Politik

Angriffe mit Spionage-Software Israel gründet Spezialteam in Pegasus-Affäre

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Pegasus ist in der Lage, infiltrierte Mobiltelefone in Echtzeit auszuspähen und die Verschlüsselung von Messenger-Diensten zu umgehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die mögliche Ausspähung der Mobiltelefone zahlreicher Staatschefs und Journalisten mit der Überwachungssoftware Pegasus alarmiert die internationale Gemeinschaft. Israel will den Enthüllungen nun auf den Grund gehen und ruft eine Taskforce ins Leben. Teil der Gruppe ist auch der Geheimdienst Mossad.

Israel reagiert Insidern zufolge auf die mutmaßliche Spionage-Affäre rund um die von der heimischen Firma NSO verkaufte Spähsoftware Pegasus mit eigenen Untersuchungen. Es wurde ein Spezialteam aus Vertretern verschiedener Ministerien, des Auslandsgeheimdienstes Mossad und der Armee gebildet, wie die Internet-Nachrichtenseite Axios meldet. Demnach gibt es Sorge in Regierungskreisen, dass sich aus den Berichten eine diplomatische Krise für Israel entwickeln könnte. Ein Insider erklärte, das Team werde vom Nationalen Sicherheitsrat geleitet, der direkt Ministerpräsident Naftali Bennett unterstellt ist. Ziel der Untersuchung sei, die Vorgänge zu ergründen. Neue Exportbeschränkungen für die Spähsoftware seien dagegen unwahrscheinlich.

Der Programm-Hersteller NSO erklärte zu der von den Insidern geschilderten Einsetzung einer Taskforce, das Unternehmen begrüße jede Entscheidung der israelischen Regierung. Man sei davon überzeugt, dass das eigene Vorgehen tadellos sei. Zuvor hatte die Firma erklärt, das Pegasus-Programm sei allein für den Einsatz von Geheimdiensten und der Polizei im Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität gedacht.

Am Sonntag hatten dagegen 17 Medienorganisationen berichtet, dass Pegasus dazu genutzt worden sei, um Journalisten, Regierungsvertreter und Menschenrechtler auszuspionieren. Wie die französische Zeitung "Le Monde" meldete, stehe eine von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron Mobilfunknummern auf einer Liste eines marokkanischen Sicherheitsdienstes für eine mögliche Ausspähung. Aus Kreisen von Macrons Amtssitz heißt es, dass die Medieninformationen nicht bedeuteten, dass Macrons Handy tatsächlich ausgespäht wurde. Nach Medienberichten soll auch der marokkanische König Mohammed VI. auf der Liste potenzieller Ziele stehen.

"Die Regierung des Königreichs Marokko weist diese falschen und unbegründeten Anschuldigungen kategorisch zurück", heißt es vonseiten der marokkanischen Führung. Das nordafrikanische Land sieht sich demnach als Ziel von "hasserfüllten Angriffen" der an den Enthüllungen beteiligten Medien und Organisationen. Pegasus nutzt Sicherheitslücken in Smartphone-Software, um weitreichenden Zugriff auf Daten zu erlangen. Die Nummern der französischen Staatsspitze gehören zu einem Datensatz mit mehr als 50.000 Telefonnummern.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa/rts

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