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Beihilfe zum hundertfachen Mord KZ-Wachmann wird vor Gericht gestellt

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Heute befinden sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers eine Gedenkstätte und ein Museum.

(Foto: dpa)

Im Konzentrationslager Stutthof werden zwischen 1939 und 1945 Zehntausende Menschen vergast oder durch Genickschüsse und Giftinjektionen getötet. Ein Ex-SS-Wachmann wird nun wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Er soll von all dem gewusst haben.

Ein hochbetagter ehemaliger SS-Wachmann im deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig muss sich ab November vor Gericht wegen hundertfacher Mordbeihilfe verantworten. Dem 94 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Wachmann in dem Lager für mehrere Hundert Morde zwischen 1942 und 1945 mitverantwortlich gewesen zu sein, teilte das Landgericht Münster mit. Er wird wegen Beihilfe zum Mord in mehreren Hundert Fällen angeklagt.

Der Prozess beginnt am 6. November vor der Jugendkammer, weil der mittlerweile greise Angeklagte zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten noch nicht 21 Jahre alt war. Aus Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand wird maximal zwei Stunden lang verhandelt. Zwischen den Sitzungen müssen immer wieder Ruhetage eingelegt werden. Zunächst sind dreizehn Prozesstage bis Mitte Januar angesetzt. 

Laut Anklage sind im Konzentrationlager Stutthof mehrere Hundert Menschen in Gaskammern umgebracht worden. Weitere wurden durch Genickschüsse getötet oder starben aufgrund der elenden Lebensverhältnisse. Wieder andere Gefangene habe man erfrieren lassen oder Gift direkt ins Herz injiziert. Insgesamt kamen dort zwischen 1939 und 1945 65.000 Menschen zu Tode. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, von sämtlichen Tötungsmaßnahmen gewusst zu haben. Er bestreitet früheren Angaben zufolge seine Beteiligung.

Wegen derselben Vorwürfe soll auch ein 93-Jähriger aus Wuppertal vor Gericht gebracht werden. Anders als vorgesehen, soll das Verfahren gegen ihn gesondert geführt werden, teilte das Gericht weiter mit. Es sei bislang noch nicht absehbar, ob der Mann verhandlungsfähig ist. Ein weiteres Gutachten dazu steht noch aus.

Neue Rechtsauffassung bringt KZ-Wärter vor Gericht

Seit einigen Jahren kommt es in Deutschland noch einmal vermehrt zu Prozessen wegen nationalsozialistischer Massenverbrechen in Konzentrations- und Vernichtungslagern. Bei Staatsanwaltschaften und Gerichten setzte sich eine neue Rechtsauffassung durch. Auch unterstützende Tätigkeiten können demnach als Beihilfe zum Mord eingestuft werden.

Damit müssen inzwischen auch Verdächtige mit Anklagen rechnen, die als Wachen dienten oder als Mitglieder der Lagerverwaltung Morde anderweitig organisatorisch ermöglichten. Früher kamen in aller Regel dagegen nur Verdächtige vor Gericht, die sich direkt an der Tötung von Häftlingen beteiligten. Mord und damit auch Beihilfe zum Mord verjähren nach deutschem Strafrecht nicht.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/AFP

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