Politik

Seit Jahren in Reparatur Kiew: Russlands einziger Flugzeugträger "in kritischem Zustand"

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Die "Admiral Kusnezow" liegt seit 2017 in Murmansk auf der Werft.

(Foto: IMAGO/SNA)

Die "Admiral Kusnezow" ist Russlands einziger Flugzeugträger. Diesen hätte Moskau im Ukraine-Krieg gebrauchen können - doch sein Zustand lässt nach Kiews Angaben zu wünschen übrig. Der 305 Meter große Koloss sollte nach einer Modernisierung bereits 2021 wieder in See stechen. Dass er in naher Zukunft eingesetzt wird, ist zu bezweifeln.

Die "Admiral Kusnezow", Russlands einziger Flugzeugträger, befindet sich nach Angaben des ukrainischen Militärnachrichtendiensts HUR in einem derart schlechten Zustand, dass er sich weder aus eigener Kraft bewegen noch ins Wasser gelassen werden kann. Wie der HUR in seinem Telegram-Kanal berichtete, versuchen das russische Militär und die Leitung der Werft, in der die "Admiral Kusnezow" derzeit repariert wird, sich gegenseitig die Verantwortung für den "kritischen Zustand" des Schiffes zuzuschieben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die "Admiral Kusnezow" ist 1985 vom Stapel gelaufen und wurde 1991 in Dienst gestellt. 2017, nach Abschluss einer Mission im Syrien-Krieg - der erste und bisher einzige Militär-Einsatz des 305 Meter Kolosses -, sollte der Flugzeugträger repariert und völlig modernisiert werden. Seither liegt er in der nordrussischen Stadt Murmansk auf der Werft. Im Jahr 2018 schlug das Schiff beim Untergang eines Schwimmdocks leck. Dabei war auch ein Kran zusammengebrochen, der ein großes Loch ins Deck riss.

Ein Jahr später geriet die "Admiral Kusnezow" in Brand. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, 14 wurden verletzt. Am 22. Dezember kam es auf dem Flugzeugträger erneut zu einem Brand. Schäden und Verletzte gab es laut offiziellen Angaben nicht.

Mehrere Räume mit Schlammwasser gefüllt

Um die Arbeiten an der "Admiral Kusnezow" fortzusetzen, sei vor kurzem beschlossen worden, das Schiff aus dem Trockendock an einen der Liegeplätze der Werft zu verlegen, berichtete der HUR auf Telegram. Bei der Vorbereitung des Transports sei jedoch festgestellt worden, dass der Flugzeugträger nicht in der Lage sei, sich aus eigener Kraft zu bewegen, teilte der ukrainische Geheimdienst mit, ohne Angaben zu Informationsquellen zu machen.

Aus diesem Grund sei versucht worden, das Schiff mit Hilfe von Schleppern zu bewegen, aber auch dies habe sich als unmöglich erwiesen. Die Schiffbauer warnten demnach, dass der Zustand der "Admiral Kusnezow" es grundsätzlich nicht zulässt, das Schiff zu Wasser zu lassen, da es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Seite kippen und sinken würde. Der Schiffsrumpf sei zudem so stark korrodiert, dass sich mehrere Räume mit Schlammwasser gefüllt hätten, was wiederum eine weitere Inspektion des Schiffsinneren unmöglich machen würde, hieß es weiter im Bericht des ukrainischen Nachrichtendienstes.

Konflikt zwischen der Flotte und der Werft

Laut HUR kam es vor diesem Hintergrund zu einem Streit zwischen der Werft und der Leitung der russischen Flotte. Wie der Geheimdienst schrieb, würden die Konfliktparteien versuchen, sich gegenseitig die Verantwortung für die aktuelle Situation zuzuschieben. Das Flottenkommando habe nach Kiews Angaben der Werftleitung wegen der Nichteinhaltung der Reparaturfristen eine Strafe in Höhe von anderthalb Milliarden Rubel (umgerechnet rund 20 Millionen Euro) auferlegt. Die Werksleitung wiederum habe erklärt, dass die Werft keine Schuld an dem beklagenswerten Zustand des Schiffes trage.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Leitung der militärischen Abteilung der Werft, die die Arbeiten beaufsichtigt hat, für schuldig befunden wird", vermutete der HUR im Telegram-Beitrag und fügte hinzu, dass es bis heute nicht einmal einen ungefähren Zeitplan für die Wiederinbetriebnahme des Flugzeugträgers gäbe. Das Kriegsschiff sollte eigentlich bereits 2021 wieder in See stechen. Bereits im Sommer vergangenen Jahres teilten russische Staatsmedien aber mit, dass sich die Reparaturarbeiten mindestens bis zum Sommer 2024 hinziehen würden.

Quelle: ntv.de, uzh

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