Politik

Denuklearisierung Nordkoreas? Kims Worte sind abgedroschen

Nord- und Südkorea einigen sich auf die "Panmunjom Erklärung" - ein Dokument, das scheinbar den Weg zu Frieden ebnet. Es klingt pompös, doch es unterscheidet sich kaum von früheren Papieren.

Die Geschichte der Kims und der Denuklearisierung erinnert ein wenig an die Fabel des Hirtenjungen und des Wolfes. Oft schon haben die Machthaber aus der Führer-Dynastie Nordkoreas mit viel Tamtam eine Versöhnung mit dem Nachbarn im Süden und ein Ende des atomaren Rüstens versprochen. Oft folgten den Worten keine Taten. Warum sollte es mit der "Panmunjon Deklaration" anders sein? Kim Jong Uns Worte klingen abgedroschen, wenn man sie in den historischen Kontext stellt. Ist dieses Mal irgendetwas anders?

Wer sich die Abschlusserklärung des als "historisch" eingestuften Korea-Gipfels genau anschaut, findet kaum Unterschiede zu früheren Absichtserklärungen. Das fängt bei Anspielungen auf das gesamtkoreanische Volk an. "Die beiden Führer erklärten vor den 80 Millionen Koreanern und der ganzen Welt, dass es auf der koreanischen Halbinsel keinen Krieg mehr geben wird." So steht es in ungefährer Übersetzung im aktuellen Dokument.

Bereits in der Versöhnungs-Vereinbarung von 1992 wurden alle Absichtserklärungen im Sinne "der Sehnsucht des gesamten koreanischen Volkes auf friedliche Wiedervereinigung des geteilten Landes" geschlossen. Auch in der "Gemeinsamen Süd-Nord-Erklärung" von 2000 heißt es gleich zu Beginn: "Im Einklang mit dem ehrenwerten Ziel des gesamten koreanischen Volkes, das sich nach friedlicher Wiedervereinigung sehnt …" Und in der "Erklärung zur Verbesserung der Süd-Nord-Koreanischen Beziehungen" aus dem Jahr 2007 ist vom gesamten Koreanischen Volk die Rede. Darüber hinaus heißt es fast so wie im aktuellen Text: "Der Süden und der Norden haben sich darauf verständigt, sich gegen Krieg auf der koreanischen Halbinsel zu stellen und sich strikt ihren Pflichten des Friedenserhalts zu unterwerfen."

Auch beim Thema Atomwaffen sind die Formulierungen kaum zu unterscheiden: "Süd- und Nordkorea bekräftigen ihr gemeinsames Ziel der vollständigen Denuklearisierung, einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel", heißt es im Statement vom jüngsten Gipfel. In dem Dokumente von 1992 ist ebenfalls von der "gemeinsamen Denuklearisierung" die Rede: "Der Süden und der Norden dürfen keine nuklearen Waffen testen, entwickeln, herstellen, erhalten, besitzen, lagern, verlegen oder einsetzen", heißt es da. Im gemeinsamen Statement nach der vierten Runde im Sechs-Parteien-Format im Jahr 2005 ist gleichermaßen vom Ziel der "überprüfbaren Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel die Rede.

Immer wieder geht es in den verschiedenen Absichtserklärungen um vertrauensbildende Maßnahmen, um die Zusammenführung getrennter Familien, um gegenseitige Staatsbesuche, und und und.

Trumps taktische Ungeduld

Wirklich Neues ist rar. Dazu gehört ein permanentes Verbindungsbüro in Gaesong. Oder der Wunsch, künftig Dreier- oder Vierer-Gespräche mit den USA und China zu führen. In der Vergangenheit war ein Sechs-Parteien-Format üblich. Beteiligt waren dabei neben den beiden Koreas, den USA und China auch noch Japan und Russland.

Nicolas Eberstadt, Gründer des US Committee for Human Rights in Nordkorea, prophezeite schon vor dem Gipfel "belangloses Geschwafel" und bezeichnete Hoffnungen auf eine echte Veränderung der Beziehungen der beiden Staaten als "Wahnvorstellungen". In einem Gastbeitrag für die "New York Times" schrieb er: "Wenn sich der Süden auf diese faule Friedensmasche einlässt, wird er sich noch mehr Manipulationen durch die Regierung in Pjöngjang aussetzen."

Ganz so pessimistisch ist Lars-André Richter, Projektleiter der Friedrich Naumann Stiftung in Seoul, nicht. Er bestätigte im Gespräch mit n-tv.de zwar, dass es "keine gravierenden Unterschiede" in der Rhetorik gebe, verweist zugleich aber auf andere weltpolitische Bedingungen. Er blickt gespannt auf den nächsten großen Gipfel: Ende Mai oder Anfang Juni will Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un US-Präsident Donald Trump treffen.

"Vielleicht ist ein Point of no Return erreicht", sagt Richter, ein Punkt, an dem Kim nicht mehr ohne Konsequenzen mit einem Wortbruch durchkommt. Vor der Annäherung der vergangenen Wochen hatte Trump Pjöngjang mit "Feuer und Wut, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat" gedroht.

Der Korea-Experte Richter spricht von einem Wechsel einer "strategischen Geduld" unter dem früheren US-Präsidenten Barack Obama hin zu einer "Taktik der Ungeduld" unter dem neuen Mann im Weißen Haus. Die USA wirkten härter denn je. Kims Worte mögen abgedroschen klingen, doch Richter schließt nicht aus, dass sich der Koreanische Machthaber dieses Mal wirklich vor einem Wortbruch fürchtet. Falls ja, ist die Frage, ob ihm der Rest der Welt jetzt noch glaubt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema