Politik

Kein klarer Favorit Irak erlebt friedlichen Wahltag

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Eine Frau in Bagdad zeigt mit einer Markierung am Finger, dass sie ihre Stimme abgegeben hat.

(Foto: AP)

Drei Kandidaten werden Chancen eingeräumt, der nächste irakische Ministerpräsident zu werden. Einen wirklichen Favoriten gibt es aber nicht. Aber das Land erlebt kaum Zwischenfälle während des Urnengangs.

Die erste Parlamentswahl im Irak seit dem militärischen Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ist ohne größere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Die Wahllokale schlossen wie geplant um 17.00 Uhr, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Gleichwohl ging die Wahlbeteiligung deutlich zurück. Sie lag bei 44,5 Prozent, wie die Wahlkommission in Bagdad mitteilte. Das ist die geringste Beteiligung seit dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003. Vor vier Jahren hatte die Wahlbeteiligung rund 60 Prozent erreicht. Beobachter machten bei vielen Wählern Politikverdrossenheit und mangelnde Hoffnung auf Veränderungen aus.

Auch wenn die Regierung vor fünf Monaten den Sieg über die sunnitische IS-Miliz verkündet hatte, war der Wahltag von der Angst vor Anschlägen der Dschihadisten überschattet gewesen. Aus der Provinz Dijala östlich von Bagdad wurde ein Raketen- und Granatenangriff gemeldet. Bei der Attacke nahe eines Wahllokals in der Ortschaft Abu Sida seien ein Polizist getötet und fünf weitere verletzt worden, sagte ein hochrangiger Armeevertreter. Rund 900.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um den Urnengang zu schützen.

Rund 24,5 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, die 329 Mitglieder des Parlaments in Bagdad neu zu bestimmen. Dafür bewarben sich knapp 7000 Kandidaten, etwa 2000 von ihnen waren Frauen. Insgesamt traten 87 Parteilisten bei der Wahl an. Mit ersten Ergebnissen wird am Dienstag gerechnet.

Kritik an Korruption

Ein klarer Favorit war nicht abzusehen. Die Schiiten sind gespalten, die Kurden geschwächt und die traditionellen Parteien der Sunniten weitgehend an den Rand gedrängt. Zahlreiche Wähler forderten bei der Stimmabgabe ein Ende der weit verbreiteten Korruption im Land. Viele Iraker machen dafür Ministerpräsident Haider al-Abadi verantwortlich. Er hofft auf eine weitere Amtszeit, da es unter ihm gelungen ist, den IS zurückzudrängen und eine Abspaltung der Kurden zu verhindern. Er präsentiert sich als Verfechter einer Politik des Ausgleichs zwischen Schiiten und Sunniten sowie zwischen Teheran und Washington.

Die "Siegesallianz" al-Abadis wird herausgefordert von den beiden ebenfalls schiitischen Blöcken von Ex-Regierungschef Nuri al-Maliki und dem Milizenführer Hadi al-Ameri. Obwohl viele Iraker al-Maliki für die verheerende Niederlage der irakischen Armee gegen die IS-Miliz im Sommer 2014 verantwortlich machen, hat er weiter einen gewissen Rückhalt.

Al-Ameri gilt vielen Irakern wegen seiner Rolle im Kampf gegen die Dschihadisten als Kriegsheld. Der frühere Verkehrsminister, der eng mit den iranischen Revolutionsgarden verbunden ist, fordert den kompletten Abzug der US-Soldaten und wendet sich gegen al-Abadis vorsichtige Außenpolitik, die die enge Bindung zum Iran durch eine Annäherung an dessen Rivalen Saudi-Arabien auszugleichen versucht.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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