Sorge vor HamasIsrael verstärkt Angriffe im Gazastreifen wieder

Für die Bevölkerung in Gaza hat der Krieg trotz offizieller Waffenruhe nie aufgehört. Seit einigen Wochen greift Israel aber wieder intensiver an als zuvor. Insidern zufolge bereiten die israelischen Streitkräfte umfassende Maßnahmen gegen die Hamas vor.
Israel hat seine Angriffe im Gazastreifen in den vergangenen fünf Wochen deutlich ausgeweitet. Seit dem Ende der gemeinsamen Bombardements mit den USA auf den Iran am 8. April seien in dem Palästinensergebiet 120 Menschen getötet worden, teilte das dortige Gesundheitsministerium mit.
Dies seien 20 Prozent mehr als in den fünf Wochen zuvor. Der Konfliktbeobachter ACLED verzeichnete im April zudem 35 Prozent mehr israelische Angriffe als im März. Die Zunahme der Luftschläge ist ein weiteres Zeichen für den ins Stocken geratenen Plan von US-Präsident Donald Trump, der ein Ende des Krieges und den Wiederaufbau vorsieht.
Das israelische Militär äußerte sich nicht zu den Gründen für die Eskalation. Vier israelischen Insidern zufolge hatte die Armee die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu jedoch in den vergangenen Wochen davor gewarnt, dass die Hamas ihre Kontrolle in dem Küstenstreifen wieder ausbaue, Truppen neu aufstelle und Waffen produziere.
"Der Krieg geht weiter"
Einem weiteren Insider zufolge erlaubt die geltende Waffenruhe ein Vorgehen gegen unmittelbare Bedrohungen. Die Armee habe bereits umfassendere Pläne für eine Wiederaufnahme der Kämpfe ausgearbeitet. Für die Zivilbevölkerung ist die Gewalt allgegenwärtig: "Der Krieg geht weiter", sagte der 36-jährige Palästinenser Lafi Al-Naddschar, der mit seiner Familie in einem Zeltlager in den Ruinen der Stadt Chan Junis lebt und dessen Sohn Ende April bei einem Angriff getötet wurde. "Er hat nur auf dem Papier geendet, aber in der Realität und vor Ort hat der Krieg nicht aufgehört."
Ein im vergangenen Oktober geschlossenes Abkommen hatte die schweren Kämpfe im Gazastreifen nach zwei Jahren Krieg vorerst gestoppt. Die Bemühungen um eine dauerhafte Lösung, die einen Abzug der israelischen Truppen und eine Entwaffnung der Extremisten vorsehen, kommen jedoch kaum voran.
Die israelischen Streitkräfte halten weiterhin mehr als die Hälfte des Gebiets besetzt. Mehr als zwei Millionen Menschen leben zusammengedrängt in einem winzigen Küstenstreifen, zumeist in beschädigten Gebäuden oder provisorischen Zelten. Seit der im Oktober vereinbarten Feuerpause wurden nach palästinensischen Angaben rund 850 Palästinenser getötet, während auf israelischer Seite vier Soldaten gefallen sind.