Politik

Prozess gegen 20 Saudis beginnt Khashoggis Verlobte hofft auf Gerechtigkeit

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Diese Mahnwache für Khashoggi wurde vor der saudischen Botschaft in Washington gehalten - dem letzten Wohnort des Journalisten.

(Foto: REUTERS)

Der brutale Mord an dem regimekritischen saudi-arabischen Journalisten Khashoggi sorgt 2018 weltweit für Empörung. Nun beginnt in Istanbul der Prozess gegen 20 Männer - in aufgeheizter politischer Stimmung. Gleich zu Beginn tritt Khashoggis Verlobte vor die Presse.

Anderthalb Jahre ist es nun her, dass der Saudi-Araber und "Washington Post"-Autor Jamal Khashoggi brutal in Istanbul ermordet wurde. Wochenlang blickte die Welt mit Entsetzen nach Istanbul - und nun sind wieder die Kameras da, sie stehen vor einem Gerichtsgebäude der Metropole am Bosporus. 20 Männer aus Saudi-Arabien sollen sich dort verantworten, doch sie haben es vorgezogen, nicht zu erscheinen. Sie sollen den regimekritischen Journalisten nicht nur getötet, sondern auch zerstückelt haben sollen. Weltweit stieß der brutale Mord an Khashoggi auf scharfe Kritik. Deutschland verhängte einen Exportstopp von Rüstungsgütern.

Zum Auftakt befragt das Gericht Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz. Als Khashoggi ermordet wurde, wartete Cengiz vergeblich vor dem saudischen Konsulat auf ihren Verlobten, den sie dort das letzte Mal sah. Khashoggi hatte an diesem Tag Papiere für die bevorstehende Hochzeit abholen wollen. Cengiz wirkt beherrscht, als sie vor die Medien in der sengenden Juli-Sonne tritt. Sie sei erschöpft, mental und körperlich, sagt sie. Seit Khashoggi ermordet wurde, erzählt Cengiz, trage sie eine Last und eine Verantwortung auf ihren Schultern. Das bedeutet für Cengiz, dass sie sie sich für Gerechtigkeit einsetzen will, wo sie kann. Cengiz betont, sie setze Vertrauen in die türkische Justiz.

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(Foto: AP)

Ein Sonderkommando aus der saudischen Hauptstadt Riad hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul geradezu hingerichtet. Er wurde laut türkischer Anklageschrift im Konsulat stranguliert, seine Leiche dann zerstückelt. Von dieser fehlt bis heute jede Spur. Der Staatsanwalt kommt zu dem Schluss, dass von Anfang an geplant gewesen sei, den Journalisten zu ermorden, sollte er nicht einwilligen, nach Saudi-Arabien gebracht zu werden. Er widerspricht damit der saudischen Darstellung, wonach es zunächst keine Absichten zum Mord gab. Bereits im Vorfeld sei auch die Vertuschung des Mordes geplant worden, so der Staatsanwalt.

"Er war irgendwie im Bilde"

Die saudische Regierung räumte den Mord auf internationalen Druck schließlich ein. Kronprinz Mohammed bin Salman, der faktische Herrscher im Königreich, bestritt aber, die Tötung selbst angeordnet zu haben. Die UN-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard kam hingegen in einem Untersuchungsbericht zu dem Schluss, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen und anderer ranghoher Vertreter Saudi-Arabiens gebe. Auch sie tritt nun in Istanbul vor die Medien. Sie sagt, dieser Prozess sei wichtig, neue Informationen würden so ans Licht kommen. Sie habe bei ihrer Untersuchung nicht die Beweise gehabt, um genau festzustellen, ob der Kronprinz das Verbrechen befohlen oder zur Tat angestiftet habe, oder ob er nicht in der Lage gewesen war, den Mord zu verhindern, "aber er war irgendwie im Bilde," sagt Callamard.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte mehrfach, höchste saudische Kreise seien in die Tat involviert gewesen. Schon direkt nach der Tat setzte die Türkei Saudi-Arabien mit regelmäßigen neuen Details zu dem Mord öffentlich unter Druck. Möglicherweise auch, weil beide Länder in der Region Konkurrenten sind. So ist die Türkei eng mit dem Emirat Katar verbündet, gegen das Saudi-Arabien eine Blockade verhängt hat.

Kashoggi pflegte lange enge Beziehungen zum saudischen Königshaus, fiel dann aber in Ungnade. 2017 ging er in die USA. Aus dem Exil äußerte er sich immer wieder kritisch zur saudischen Führung, vor allem in Kolumnen für die "Washington Post". Bei den Hauptangeklagten handelt es sich laut Anklageschrift um Saud bin Abdullah al-Kahtani und Ahmed al-Asiri. Al-Kahtani ist ein ehemaliger Berater des saudischen Kronprinzen bin Salman und gilt als einer seiner engsten Vertrauten. Nicht zuletzt wegen dieser Verbindung kamen Beobachter zu dem Schluss, dass auch der Kronprinz in den Fall verwickelt sein muss.

Laut der saudischen Staatsanwaltschaft wurde Al-Kahtani befragt, mangels Beweisen aber im Königreich nicht angeklagt. Ahmed al-Asiri ist ein ehemaliger stellvertretender Geheimdienstchef. Die beiden Männer sollen die 18 übrigen Angeklagten zum vorsätzlichen Mord unter Folter angestiftet haben, wie es in der türkischen Anklageschrift heißt.

Schon drei Todesurteile in Saudi-Arabien

Am ersten Prozesstag befragte das Gericht neben Cengiz auch Yasin Aktay, Politiker der in der Türkei regierenden AKP und Freund Khashoggis. Die nächste Verhandlung ist für den 24. November angesetzt, wie der Anwalt von Cengiz sagte. Ein Gericht in Saudi-Arabien hatte im Dezember fünf Männer im Fall Khashoggi zum Tode verurteilt. Allerdings blieb die Öffentlichkeit von dem Verfahren weitestgehend ausgeschlossen. Drei weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren. Die Namen der Angeklagten sollten unter Verschluss bleiben, bis die Urteile rechtskräftig sind.

Besonders die Todesurteile riefen Protest auf den Plan. Scharfe Kritik kam etwa aus der Türkei, aus der EU und von den Vereinten Nationen. Es sei weit davon entfernt, die Erwartungen der Türkei und der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen, hieß es in einer Erklärung des Außenamts in Ankara. Die Aufklärung des Mordes auf türkischem Boden sei eine "moralische Verpflichtung". Neben der Kritik an der Verhängung von Todesstrafen monierten viele, dass die wahren Täter weiterhin auf freiem Fuße seien.

Die Familie Khashoggis verkündete hingegen auf Twitter, den Tätern zu vergeben. Dieser Schritt könnte ein Hinweis darauf sein, dass Verurteilte der Todesstrafe möglicherweise entgehen. Khashoggis Verlobte Cengiz und Menschenrechtler reagierten mit scharfer Kritik, weil sie befürchten, dass die wahren Schuldigen straffrei ausgehen. Werden sie in der Türkei verurteilt, drohen den Angeklagten lebenslange Haftstrafen. Das Verfahren biete die Chance, die Mörder von Khashoggi zur Rechenschaft zu ziehen, teilte die Nicht-Regierungsorganisation Reporter ohne Grenzen vor Beginn der Verhandlungen mit. Ob der Prozess abgeschlossen und Urteile gefällt würden, sei angesichts der Abwesenheit der Angeklagten aber unklar.

Quelle: ntv.de, Mitarbeit: Volker Petersen

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