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Antisemitismus nimmt zu Regierungsvertreter warnt vor Kippatragen

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Mitglieder von jüdischen Gemeinden in Deutschland werden immer öfter angegriffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahl der judenfeindlichen Straftaten nimmt in Deutschland stark zu. Eine Kippa in der Öffentlichkeit zu tragen, könnte laut Felix Klein, dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, gefährlich sein. Bayerns Innenminister Herrmann ist anderer Meinung.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat Juden in Deutschland davor gewarnt, die Kippa aufzusetzen. "Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen", sagte Klein den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Seine Meinung habe sich "im Vergleich zu früher leider geändert", fügte er hinzu.

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Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bunderegierung, warnt Juden davor, Kippa zu tragen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der antisemitisch motivierten Straftaten um knapp ein Fünftel auf 1800. Der Regierungsbeauftragte begründete die Entwicklung mit einer "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung". "Hierzu haben das Internet und die sozialen Medien stark beigetragen, aber auch die fortgesetzten Angriffe auf unsere Erinnerungskultur", sagte Klein. Etwa 90 Prozent der Straftaten seien dem rechtsradikalen Umfeld zuzurechnen. Muslimische Täter guckten oft arabische Sender, "in denen ein fatales Bild von Israel und Juden vermittelt wird".

Klein forderte angesichts des starken Anstiegs antisemitischer Straftaten in Deutschland Schulungen für Polizisten und andere Beamte. Es gebe "viel Unsicherheit bei Polizisten und bei Behördenmitarbeitern im Umgang mit Antisemitismus", erklärte er. Viele wüssten nicht, "was erlaubt ist und was nicht". Es gebe eine klare Definition von Antisemitismus, und die müsse in den Polizeischulen gelehrt werden. "Genauso gehört sie in die Ausbildung der Lehrer und Juristen", sagte der Antisemitismus-Beauftragte.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Widersprach Klein dagegen. Er ermutigte Juden in Deutschland trotz der Warnung zum Tragen der Kippa in der Öffentlichkeit. "Jeder kann und soll seine Kippa tragen, egal wo und egal wann er möchte", erklärte Herrmann. Die Kippa zu tragen sei Teil der Religionsfreiheit. "Wenn wir vor dem Judenhass einknicken, überlassen wir rechtem Gedankengut das Feld", sagte der Minister.

Der Publizist Michel Friedman kritisierte Kleins Aussagen ebenfalls scharf.  "Das ist ein Offenbarungseid des Staates", sagte er. Friedman verwies auf Artikel 4 des Grundgesetzes, der unter anderem die Religionsfreiheit garantiert. "Anscheinend versagt der Staat, dies allen jüdischen Bürgern im Alltag zu ermöglichen", sagte der 63-Jährige.

Quelle: n-tv.de, uzh/AFP/dpa

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