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Brief nach Gabriel-Besuch Israelis danken Deutschland für Einsatz

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Nein, das ist nicht der Stuhl Netanjahus, der leer blieb - dieses Foto entstand bei Gabriels Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin in der vergangenen Woche.

(Foto: AP)

Dass der israelische Ministerpräsident Netanjahu ein Treffen mit dem deutschen Außenminister kurzfristig absagte, wirkt wie ein Schock auf die deutsch-israelischen Beziehungen. Doch nun springen bekannte Israelis Gabriel zur Seite.

Der Besuch des deutschen Außenministers in Israel hat nicht nur Verstimmung in Israel ausgelöst – per Brief danken nun 20 bekannte Israelis Sigmar Gabriel für sein Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft. Das hatte große Wellen geschlagen: Kurz darauf sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Termin mit dem deutschen Chefdiplomaten ab und warf ihm politische Instinktlosigkeit vor. In dem Brief an Gabriel und Kanzlerin Angela Merkel bedankten sich die Unterzeichner nun inständig bei Deutschland, weil es der Zivilgesellschaft in ihrem Land beigestanden habe.

"Wir sind eine Gruppe von Israelis, die tief besorgt über die Zukunft unseres Landes sind", heißt es in dem Brief. Professor David Harel, Vize-Präsident der Israelischen Akademie der Wissenschaften, sagte, das Schreiben sei dem deutschen Botschafter übermittelt worden. Unter den Unterzeichnern sind einflussreiche israelische Wissenschaftler, Künstler, Politiker und Diplomaten.

Man sei "zutiefst dankbar" für Gabriels Verhalten bei dessen jüngstem Besuch in Israel, sagte Harel, Träger des Israel-Preises (2004), der höchsten Auszeichnung des Landes. Gabriel hatte sich mit Vertretern der Gruppen Breaking the Silence (Das Schweigen brechen) und Betselem getroffen. Beide kritisieren Israels Siedlungspolitik in den besetzten Palästinensergebieten. Merkel stärkte Gabriel nach der Absage des Termins mit Netanjahu den Rücken.

Ganzseitiger Druck in großer Zeitung

"Wir begehen mit großer Trauer den bevorstehenden 50. Jahrestag der Besatzung", heißt es in dem Brief. "Im vergangenen halben Jahrhundert hat unser geliebtes Land Millionen von Palästinensern grundlegende Freiheiten und Rechte verweigert und Siedlungen gebaut, die jeglicher Lösung dieses Konflikts im Wege stehen." Israels Zivilgesellschaft, darunter Gruppen wie Breaking the Silence, Betselem und Peace Now, seien "ein Zeichen der Hoffnung inmitten der Verzweiflung". "Wir danken Ihnen, Minister Gabriel, dass Sie dem Ultimatum des Regierungschefs Netanjahu nicht nachgegeben haben."

Man danke auch Merkel für ihre Unterstützung dieser Entscheidung "und dafür, dass Sie die Wichtigkeit einer lebhaften Zivilgesellschaft in Israel betont haben, zum Wohl seiner Demokratie". "Durch Ihre Unterstützung für israelische Menschenrechtsorganisationen, die gegen die Besatzung kämpfen, haben Sie als echte Freunde Israels gehandelt." Das Schreiben sollte am Freitag auch als Anzeige auf der Titelseite der israelischen Zeitung "Haaretz" erscheinen.

Unterzeichnet haben 23 bekannte Israelis, unter anderem Ilan Baruch, Israels früherer Botschafter in Südafrika, Michael Ben Jair, der ehemalige Generalstaatsanwalt, Avraham Burg, früherer Parlamentspräsident, die Soziologin Eva Illouz, der Bildhauer Dani Karavan und der Dramatiker Joshua Sobol.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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