Politik

"Signal des Schreckens" Jüdische Vertreter besorgt über AfD-Erfolg

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Charlotte Knobloch wirft der AfD Verharmlosung der NS-Zeit vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Aus der Landtagswahl in Thüringen geht die AfD als zweitstärkste Kraft hervor. Jüdische Stimmen warnen vor den möglichen Folgen. So fürchtet das Internationale Auschwitz Komitee eine Verfestigung rechtsextremer Einstellungen.

Nach dem Stimmenzuwachs für die AfD bei der Landtagswahl in Thüringen warnen jüdische Stimmen vor einem Rechtsrutsch in Deutschland. Mit Entsetzen reagierte der Zentralrat der Juden. "Fast ein Viertel der Wähler in Thüringen hat sich für eine rechtsradikale Partei entschieden", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Da es gerade in Thüringen keinen Zweifel an der rechtsnationalen Ausrichtung der AfD gebe, könne er die "Ausrede der Protestwahl" nicht gelten lassen.

Viele AfD-Wähler hätten sich "mit billiger rassistischer Stimmungsmache und Abwertung der regierenden Parteien einfangen lassen". Schuster fügte hinzu: "Wer AfD wählt, wählt den Weg in ein antidemokratisches Deutschland."

"Dass eine Partei wie die sogenannte Alternative für Deutschland auf Landesebene ein solches Ergebnis einfahren kann, zeigt, dass in unserem politischen System etwas grundlegend aus den Fugen geraten ist", sagte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. "Mit ihrer Stimme haben viele Wahlberechtigte eine Partei unterstützt, die seit Jahren mit ihrer Verharmlosung der NS-Zeit, ihrem offenen Nationalismus und dem von ihr geschürten Hass gegen Minderheiten, darunter auch die jüdische Gemeinschaft, den Nährboden für Ausgrenzung und rechtsextreme Gewalt bereitet."

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Der AfD war es am Sonntag gelungen, ihr Ergebnis mehr als zu verdoppeln. Sie lag mit 23,4 Prozent auf Platz zwei hinter der Linkspartei (31 Prozent) und vor der CDU (21,8 Prozent). Die SPD erreichte 8,2 Prozent, während Grüne und FDP mit 5,2 beziehungsweise 5 Prozent knapp den Einzug in den Landtag schafften. Eine Zusammenarbeit mit der AfD, die in Thüringen vom Wortführer des rechtsnationalen Flügels, Björn Höcke, geprägt wird, schließen alle anderen Parteien aus.

Auch das Internationale Auschwitz Komitee mahnte angesichts der Wahlergebnisse: "Für Überlebende der deutschen Konzentrationslager ist diese massive Zunahme der Stimmen für die AfD in Thüringen ein erneutes Signal des Schreckens, das eine weitere Verfestigung rechtsextremer Grundeinstellungen und Tendenzen in Deutschland befürchten lässt", teilte Vizepräsident Christoph Heubner mit.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sagte: "Die Wahlen in Thüringen machen deutlich, dass Rassismus in den neuen Bundesländern mehrheitsfähig geworden ist." Alle Demokraten müssten jetzt gemeinsam deutlich machen, "dass eine vielfältige und offene Gesellschaft keine Belastung ist, die durch Migration entsteht", sondern eine Chance.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa