Politik
Sunnitische Kämpfer haben die Kontrolle über Falludscha übernommen.
Sunnitische Kämpfer haben die Kontrolle über Falludscha übernommen.(Foto: dpa)
Samstag, 04. Januar 2014

Falludscha in der Hand eines Al-Kaida-Ablegers: Islamisten erobern irakische Stadt

In der irakischen Provinz Al-Anbar kämpfen Sunniten gegen die schiitisch dominierte Regierung. Nun besetzen sie dort auch eine Stadt: Falludscha. In der Provinzhauptstadt Ramadi gehen die Kämpfe derweil weiter.

Die irakische Stadt Falludscha befindet sich nach Angaben eines ranghohen Vertreters der Sicherheitskräfte in der Hand von Islamisten. Falludscha stehe unter der Kontrolle der Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS), sagte der Beamte der Provinz Al-Anbar.

"Alles ist ausgestorben wie in einer Geisterstadt", sagte ein Bewohner des Unruheherds 70 Kilometer westlich von Bagdad. "Alle Läden sind geschlossen, und auf den Straßen ist niemand zu sehen außer den Militanten." Häufig seien Schüsse zu hören.

In Falludscha und der nahe gelegenen Provinzhauptstadt Ramadi hatten sich Rebellen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida in den vergangenen Tagen Kämpfe mit irakischen Sicherheitskräften geliefert. Beide Städte gehören zur Unruheprovinz Al-Anbar im Westen des Landes, in der sich zahlreiche sunnitische Gegner der schiitisch dominierten Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki festgesetzt haben.

Zahlreiche Menschen seien auf der Flucht, erzählte ein Mitglied des Gemeinderats dem irakischen TV-Sender Alsumaria News. "Etwa 9000 der 31.000 Familien sind vor den heftigen Kämpfen aus der Stadt geflüchtet", sagte der Mann namens Faleh al-Eissawi. Die humanitäre Lage in der Stadt sei bedenklich, da die Grundversorgung nicht mehr sichergestellt sei.

USA unterstützen Regierung

Die USA zeigten sich besorgt über die Entwicklung. Die "Barbarei" der ISIS-Kämpfer gegen Zivilisten sei für alle sichtbar, teilte eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington mit. Man arbeite mit der Regierung in Bagdad zusammen, um eine offen angekündigte Revolte irakischer Stammesführer gegen ISIS "mit allen möglichen Mitteln" zu unterstützen.

Am Donnerstag besetzten die Islamisten Teile von Falludscha. Regierungsmedien in der irakischen Hauptstadt meldeten am Freitag, Truppen aus Bagdad hätten die Extremisten aus den von ihnen okkupierten Polizeiwachen vertrieben. Offenbar zogen sich die Einheiten aber danach wieder aus Falludscha zurück, sodass die Militanten der ISIS erneut einrücken konnten.

Allein am Freitag wurden dabei nach Angaben der Sicherheitskräfte mehr als 100 Menschen getötet. In Ramadi hatten Regierungstruppen bei Kämpfen am Freitag den lokalen ISIS-Kommandeur Abu Abdelrahman al-Bagdadi getötet. Auslöser der jüngsten Gewalt war die Räumung eines Protestlagers von Regierungsgegnern in Ramadi am Montag.

Quelle: n-tv.de