Politik

Weltgrößtes Camp vor Schließung Kenia will 350.000 Flüchtlinge abschieben

RTR2QL49.jpg

In Dadaab leben vor allem somalische Flüchtlinge.

(Foto: REUTERS)

Terroristen ermorden fast 150 Menschen in Kenia - und die Regierung des Landes reagiert drastisch. Vize-Präsident Ruto fordert die Uno auf, das weltgrößte Flüchtlingslager Dadaab zu schließen. Andernfalls will Kenia die Sache selbst in die Hand nehmen.

Vor rund einer Woche sterben bei einem Anschlag somalischer Terroristen fast 150 Menschen in Garissa im Norden Kenias. Als Reaktion darauf will die Regierung in Nairobi nun Dadaab, das größte Flüchtlingslager der Welt, schließen. Dadaab befindet sich rund 100 Kilometer von der Grenze nach Somalia entfernt. Kenia vermutet, dass sich in dem Lager nicht nur Flüchtlinge, sondern auch somalische Terroristen aufhalten. Die somalische Terrororganisation Al-Schabaab hat sich zu dem verheerenden Anschlag in Garissa bekannt.

Der kenianische Vizepräsident William Ruto erklärte, das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) müsse das Lager innerhalb von drei Monaten schließen und nach Somalia verlagern. In Dadaab leben nach UN-Angaben rund 350.000 Flüchtlinge, manche Quellen sprechen sogar von bis zu 600.000. Sollte das UNHCR der Aufforderung nicht nachkommen, würde Kenia die Flüchtlinge selbst umsiedeln, sagte er laut CNN.

Ein UN-Sprecher sagte, bislang sei man über den Beschluss der Regierung nicht offiziell unterrichtet worden. Die Sicherheitslage in Somalia ist weiter kritisch, so dass eine Verlagerung von Dadaab über die Grenze nur schwer vorstellbar erscheint.

Kenia rüstet auf

Kenia werde sich nach dem jüngsten Anschlag so drastisch verändern "wie Amerika nach 9/11", sagte Ruto laut einer Pressemitteilung in Anspielung auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York. Zudem habe nun der Bau eines 700 Kilometer langen Grenzwalls begonnen, um somalische Terroristen nicht ins Land kommen zu lassen.

Um die Islamisten zu stoppen, hat Kenia rund 5000 Soldaten nach Somalia entsandt. Nach dem Anschlag in Garissa hat die Regierung zudem die Einstellung 10.000 neuer Polizisten versprochen. Zudem wurden diese Woche viele somalische Konten eingefroren und Geldtransfers verboten. Hilfsorganisation kritisierten allerdings, dass die Unterbindung von Geldtransfers vor allem arme Somalis treffe, die zum Überleben Geld von Familienmitgliedern im Ausland erhielten.

Die Dadaab-Flüchtlingscamps beherbergen seit über 20 Jahren vor allem Somalis, die vor Bürgerkriegswirren und islamistischem Terrorismus in ihrem Heimatland geflohen sind. Kenia hat seit Beginn des Jahres bereits 3000 Flüchtlinge nach Somalia zurückgebracht.

Quelle: n-tv.de, fma/dpa/AFP

Mehr zum Thema