Politik

Leichnam in Heimat eingetroffen Iraner betrauern Soleimani und drohen USA

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Die Trauernden schwenkten Fahnen und machten ihrer Wut über die Tötung Soleimanis Luft.

(Foto: VIA REUTERS)

Sie wünschen Amerika den Tod, schlagen sich zu Gesängen auf die Brust und beweinen den getöteten General Soleimani - im Iran hat die Trauerfeier für den Chef der Al-Kuds-Brigaden begonnen. Protest gibt es aber auch in Berlin.

Mit massiven Drohungen gegen die USA haben im Iran die tagelangen Trauerfeiern für den getöteten iranischen Top-General Ghassem Soleimani begonnen. Hunderttausende Iraner beteiligten sich nach örtlichen Mediengaben an zwei Trauerzügen. Die Leiche Soleimanis wurde zunächst aus dem benachbarten Irak nach Ahwas im Südwestiran transportiert. Eine zweite Trauerzeremonie fand in der Heiligen Stadt Maschad im Nordostiran statt. Luftbilder aus beiden Städten zeigten gewaltige Menschenmassen und kilometerlange Schlangen.

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Der Andrang beim Trauerzug in Ahwas war groß.

(Foto: VIA REUTERS)

Die Menge kam auf dem Mollawi-Platz in Ahwas zusammen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna. Fernsehaufnahmen zeigten weinende Männer und Frauen, die sich zu schiitischen Trauergesängen auf die Brust schlugen. Viele Teilnehmer des Trauerzugs hielten Flaggen in den iranischen Nationalfarben Grün, Weiß und Rot sowie Porträts des getöteten Generals in die Höhe.

Besonders vor und im Mausoleum des achten schiitischen Imams Resa in Maschad soll der Andrang so groß gewesen sein, dass der Transport der Leiche in die Hauptstadt Teheran für die Organisatoren nicht mehr möglich war. Daher musste eine für Sonntagabend geplante dritte Trauerzeremonie in der Imam-Chomeini-Moschee in Teheran abgesagt werden, an der die gesamte iranische Führung teilnehmen sollte.

Am Montag ist am frühen Morgen das sogenannte Leichengebet in der Universität Teheran geplant. Danach wird der Leichnam von der Teheraner Universität zum Asadi-Platz im Westen der iranischen Hauptstadt transportiert. Entlang der fast drei Kilometer langen Strecke können sich dann die Menschen von getöteten Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Einheit verabschieden. Nach iranischen Medien- und Behördenangaben könnten am Montag Millionen von Menschen an dem Trauerzug in der Hauptstadt teilnehmen.

Die Regierung hat den Montag zum örtlichen Feiertag erklärt, damit alle in Teheran an der Zeremonie teilnehmen können. Mehrere Straßen in der Stadtmitte sollen gesperrt werden, Schulen und Hochschulen bleiben zu und alle Prüfungen dort wurden abgesagt. Nach Teheran wird der Leichnam dann in die schiitische Hochburg Ghom gebracht. Auch dort wird es vor einem Mausoleum eine weitere Zeremonie geben. Die Beisetzung selbst findet am Dienstag in Soleimanis Geburtsort Kerman im Südostiran statt.

Auch in Berlin gab es Proteste. Mehrere Dutzend Menschen versammelten sich vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor. Auf einem Plakat war zu lesen, die USA seien der Aggressor. "Wir fordern ein Ende der amerikanischen Besatzung des Iraks", stand auf einem anderen.

"Trump, hör zu!"

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(Foto: imago images/snapshot)

Der Leichnam des getöteten Chefs der für Auslandseinsätze zuständigen Al-Kuds-Brigaden war laut Isna noch vor dem Morgengrauen am Flughafen von Ahvas angekommen. Mit ihm wurden auch die sterblichen Überreste von fünf weiteren Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarden nach Ahwas gebracht, ebenso wie die Leiche des bei dem US-Angriff getöteten irakischen Milizenführers Abu Mahdi al-Muhandis.

Im iranischen Parlament in Teheran unterbrachen die Abgeordneten ihre Sitzung für mehrere Minuten und sangen "Tod für Amerika", wie Isna berichtete. Parlamentspräsident Ali Laridschani sagte demnach: "Trump, hör zu, das ist die Stimme der iranischen Nation."

Gegenseitige Drohungen

Soleimani war am frühen Freitagmorgen durch einen von US-Präsident Donald Trump angeordneten US-Drohnenangriff in der Nähe des Bagdader Flughafens getötet worden. Trump hat den iranischen General als weltweiten "Terroristen Nummer 1" bezeichnet. Soleimani habe einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf US-Bürger im Irak geplant.

Soleimani war einer der einflussreichsten Militärs seines Landes und Anführer der gefürchteten Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden. Die Führung in Teheran kündigte "schwere Vergeltung" für den Tod des Generals an. Trump warnte den Iran am Samstag vor Angriffen auf US-Bürger oder US-Einrichtungen und drohte mit US-Attacken auf 52 iranische Ziele.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP