine Sprenglast von etwa 90 Kilogramm tragen. Sie kann demnach sowohl vom Boden als auch von Su-25-Kampfflugzeugen gestartet werden. Das erweitert ihre operative Reichweite und Einsatzmöglichkeiten erheblich.
Die Geran-5 könnte für Russland eine kosteneffiziente Alternative zu teuren Marschflugkörpern sein. Die hohe Geschwindigkeit dürfte die Zeitspanne zwischen Entdeckung und Abfangen massiv verkürzen. Sie droht damit, die ukrainische Luftverteidigung vor neue Herausforderungen zu stellen.