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Konfrontation in München Iran geißelt "bösartige Besessenheit der USA"

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Irans Außenminister Sarif geriet bei seinem Auftritt in München über die USA in Rage.

(Foto: dpa)

Für US-Vizepräsident Pence ist klar: Der Iran plant einen "neuen Holocaust". Teherans Außenminister sieht hier nur eine "Obsession" und wirft auf der Sicherheitskonferenz den USA vor, sein Regime stürzen zu wollen und die "größte Quelle von Destabilisierung in der Region" zu sein.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat den USA eine "ungesunde Fixierung" und Obsession gegenüber seinem Land vorgeworfen. In den vergangenen zwei Jahren habe Washington die Feindseligkeit auf eine neue Ebene gehoben, was dann in der unilateralen Aufkündigung des Atomabkommens kulminierte, sagte der Minister auf der Sicherheitskonferenz in München.

Atom-Abkommen

Das Atom-Abkommen war im Juni 2015 nach jahrelangen Verhandlungen zwischen dem Iran und der Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland geschlossen worden. Es soll verhindern, dass der Iran die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe erlangt. US-Präsident Donald Trump kündigte das Abkommen im Mai 2018 einseitig auf und verhängte neue Sanktionen. Die EU hält an dem Abkommen fest und versucht, trotz US-Sanktionen Geschäfte mit dem Iran aufrecht zu erhalten.

Scharf kritisierte er, dass die USA Druck auf Europa ausübten, dieses Abkommen auch zu verlassen. Dabei bezog er sich auf die Konferenz in dieser Woche in Warschau, die er ein "Treffen der Unwilligen und der offen Gezwungenen" nannte. US-Vizepräsident Mike Pence hatte dort von den Europäern einen Ausstieg aus dem Abkommen verlangt und Teheran vorgeworfen, "einen neuen Holocaust zu planen". In München habe Pence "diese Farce" wiederholt, kritisierte Sarif nun, indem er arrogant verlangt habe, dass Europa den USA folgen müssten. Die hasserfüllten Äußerungen der Amerikaner gegen den Iran seien "lachhaft und sehr, sehr gefährlich". Die USA seien die "größte Quelle von Destabilisierung" in der Region.

Sarif beklagte, dass die "bösartige Besessenheit der USA" Kosten habe. Seine Region habe schon in der Vergangenheit unter dem "destruktiven Abenteurertum" gelitten, das mit der Bewaffnung von Iraks Machthaber Saddam Hussein durch die USA begonnen habe. Sein Land sei umzingelt von US-Streitkräften. Die Militärausgaben des Golf-Kooperationsrats, den arabische Staaten als Reaktion auf die iranische Revolution 1979 gegründet hatten, lägen bei 100 Milliarden Dollar - das seien sieben Mal mehr als die Ausgaben des Iran für Verteidigung. Dabei habe der Iran sein Militär bisher nur defensiv zur Verteidigung gegen die Terrormiliz IS eingesetzt, die es fast vollständig habe ausmerzen können.

Iran fordert Europa zu Beistand auf

Der iranische Außenminister betonte zugleich den Willen seines Landes zu weiteren Verhandlungen. "Wenn man mit uns verhandeln will, werden wir das tun." Allerdings hätten die Amerikaner den Verhandlungstisch verlassen, nicht der Iran. Im Iran stünden noch 51 Prozent der Bevölkerung hinter dem Iran-Abkommen.

Sarif zeigte sich überzeugt, dass die USA einen Regimewechsel in seinem Land anstrebten. Sie hätten sich nicht aus dem Iran-Abkommen zurückgezogen, wenn sie nicht gehofft hätten, dass das Regime binnen eines Monats stürze. Allerdings hätten in den vergangenen Jahrzehnten schon sieben US-Regierungen versucht, den Iran durch Krieg, Dämonisierung, Terror, Bombardierungen in die Knie zu zwingen. Das habe aber nicht zum Ziel geführt, so Sarif. Der Iran sei immer noch da und der US-Druck habe auch nicht die Entscheidungen der Iraner beeinflussen können. "Ich kann Ihnen versichern: Das wird sich nie ändern."

Von Europa forderte Sarif noch mehr Unterstützung. Viele Menschen auf der Welt sprächen nun mit schönen und eloquenten Worten über Multilateralismus. "Aber sie müssen ihren Worten auch Taten folgen lassen." Die Gesellschaft Instex, die die Europäer im Januar zur Umgehung von Sanktionen für den Iran-Handel gegründet hatten, reiche nicht aus. "Europa muss bereit sein, ein nasses Fell zu bekommen, wenn es gegen die gefährliche Strömung des amerikanischen Unilateralismus anschwimmen will." Schließlich, so Sarifs Botschaft, könne der Iran Europa nicht egal sein. "Wir sitzen alle im selben Boot. Und entweder werden wir gemeinsam segeln oder gemeinsam untergehen."

Quelle: n-tv.de

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