Politik

"Übergriff auf meine Privatsphäre" Israel-Kritiker verfolgen Gysi aufs Klo

Gregor Gysi untersagt eine Veranstaltung seiner Fraktion mit zwei Israel-kritischen Autoren. Aufgebracht von der Entscheidung stellen diese Gysi zur Rede. Doch der Fraktionschef will sich dem entziehen - und muss bis in die Bundestagstoilette flüchten.

Linksfraktionschef Gregor Gysi ist in einem Bundestagsgebäude von einem Israel-kritischen Journalisten bedrängt worden. Der Mann lauerte ihm vor seinem Büro auf, folgte ihm mit einer Kamera bis auf die Toilette und warf ihm vor, ihn öffentlich als Antisemiten bezeichnet zu haben. In Israel sei nun sein Leben bedroht.

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Gregor Gysi: "Hauen Sie ab!"

(Foto: Youtube/Blue Pilgrimage)

Der Vorfall ereignete sich bereits am Montag. Der Journalist, David Sheen, stammt aus Kanada, lebt und arbeitet aber seit vielen Jahren in Israel. An der Aktion war auch ein weiterer Israel-kritischer Journalist aus den USA beteiligt, Max Blumenthal.

Das Video wurde anschließend bei Youtube veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, wie Gysi eilig die Toilette aufsucht und versucht, die Tür zu schließen. Doch Sheen hindert ihn zunächst daran und fordert ein Gespräch sowie eine Entschuldigung von Gysi. Gysi zischt: "Raus hier! Hauen Sie ab!" Sheen lässt ab und zieht sich zurück. Später verlässt Gysi die Toilette wieder und sagt: "Das ist das erste Mal, dass ich auf die Toilette verfolgt worden bin."

"Die Stimmung war aggressiv"

Gysi wies später den Vorwurf zurück, er habe den in Israel lebenden Journalisten als Antisemiten bezeichnet. Der Linksfraktionschef will aber auch keine Anzeige erstatten. "Wir wollen daraus keine Staatsaffäre machen", hieß es aus seinem Umfeld. Gysi selbst reagierte mit Humor auf den Vorfall: "Ich werde Sie über meine Klo-Besuche nicht unterrichten", sagte er bei einem Pressestatement vor der Fraktionssitzung.

Später sagte er der "Bild"-Zeitung: "Das war ein klarer Übergriff auf meine Privatsphäre." Unter solchen Bedingungen könne man nicht reden. "Außerdem darf mich niemand zu Gesprächen zwingen, die ich nicht führen will. Die Stimmung war aggressiv." Blumenthal und Sheen seien "sehr aufdringlich" gewesen.

Linksfraktion protestiert

Die beiden Autoren waren von drei Abgeordneten der Linksfraktion zu einem Fachgespräch über den Nahost-Konflikt nach Berlin eingeladen worden. Eine ursprünglich größer angelegte Fraktionsveranstaltung mit ihnen im Bundestag wurde jedoch durch Gysi untersagt. Begründung: Die Zusammensetzung der Teilnehmer sei zu einseitig.

Die Linksfraktion verurteilte das Vorgehen der Journalisten. "Wer uns oder unsere Genossen so feindselig behandelt wie an diesem 10.11., mit dem werden wir nicht kooperieren", hieß es in einer Erklärung.

Die drei Abgeordneten, die die Reporter eingeladen hatten, entschuldigten sich später bei Gysi. Zwei von ihnen, Inge Höger und Annette Groth, gehörten zu jenen Parlamentariern, die im Mai 2010 mit dem Schiff "Marvi Marmara" versuchten, die Gazablockade zu durchbrechen.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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