Politik

Putins Krieg auf der Karte Der Frontverlauf in der Ukraine

Auf Befehl Putins überfällt das russische Militär die Ukraine: Soldaten, Kampfpanzer, Artillerie und Militärkolonnen dringen aus drei Himmelsrichtungen tief in das ukrainische Staatsgebiet vor. Welche Regionen stehen unter russischer Kontrolle?

Dramatische Entwicklungen in der Ukraine: Mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist im Osten Europas offener Krieg ausgebrochen. Auf Befehl von Russlands Staatschef Wladimir Putin haben die russischen Streitkräfte am 24. Februar eine groß angelegte und von langer Hand vorbereitete Invasion des kleineren Nachbarlands Ukraine gestartet. Eine volle Woche schon wehren sich die Ukrainer gegen das militärisch übermächtige Russland.

So stellt sich die militärische Lage in der Ukraine am 3. März 2022 dar:

Rot hervorgehoben sind Gebiete, die nach übereinstimmenden Angaben unabhängiger Beobachter vorerst unter der Kontrolle russischer Truppen stehen. Der Frontverlauf markiert das Vordringen russischer Verbände, schließt aber nicht aus, dass es hinter der Frontlinie zu weiteren Gefechten kommen kann. Schraffiert sind im Osten der Ukraine die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk, die in der Hand russischsprachiger Separatisten sind. Im Süden ist, ebenfalls schraffiert, die von Russland 2014 besetzte und anschließend annektierte ukrainische Halbinsel Krim zu erkennen. Im Südwesten der Ukraine, jenseits der Grenze zu Moldawien, ist die abtrünnige moldawische Region Transnistrien zu erkennen. Dort sind seit geraumer Zeit ebenfalls russische Soldaten stationiert.

Mehr zu den Entwicklungen in der Ukraine im ntv.de Liveticker zum Ukraine-Krieg.

Die russische Invasion der Ukraine begann, wie von westlichen Militärexperten erwartet, am ersten Angriffstag mit gezielten Luftangriffen auf militärische Einrichtungen in der Ukraine. Bombardiert oder mit Luft/Boden-Raketen beschossen wurden in der ersten Welle insbesondere Luftwaffenbasen, Radarstationen und bekannte Stellungen der ukrainischen Luftabwehr. Kurz darauf begann der Angriff der russischen Landstreitkräfte aus dem Nordosten, aus den östlich gelegenen Separatistengebieten, aus dem Gebiet der russisch besetzten Krim heraus sowie aus Belarus, dem autoritär regierten Nachbarland im Norden der Ukraine.

Das russische Militär nutzte dabei vorbereitete Ausgangsstellungen hinter der Grenze. Die Ukraine war bereits seit Monaten von drei Seiten von russischen Truppen umgeben. Mehrere Tage nach Beginn der Angriffe zeichnen sich mehrere Hauptangriffsrichtungen ab: Die russischen Bodentruppen rückten auf beiden Seiten des Dnepr in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kiew (ukrainische Schreibweise: Kyjiw) vor. Im Osten des Landes zielt eine weitere Offensive zudem auf Charkiw, die zweitgrößte Metropole des Landes. Im Süden eroberten russische Einheiten am 2. März Cherson und kontrollieren nun den Dnepr-Übergang bei Nowa Kachowka. Aus Nordosten rollen russische Verbände nördlich von Sumy Richtung Westen, Stoßrichtung Kiew.

Überall im Land stoßen die russischen Soldaten offenkundig auf stärkeren Widerstand als erwartet. Der Frontverlauf lässt sich dabei nicht immer lückenlos nachverfolgen, die Lage entwickelt sich dynamisch. Die Angaben der beteiligten Kriegsparteien sind kaum belastbar, teils widersprüchlich und oft zu Propagandazwecken verzerrt. Frontverschiebungen bedeuten nicht, dass die russischen Truppen sich dort dauerhaft halten können. Je weiter die Angreifer vorrücken, desto länger werden die Nachschubwege und desto größer werden die zu kontrollierenden Gebiete. Die Versorgung der Kampftruppen mit Treibstoff, Munition und Verpflegung stellt die russische Logistik vor enorme Herausforderungen.

Die Situation vor Ort kann sich binnen Stunden verändern. Ungeprüfte Aufnahmen aus den sozialen Medien sind meist wenig hilfreich: Mobile russische Verbände, Kommandoeinheiten oder Aufklärer können unter Umständen weit abseits der eigentlichen Frontlinien auftauchen. Beide Seiten nutzen den Informationsraum - hier insbesondere die elektronischen Medien - für eigene Propagandazwecke. Für den militärischen Erfolg der Angreifer und der Verteidiger entscheidend ist jedoch, welche Gebiete tatsächlich unter der Kontrolle der Invasionsarmee stehen und dauerhaft gehalten werden können.

Die Suche nach belastbaren Informationen ist aufwändig: ntv.de stützt sich bei den Recherchen unter anderem auf Angaben von Nachrichtenagenturen mit ihren Reportern vor Ort, auf die Auswertung öffentlich verfügbarer Satellitenbilder sowie auf die verifizierten und bestätigten Informationen von Instituten, Thinktanks und Quellen wie ISW, OSW, CIR, Correctiv und Bellingcat.

In die Karte aufgenommen werden Regionen, wenn sich das Vordringen russischer Kräfte mit übereinstimmenden Angaben aus mehreren Quellen belegen lässt. Berichte über Gefechte in der Ukraine werden anhand des eingehenden Bildmaterials überprüft sowie anhand zusätzlicher Informationen mit den erwähnten Ortsmarken auf der Karte abgeglichen. ntv.de bemüht sich um eine tägliche Aktualisierung. Wichtig: Mehr als einen groben Überblick aus der Distanz können solche Lagekarten nicht leisten.

Der Krieg bringt Leid und Zerstörung in ein aufstrebendes Land im Osten Europas. Die Ukraine zählt vor Ausbruch der Kampfhandlungen im Osten des Landes und vor der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim rund 45 Millionen Einwohner. Von West nach Ost erstreckt sich das Staatsgebiet über fast 1300 Kilometer. Von der Donaumündung ins Schwarze Meer im Südwesten des Landes bis ins ukrainisch-russisch-belarussische Dreiländereck bei Senkiwka sind es rund 780 Kilometer - und damit in etwa so weit wie von Flensburg bis zum Bodensee.

Schusswechsel am Boden, Artillerieüberfälle und Luftangriffe bedeuten für die Menschen in den umkämpften Städten und Ortschaften akute und unmittelbare Lebensgefahr. Sollten sich die Kämpfe in die ukrainischen Städte verlagern, muss mit einer wachsenden Zahl an zivilen Opfern gerechnet werden. Das Auswärtige Amt in Berlin fordert deutsche Staatsangehörige seit Kriegsbeginn "dringend" dazu auf, das Land zu verlassen.

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Der zivile Flugverkehr ist vorerst eingestellt, das Schwarze Meer wird von russischen Kriegsschiffen versperrt. Eine Ausreise ist damit theoretisch nur noch auf dem Landweg mit dem Auto, der Bahn oder zu Fuß möglich. An den Grenzübergängen bildeten sich schon in den ersten Kriegstagen kilometerlange Staus, Treibstoff ist knapp. Es herrschen winterliche Bedingungen. Die Versorgungslage ist schwierig. Männlichen ukrainischen Staatsbürgern im Alter von 18 bis 60 Jahren bleibt die Ausreise verwehrt.

"Falls Sie das Land nicht auf einem sicheren Weg verlassen können, bleiben Sie vorläufig an einem geschützten Ort", rät das Auswärtige Amt den in der Ukraine verbliebenen deutschen Staatsangehörigen. "Eine Evakuierung durch deutsche Behörden ist derzeit nicht möglich." Das Generalkonsulat in Dnipro und die deutsche Botschaft in Kiew sind "vorübergehend" geräumt.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 02. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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