Politik

Neuer Tiefpunkt im Syrien-Konflikt Kampfjets bombardieren Flüchtlingslager

Aktivisten berichten von Dutzenden Toten im Lager al-Camouna an der türkischen Grenze: Das syrische Camp soll von Kampfjets bombardiert worden sein. Unter den Toten sind auch Kinder. Die Rebellen machen Machthaber Assad für den Angriff verantwortlich.

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Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden Syriens sind mindestens 28 Menschen getötet worden. Dies teilten Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei der Attacke in der Stadt Sarmada nahe der Grenze zur Türkei kamen demnach auch mindestens sieben Kinder ums Leben. Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sprach von rund 50 Verletzten. Alle Opfer seien Zivilisten. Die Organisation stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Mamun al-Chatib, Chef der in Aleppo ansässigen und den Rebellen nahestehenden Nachrichtenagentur Schahba, machte die syrischen Streitkräfte für die Angriffe verantwortlich. Zwei Kampfjets der Luftwaffe hätten vier Raketen auf das Lager am Rande des Dorfes al-Kammuna abgefeuert, sagte al-Chatib. Zwei Raketen seien nahe dem Camp eingeschlagen und hätten eine Panik ausgelöst - zwei weitere hätten das Lager direkt getroffen, mehrere Zelte hätten Feuer gefangen.

Die Stadt Sarmada liegt in der Nähe eines Grenzübergangs, der für die Rebellen im nordsyrischen Aleppo die letzte Verbindung in die Türkei ist. Zehntausende Flüchtlinge leben in Lagern im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei, davon befinden sich mehrere Flüchtlingscamps in Idlib. Die Provinz gilt als Hochburg des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Steht die Waffenruhe vor dem Aus?

Zuvor war nach fast zwei Wochen mit heftigen Kämpfen eine neue Waffenruhe auf Aleppo ausgeweitet worden, die zunächst weitgehend hielt. Die zwischen Regime und Rebellen geteilte Stadt ist der am schwersten umkämpfte Schauplatz in Syriens Bürgerkrieg. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren zuletzt mindestens 285 Zivilisten bei Luftschlägen des Regimes sowie Angriffen von Rebellen getötet worden.

Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt hatte Syriens Opposition die Genfer Friedensgespräche verlassen. Insgesamt sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen ums Leben gekommen.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP