Politik

Israelis und die Hauptstadtfrage "Jerusalem brennt ja nicht"

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Der Mahane Yehuda Market.

(Foto: Sonja Gurris)

Als US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkennt, reagieren viele palästinensische Bewohner der Stadt mit Randale. Wenig später fliegen in Südisrael Raketen. Was denken die Israelis in Jerusalem? Ist es das wert?

Die Jaffa Road ist die Flanier- und Ausgehmeile in Jerusalem. Cafés, Restaurants, Bars, Hotels und Boutiquen gibt es zuhauf. Ein Einkaufs-Hotspot ist der Mahane Yehuda Market mit seinen unzähligen Verkaufsständen von Obst bis Haushaltswaren. Viele jüdische Israelis sind hier unterwegs, aber auch arabische Staatsbürger. n-tv.de hat mit den Menschen vor Ort gesprochen und ein Stimmungsbild zur aktuellen Jerusalem-Frage eingeholt. Viele Bewohner wollen zu dem politisch hochbrisanten Thema zwar gar nichts sagen und drehen sich weg. Doch einige antworten.

Raffaele

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An diesem Stand arbeitet Noam - er will aber nicht fotografiert werden. Ebenso wie die meisten interviewten Personen. Das Thema ist ihnen dafür zu heikel.

(Foto: Sonja Gurris)

Raffaele ist gebürtiger Italiener. Auf dem grauen Haar trägt er eine Kippa. Gemeinsam mit seiner Frau spaziert er über die Jaffa Road. Die Straßenbahn fährt lautstark an ihm vorbei. Zur Jerusalem-Anerkennung hat er eine klare Meinung: "Jerusalem war schon immer die Hauptstadt. Es wird sich also nichts an der Situation ändern - und wir sind keine geteilte Stadt." Er findet es gut, dass Trump zugestimmt hat. Eine negative Entwicklung sieht er nicht: "Wissen Sie, Jerusalem brennt ja nicht. Es werden in Gaza und Südisrael nun wieder Raketen einschlagen, aber hier in Jerusalem erwarte ich keine größeren Attacken." Er habe einige arabische Freunde - "und die wollen auch einfach nur ein ruhiges Leben leben", sagt Raffaele und wirkt versöhnlich.

Mousa

Mousa sieht das ganz anders. Er ist arabischer Israeli, lebt in der Altstadt und arbeitet auf der Jaffa Road in einer Kaffeehaus-Kette. "Ich finde die Entscheidung von Donald Trump nicht gut. Er hat gezeigt, dass er die Meinung der Araber nicht respektiert. Er macht dadurch eine Zweistaatenlösung unmöglich."

Michal

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Erez glaubt, dass die Mehrheit der jüdischen Israelis Trumps Anerkennung begrüßen.

(Foto: Sonja Gurris)

Michal ist ein junger Mann aus Jerusalem und jüdisch. "Das ist natürlich eine gute Entscheidung", sagt er zu Trump. "Wenn man hier lebt, dann weiß man, dass eine Zweistaatenlösung hier nicht funktionieren kann. Man muss auch realistisch bleiben.“

Noam

Naom ist orthodoxer Jude. Er hat auf dem Mahane Yehuda Market einen eigenen Gewürzladen. Er trägt die traditionelle orthodoxe Kleidung: Kippa, weißes Hemd, schwarze Schuhe. Erbost sagt er: "Dieses Land ist seit mehr als 2000 Jahren unseres. Jerusalem gehört also uns Juden." Dann fügt er hinzu: "Die Araber können in Gaza leben, aber das hier ist unser Land."

Michal

Die junge Frau Michal verkauft nahe des Markts Modeschmuck und Nippes und ist wie viele überzeugt davon, dass die Anerkennung Jerusalems durch die USA richtig ist. "Die Entscheidung ist richtig, aber für uns wird sich auch nach Freitag nicht so viel ändern. Es ist genauso sicher beziehungsweise unsicher wie zuvor auch." Damit ist sie eine von vielen, die nicht glauben, dass es zu einer dritten Intifada kommen wird, die der Hamas-Führer zuvor ausgerufen hatte.

Erez

Erez verkauft in einer Seitenstraße des Mahane Yehuda frisch gepressten Saft. Als Reaktion auf die Frage zur Jerusalem-Debatte fängt er an zu grinsen - und zuckt mit den Achseln. "Naja, ich denke, dass 99,9 Prozent der jüdischen Israelis das gut finden. Schließlich ist Jerusalem für die Juden besonders wichtig. Allerdings macht das alles viel Ärger." Auf die Raketenangriffe auf Gaza angesprochen, meint er nur: "Die wollten das so, sie haben danach verlangt."

Kurze Zeit nach diesen Interviews kommt es ganz in der Nähe, an der zentralen Busstation von Jerusalem, zu einer versuchten Messerattacke auf einen Sicherheitsmann. Es ist wieder einmal ein kleiner Zwischenfall, der die Menschen in Jerusalem schockiert. Ob eine Anerkennung der USA da ist oder nicht - gewaltsame Vorfälle wie diese kommen alle paar Monate immer wieder vor. Die Jerusalemer leben damit.

Quelle: n-tv.de

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