Politik

Nach Anschlägen in Moscheen Islamische Staaten beraten über Christchurch

82b703fe85ab7f1ba71d97a3a573bc52.jpg

Erdogan nutzte im Wahlkampf ein Video des Christchurch-Täters.

(Foto: dpa)

Nach dem Massaker in Neuseeland diskutieren Vertreter der islamischen Staaten in Istanbul über mögliche Folgen. Der türkischen Präsidenten Erdogan fordert eine stärkere Bekämpfung von Islamgegner. Neonazis sollen demnach wie terroristische Gruppen behandelt werden.

Eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind die Außenminister der islamischen Staaten in Istanbul zusammengekommen, um über Konsequenzen aus der Tat zu beraten. Neuseeland versichere den Muslimen, dass sie sich in seinem Land "sicher fühlen" könnten, sagte Außenminister Winston Peters, der als Beobachter teilnahm, zum Auftakt des Treffens.

Islamfeindlichkeit muss nach Worten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan so bekämpft werden wie "der Antisemitismus nach dem Holocaust". "Auf dieselbe Weise wie sie den Antisemitismus nach der Katastrophe des Holocausts bekämpft hat, muss die Menschheit mit derselben Entschlossenheit gegen den zunehmenden Hass gegen den Islam kämpfen", sagte Erdogan zum Auftakt des Treffens der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul.

Erdogan forderte, Neonazi-Gruppen müssten "genauso angegangen werden wie terroristische Gruppen und als solche behandelt werden". Er verwies dabei auf die Bekämpfung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Erdogan lobte zugleich die Solidarität, die Neuseeland nach den Anschlägen mit den Muslimen gezeigt habe. Diese sollte "ein Beispiel für politische Führer in aller Welt sein", forderte der türkische Staatschef.

Ein australischer Rechtsextremist hatte vergangene Woche während des Freitagsgebets in zwei Moscheen in Christchurch 50 Menschen getötet. Bei dem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) soll insbesondere über Maßnahmen gegen Islamfeindlichkeit und den Kampf gegen den Terrorismus diskutiert werden.

Erdogan empört Australien

Für Kritik sorgte in Neuseeland, dass Erdogan auf Kundgebungen vor den Kommunalwahlen am 31. März wiederholt Ausschnitte aus einem Video zeigte, das der Attentäter während der Tat aufgenommen hatte. Erst am Donnerstag ließ Erdogan die Sequenz erneut bei live im Fernsehen übertragenen Kundgebungen in Eskisehir und Kütahya auf einer Großleinwand neben der Bühne zeigen. Bereits am Montag hatte Neuseelands Außenminister Peters die Verwendung des Videos im Wahlkampf verurteilt. Eine solche Politisierung des Massakers gefährde "die Sicherheit der neuseeländischen Bevölkerung", kritisierte Peters. Auch die türkische Opposition warf Erdogan vor, die Mordtat für den Wahlkampf zu instrumentalisieren, um Stimmen zu gewinnen.

Erdogans Äußerungen im Zusammenhang mit dem Anschlag haben auch zu Spannungen mit Australien geführt. Bei einer Feier zum Jahrestag der Schlacht von Gallipoli, in der 1915 auch tausende Australier und Neuseeländer gekämpft hatten, warnte Erdogan, sollten sie die Türkei noch einmal angreifen, werde die Türkei sie wie ihre Großväter "in Särgen zurückschicken". Australiens Regierungschef Scott Morrison nannte Erdogans Äußerungen "höchst beleidigend und fahrlässig" und bestellte den türkischen Botschafter ein. Die australische Regierung rief zudem ihre Bürger bei Reisen in die Türkei zu Wachsamkeit auf. Zur Erinnerung an die Schlacht von Gallipoli reisen jedes Jahr tausende Australier und Neuseeländer am 25. April in die Türkei.

Quelle: n-tv.de, sgu/vck/dpa/AFP

Mehr zum Thema