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Nordkorea setzt Atomprogramm aus Kims nuklearer Poker ist geschickt

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Die Atomwaffen, die Kim in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wird er behalten.

(Foto: Reuters)

Ist das die große Wende in der nordkoreanischen Atompolitik? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Der Machthaber in Pjöngjang lässt sich geschickt Optionen offen. Nur wer sehr optimistisch ist, erkennt in seinen Ankündigungen ein echtes Einlenken.

US-Präsident Donald Trump reagiert wie gewohnt bei Twitter: „Nordkorea hat zugestimmt, alle Nukleartest auszusetzen und seine Haupttestanlage zu schließen“, schreibt er in der Nacht zu Samstag. „Das sind wirklich gute Nachrichten für Nordkorea und die Welt - großer Fortschritt.“

Der Mann im Weißen Haus lehnt sich ziemlich weit aus dem Fenster. Ja, die Ankündigung aus Pjöngjang ist ein positives Signal. Kein Vergleich zu den Zeiten, in denen Trump und sein nordkoreanischer Widerpart sich noch öffentlich darüber stritten, wer den größeren roten Knopf hat. Kein Vergleich zu den Monaten, in denen die Welt die in Vergessenheit geratene Angst vor dem Atomkrieg wiederentdeckte. Die Ankündigungen aus Pjöngjang machen ein bisschen Hoffnung. Doch wer sich die Verlautbarung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un genauer anschaut, erkennt darin vor allem den Zug eines geschickten Spielers. Allzu großer Optimismus ist nicht angebracht.

Kim bringt sich in die ideale Ausgangsposition für den anstehenden Gipfel mit den USA, der Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden soll. Der erste Gipfel überhaupt, an dem der amerikanische und der nordkoreanische Staatschef teilnehmen.

Erstaunlicher Sieg Nordkoreas

In der Erklärung Kims, die in der Nacht von nordkoreanischen Staatsmedien verbreitet wurde, geht es keinesfalls nur darum, dass Nordkorea keine weiteren Nukleartests anstrebt und sein Erprobungsareal in Punggye-ri einstampfen will. Der Text liest sich zunächst einmal wie eine koreanische Erfolgsmeldung. Sein Atomprogramm sei so erfolgreich gewesen, dass es keine weiteren Tests brauche, heißt es da in etwa. Im Detail geht Kim dann auf verschiedene Phasen der Entwicklung ein, zum Beispiel die unterirdischen Tests, die Miniaturisierung der Waffen, die Entwicklung ballistischer Trägerraketen. Alles Entwicklungen, die laut Kim voll nach Plan abgeschlossen worden seien. Im Wortlaut ist von einem „erstaunlichen Sieg“ die Rede, von der Errungenschaft, Nordkorea binnen fünf Jahren zu einer Atommacht gemacht zu machen.

Zwar spricht auch Kim davon, das Ziel der weltweiten nuklearen Abrüstung unterstützen zu wollen, doch er tut dies im selben Gestus wie es andere Atommächte tun: maximal abstrakt und nur unter den Bedingungen eines gemeinsamen weltumspannenden Unterfangens, das den einzelnen aus der Verantwortung entlässt.

Kim wird die Atomwaffen, die er in den vergangenen Jahren entwickelt hat, behalten. Es ist ausdrücklich von einer Garantie der Sicherheit Nordkoreas die Rede. Und er nennt keine Bedingungen, unter denen er bereit wäre, darauf zu verzichten. Der Machthaber hält sein Drohpotenzial hoch. Niemand außer den Nordkoreanern weiß mit Sicherheit, ob das Land wirklich längst über ein so schlagkräftiges Arsenal an nuklearen Sprengköpfen und einsatzbereiten Trägerraketen verfügt, dass keine weiteren Tests nötig wären.

Wer gibt wirklich nach?

Was bedeutet das für den Gipfel? Trump hatte wiederholt die vollständige Denuklearisierung Nordkoreas gefordert. "Wir erwarten eine atomare Abrüstung Nordkoreas", sagte er noch, als er zu dem historischen Treffen eingeladen wurde. Schon damals war von einem Aussetzen der Atomtests die Rede. Und Trump pochte darauf, dass die wirtschaftlichen Sanktionen gegen das Land bestehen blieben, bis es tatsächlich abrüstet. Eine Politik des „höchsten Drucks“.

Kim macht in der aktuellen Verlautbarung nun seine Bedingungen deutlich: Er fordert den Fall der Sanktionen. Jetzt, da Nordkorea eine derartige politische und militärische Macht sei, werde das Land all seine Anstrengungen in den Aufbau der sozialistischen Wirtschaft Nordkoreas setzen, heißt es in dem Text. Die Lage ist weiterhin festgefahren.

Mit seinem offiziellen Aus für weitere Atomtests noch vor dem Gipfel mit den USA geht Kim behutsam in Vorleistung. Aber geht er weit genug? Die entscheidende Frage bleibt ungeklärt: Wer gibt zuerst wirklich nach?

Quelle: n-tv.de

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