Politik

"Unfreundlich gegen die Ukraine" Klitschko stellt Deutschland übles Zeugnis aus

In schwereren Zeiten stellt sich heraus, ob man wirklich gute Freunde hat. Die Ukraine fürchtet einen Angriff Russlands. Doch mit der Unterstützung aus Deutschland ist man in Kiew alles andere als zufrieden. Bürgermeister Klitschko liest der Ampel-Regierung bei RTL und ntv die Leviten.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko ist tief enttäuscht von Deutschland und Bundeskanzler Olaf Scholz: Die Bundesregierung müsse ihre Haltung in der Ukraine-Krise überdenken, sagte Klitschko im Interview mit den Sendern RTL/ntv. Klitschko forderte ein Ende der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2. Das Projekt müsse umgehend "gestoppt" werden. Zugleich übte er scharfe Kritik am Waffenlieferungsverbot an die Ukraine, für das er Deutschland verantwortlich machte. "Ja, wir brauchen Waffen, wir brauchen Verteidigungswaffen", sagte Klitschko RTL/ntv und fügte hinzu: "Wir greifen keinen an. Jeder weiß Bescheid: Moderne Waffen sind sehr wichtig. Und wir sind ein freundliches Land, wir machen keine Drohungen." Aber wenn uns jemand angreifen wird, brauchen wir Unterstützung. Und Waffenlieferungen sind auch Unterstützung."

Weiter appelliert der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt, dass es mehr "politische und moralische Unterstützung" seitens der Bundesregierung im Konflikt brauche: "Wir brauchen Unterstützung in jede Richtung. Weil es für die Ukraine ohne Unterstützung von Freunden schwierig wird zu überleben. Wir werden auf jeden Fall kämpfen. Wir werden auf jeden Fall unser Land verteidigen. Aber wir brauchen Freunde, wir brauchen Unterstützung, wenn unsere Werte die gleichen sind."

Vitali Klitschko warf Deutschland insgesamt eine unfreundliche Haltung gegenüber der Ukraine vor: "Deutschland hat immer deklariert, dass es die Ukraine als modernes europäisches demokratisches Land sieht." Eine Unterstützung trotzdem zu verweigern, bewertete der 50-Jährige als Wortbruch. "Die Entscheidung, was Nord Stream 2 betrifft, die Entscheidung, was Waffenlieferungen betrifft, klingt einfach unfreundlich für die Ukraine. Wenn wir über Freundschaft sprechen, sprechen wir über Unterstützung und unsere gemeinsamen Ziele und Werte", sagte Klitschko.

"Wir wollen nicht zurück in die UdSSR"

Für eine westliche Ausrichtung seines Landes gab sich Klitschko kämpferisch: "Unser Ziel ist, in kurzer Zeit ein Teil der europäischen Familie zu werden. Wir kämpfen dafür." Zum russischen Militäraufmarsch sagte er: "Unsere Pläne passen nicht in den Rahmen unseres östlichen Nachbarn. Denn Russland sieht die Ukraine als Teil des russischen Imperiums. Wir waren in der Sowjetunion, wir wollen nicht zurück in die UdSSR. Wir sehen unsere Zukunft in der europäischen Familie."

Russland hat in den vergangenen Wochen mehr als 100.000 Soldaten an der ukrainischen Grenze zusammengezogen. Der Westen befürchtet deshalb einen russischen Großangriff auf das Nachbarland. Moskau dementiert jegliche Invasionspläne. Zuletzt hatten die USA angeordnet, dass die Familien der US-Diplomaten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew das Land verlassen sollen.

Quelle: ntv.de, mau

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