Politik

Polizei beschlagnahmt Wahlzettel Katalanen protestieren nach Razzien

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Rund 4000 Menschen protestieren vor dem Regierungsgebäude in Barcelona.

(Foto: AP)

Die Umstände des geplanten Votums zur Unabhängigkeit Kataloniens nehmen drastische Züge an: Bei Durchsuchungen in Barcelona werden 14 Personen festgenommen und neun Millionen Stimmzettel beschlagnahmt - dagegen gehen Tausende auf die Straßen.

Nach mehreren Razzien der spanischen Militärpolizei gegen die katalanische Regionalregierung in Barcelona sind Tausende aufgebrachte Menschen zum Demonstrieren auf die Straße gegangen. Zuvor hatten die Beamten bei den Durchsuchungen 14 Menschen festgenommen und rund neun Millionen Wahlzettel beschlagnahmt. Insgesamt seien in der katalanischen Hauptstadt 41 Inspektionen durchgeführt worden, berichteten Medien unter Berufung auf die spanische Justiz.

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Die Guardia Civil drang nach Angaben der Regionalregierung in die wichtigsten Büros der Regionalregierung in Barcelona ein, die Abteilungen für Wirtschaft und Außenpolitik sowie das Büro von Regierungschef Carles Puigdemont. Dabei kam es auch zu Verhaftungen.

Unter den Festgenommenen war auch Josep Maria Jové, die rechte Hand von Vize-Regierungschef Oriol Junqueras. Jové war für die Koordinierungsarbeiten bei der Vorbereitung des für den 1. Oktober geplanten Referendums und für das Wirtschaftsressort zuständig.

Bei einem weiteren Einsatz beschlagnahmte die Polizei zudem fast zehn Millionen Stimmzettel, wie das Innenministerium mitteilte. Aus einsatznahen Kreisen verlautete, die Zettel seien in Bigues rund 45 Kilometer nördlich von Barcelona konfisziert worden.

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Viele Menschen in Barcelona hegen den Wunsch zumindest über die Unabhängigkeit abstimmen zu können.

(Foto: AP)

In der Folge der Razzien versammelten sich rund 4000 Demonstranten im Zentrum von Barcelona. Viele waren in die gelb-rote Flagge Kataloniens gehüllt, riefen "Unabhängigkeit" und "Wir werden wählen!" Eine einflussreiche Organisation für die Unabhängigkeit, die Katalanische Nationalversammlung (ANC), rief zu weiteren gewaltfreien Protesten auf. "Wir wollten wählen und sie erklärten den Krieg", erklärte der ANC-Chef Jordi Sanchez.

Abspaltungsgegner laut Umfragen vorn

Spaniens Regierung betrachtet die geplante Volksabstimmung als illegal, das Verfassungsgericht in Madrid erklärte das in Barcelona beschlossene Referendumsgesetz für ungültig. Die Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen mehr als 700 katalanische Bürgermeister eingeleitet, die das Unabhängigkeitsreferendum unterstützen.

In den vergangenen Tagen wurde neben den Stimmzetteln bereits anderes Material für die Abhaltung der Volksabstimmung konfisziert. So wurden am Dienstag 45.000 Schreiben mit Anweisungen an die Leiter der Abstimmungslokale für das Referendum sichergestellt. Das Finanzministerium in Madrid stellte die Finanzverwaltung in Barcelona unter Aufsicht.

In Umfragen liegen die Gegner einer Abspaltung derzeit mit gut 49 zu 41 Prozent vorn. Die Umfragen zeigen auch, dass seit Monaten konstant rund 70 Prozent der 7,5 Millionen Einwohner Kataloniens dafür sind, in einer Volksabstimmung über diese Frage zu entscheiden.

Quelle: n-tv.de, mba/AFP/dpa

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