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Verdorrte Weiden machen Viehhaltern zu schaffen - das Futter wird knapp.
Verdorrte Weiden machen Viehhaltern zu schaffen - das Futter wird knapp.(Foto: dpa)
Sonntag, 12. August 2018

Klöckner gegen pauschale Hilfen: Kabinett geht gegen Futterknappheit vor

Die Hitzewelle in Europa sorgt nicht nur für Ernteausfälle, sondern lässt auch Tierfutter knapp werden. Die Bundesregierung will das Problem lindern. Bei finanziellen Hilfen für Bauern will Agrarministerin Klöckner dagegen weiter Zahlen abwarten.

Das Bundeskabinett will nach Angaben von Agrarministerin Julia Klöckner in der kommenden Woche eine Maßnahme zur Linderung der Futterknappheit in der Landwirtschaft billigen. Am kommenden Mittwoch werde das Bundeskabinett beschließen, sogenannte Zwischenfrüchte auf ökologischen Vorrangflächen für die Futternutzung freizugeben, sagte die CDU-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

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Viehhaltern helfe "jetzt in erster Linie nicht Geld, sie brauchen Futter für ihre Tiere", sagte die Ministerin. Die wochenlange Dürre in vielen Regionen Deutschlands hat in der Landwirtschaft schwere Schäden angerichtet. Am Montag wollen Ministeriumsexperten von Bund und Ländern erneut über die Lage beraten, nachdem sie Ende Juli eine erste Bestandsaufnahme gemacht hatten.

Pauschale Hilfen für Bauern lehnte Klöckner erneut ab. "Wir müssen uns die einzelnen Regionen genau anschauen", sagte sie. "In Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz zum Beispiel sind viele Landwirte weniger betroffen." Im Norden und Osten, zum Beispiel in Sachsen, sehe es dagegen vielerorts sehr schlimm aus. Zudem werde ein Teil der Ausfälle bei Getreide durch Preissteigerungen ausgeglichen.

Bauernverband fordert eine Milliarde

Klöckner hat die Forderung nach finanziellen Soforthilfen für Bauern bereits mehrmals entschieden zurückgewiesen. "Ich arbeite im Dienste des Allgemeinwohls und der Steuerzahler", sagte die Ministerin dem "Spiegel". Die Auszahlung solcher Hilfen sei nur auf Grundlage gesicherter Fakten möglich: "Ich kann nicht ohne repräsentative Zahlen, Daten und Fakten den nationalen Notstand ausrufen und nach Gefühl Zahlungen veranlassen."

Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Klöckner: "Staatliche Maßnahmen sollten weiterhin die Ausnahme bleiben." Steuergelder sollten behutsam und mit Bedacht ausgegeben werden. Der Deutsche Bauernverband hatte wegen der anhaltenden Dürre mit Nachdruck schnelle Unterstützung für die Landwirte gefordert und dabei die Summe von einer Milliarde Euro genannt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur summieren sich die Dürre-Schäden der Länder mittlerweile auf 1,1 Milliarden Euro. Allein für Schleswig-Holstein meldete das dortige Agrarministerium einen geschätzten Dürre-Schaden von 422 Millionen Euro an den Bund. Sachsen übermittelte eine Schätzung von rund 308 Millionen Euro, Sachsen-Anhalt von 237 Millionen Euro und Hessen von 150 Millionen Euro.

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Quelle: n-tv.de