Politik

Alena Buyx im "ntv Frühstart" "Kinder erst nach Priorisierungsgruppen impfen"

Schon bald könnten in Deutschland die ersten Kinder einen Piks gegen Corona bekommen. Die Vorsitzende des Ethikrates aber bremst - auch wenn sie Impfungen für Jüngere für geboten hält.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hält Impfungen für Kinder und Jugendliche erst dann für richtig, wenn besonders gefährdete Bürger die Möglichkeiten hatten, sich impfen zu lassen. "Ich glaube, es ist wichtig, dass man den priorisierten Gruppen erst noch das Angebot macht", sagte Buyx im "Frühstart" bei ntv. "Aber dann würde ich mich freuen, wenn man den Blick auf die junge Generation legt."

Impfungen für Jüngere könnten bereits vorbereitet werden, so Buyx. Es sei aber gut, dass einige Bundesländer die Priorisierung gefährdeter Gruppen in den Impfzentren nach wie vor aufrechterhielten.

Angesprochen auf die Frage, ob nicht zunächst sämtliche Erwachsenen ein Impfangebot bekommen müssten, sagte die Professorin für Medizinethik, es komme jetzt auf größere Impfstofflieferungen an. Dann könnte in die Breite geimpft werden - und damit sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche. "Man muss das eine tun, das andere nicht lassen." Die Gruppe der jüngeren Menschen, die zunächst infrage kämen, sei nicht sonderlich groß. "Das darf man jetzt nicht als so einen harten Verteilungskonflikt darstellen." Der Impfstoffbedarf für die 12- bis 18-Jährigen wird vom Bundesgesundheitsministerium auf zwei Mal 3,18 Millionen Dosen geschätzt.

"Wenn Deutschland Impfstoff übrig hat, muss er weitergegeben werden"

Sie finde es schwierig, Kinder nur deshalb zu impfen, um Herdenimmunität oder Gemeinschaftsschutz zu erreichen, sagte Buyx. Es gehe vielmehr um den Eigenschutz der Kinder, denn auch bei ihnen gebe es schwere Krankheitsverläufe und Langzeitschäden. Außerdem müsse auch der Gruppenschutz eine Rolle spielen, um zum Beispiel Schulbesuche wieder möglich zu machen. "Das sind schon sehr erhebliche Argumente, weil wir inzwischen auch wissen, dass gerade die Kinder extrem belastet waren durch die Pandemie."

Für besonders schwierig hält die Ethikrat-Vorsitzende die Frage, ob Deutschland nicht zunächst ärmeren Ländern Impfstoff zur Impfung älterer Menschen abgeben sollte bevor hier Kinder drankommen. Die Pandemie sei erst vorbei, wenn sie überall vorbei sei und es gebe überall viel Leid, so Buyx. "Es ist aber schon akzeptabel, wenn Regierungen zunächst den Schutz ihrer eigenen Bevölkerung in den Vordergrund stellen." Das dürfe man machen, wenn es gleichzeitig globale Solidarität gebe - wie über die internationale Allianz Covax. Sobald Deutschland Impfstoff übrig habe, müsse er sofort weitergegeben werden.

Beim Impfgipfel von Bund und Ländern am heutigen Donnerstag wird es auch um Corona-Auffrischungsimpfungen gehen. Noch ist umstritten, wann der Impfschutz so sehr sinkt, dass eine dritte Spritze nötig wird. Buyx ist dagegen, diese dritten Impfungen schon während der ersten Impfrunde zu starten. "Da wäre ich sehr zurückhaltend, die Auffrischungen zu beginnen, bevor alle dieses Angebot haben."

Quelle: ntv.de, psc

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