Politik

Kapitulation vor Antisemitismus Israel schockiert über Kippa-Warnung

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Israels Präsident Rivlin: "Ängste über die Sicherheit deutscher Juden sind eine Kapitulation vor dem Antisemitismus".

(Foto: imago/Ritzau Scanpix)

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung rät Juden davon ab, überall und jederzeit in Deutschland die Kippa zu tragen. Israels Präsident Rivlin zeigt sich schockiert über die Empfehlung und sieht die deutsche Regierung in der Verantwortung.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin hat bestürzt auf die Empfehlung des Antisemitismusbeauftragen der Bundesregierung reagiert, Juden sollten sich nicht überall und jederzeit in Deutschland mit der Kippa zeigen. Rivlin teilte mit, dieser Rat von Felix Klein habe ihn "zutiefst schockiert".

Klein hatte seine Empfehlung in den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit der "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung" begründet, die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei. Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen.

Präsident Rivlin sagte: "Die Verantwortung für das Wohl, die Freiheit und das Recht auf Religionsausübung jedes Mitglieds der deutschen jüdischen Gemeinde liegt in den Händen der deutschen Regierung und ihrer Strafverfolgungsbehörden." Die deutsche Regierung sei zwar der jüdischen Gemeinde verpflichtet, "aber Ängste über die Sicherheit deutscher Juden sind eine Kapitulation vor dem Antisemitismus und ein Eingeständnis, dass Juden auf deutschem Boden wieder nicht sicher sind". Rivlin sagte weiter, man werde im Angesicht des Antisemitismus nie kapitulieren, "und wir erwarten und fordern von unseren Bündnispartnern, ebenso zu handeln".

2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen. Der jüngste Jahresbericht zur politisch motivierten Kriminalität wies 1799 Fälle aus - 19,6 Prozent mehr als 2017. Der Zentralrat der Juden warnt immer wieder vor wachsendem Antisemitismus und hat auch vom Tragen der Kippa in Teilen von Großstädten abgeraten.

Quelle: n-tv.de, uzh/dpa