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Gräber im Elsass geschändet Israel ruft Frankreichs Juden zur Emigration auf

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Rund hundert Grabsteine wurden im Elsass beschmiert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Antisemitische Entgleisungen bei den Gelbwesten, geschändete Gräber und ein deutlicher Anstieg judenfeindlicher Straftaten: Frankreich begegnet dem wachsenden Judenhass mit einer Großdemonstration in Paris. Derweil fordert Israel französische Juden zur Ausreise auf.

Nach den jüngsten antisemitischen Vorfällen in Frankreich hat die israelische Regierung die französischen Juden aufgerufen, Frankreich den Rücken zu kehren und nach Israel auszuwandern. Die Schändung eines jüdischen Friedhofs wecke "Erinnerungen an die dunklen Zeiten in der Geschichte der Juden", sagte Einwanderungsminister Joav Gallant in Jerusalem. Die jüdische Gemeinde sei in Frankreich "antisemitischen Attacken" ausgesetzt, sagte Gallant. "Ich rufe die Juden auf: Kommt heim, emigriert nach Israel!" Auch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte die "schockierenden" antisemitischen Grabschändungen. In einer Videobotschaft rief er die Führungspersönlichkeiten in Frankreich und Europa dazu auf, "klar Stellung gegen Antisemitismus zu beziehen".

In der elsässischen Gemeinde Quatzenheim, nordwestlich von Straßburg, hatten Unbekannte fast 100 Gräber auf dem dortigen jüdischen Friedhof geschändet und Grabsteine mit blauen oder gelben Hakenkreuzen beschmiert. Ein Grab trug die Worte "Elsassisches Schwarzen Wolfe", ein Verweis auf eine separatistische Gruppe mit Verbindungen zu Neonazis aus den 70er Jahren. Die zuständige Präfektur im Elsass verurteilte die "abscheuliche antisemitische Tat". Die Staatsanwaltschaft in Straßburg leitete Ermittlungen ein.

"Wir werden handeln, wir werden Gesetze erlassen, wir werden strafen", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch des elsässischen Friedhofs. Der französische Großrabbiner Haim Korsia begleitete den Präsidenten. Um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen, kündigte Macron an, am Abend gemeinsam mit den Spitzen des Parlaments die Pariser Holocaust-Gedenkstätte zu besuchen.

Im Anschluss sind in Paris und anderen Städten Kundgebungen gegen Antisemitismus geplant. Die Großkundgebung in Paris wird unter dem Motto "Es reicht" ("Ça suffit!") stehen. Daran wollen sich alle größeren Parteien bis auf die Rechtspopulisten beteiligen. Als höchster Regierungsvertreter nimmt Premierminister Edouard Philippe an dem Marsch teil. Zugesagt haben auch die Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande sowie Ex-Premierminister Bernard Cazeneuve.

Der Antisemitismus "ist sehr tief in der französischen Gesellschaft verankert", sagte der Premierminister der Zeitschrift "L'Express". Mit Blick auf den deutlichen Anstieg der judenfeindlichen Übergriffe im vergangenen Jahr, kündigte Philippe Entschlossenheit an. Erst am Wochenende war der jüdische Philosoph Alain Finkielkraut am Rande einer "Gelbwesten"-Demonstration beleidigt worden. Schätzungen zufolge haben in den vergangenen zehn Jahren rund 45.000 französische Juden Frankreich verlassen, um nach Israel auszuwandern.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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