Politik

Nachlass von Altkanzler Kohl-Witwe hat keine Regierungsakten

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Im Dom von Speyer verabschiedete sich Maike Kohl-Richter im Juli 2017 von ihrem verstorbenen Mann Helmut Kohl.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Der frühere Kanzler Helmut Kohl hat sich Aktenordner für seine Memoiren mit nach Hause genommen. Darunter sind auch Regierungsdokumente, glaubt das Bundesarchiv. Stimmt nicht, sagt Maike Kohl-Richter. Jetzt ist das Kanzleramt am Zug.

In der Diskussion um den politischen Nachlass von Altkanzler Helmut Kohl hat dessen Witwe laut einem Zeitungsbericht überraschend erklärt, über keine Regierungsdokumente aus dessen Amtszeit zu verfügen. Maike Kohl-Richter habe in einem Schreiben an das Kanzleramt Ende März dargelegt, dass sie "entgegen öffentlich geäußerter Mutmaßungen nicht im Besitz amtlicher Unterlagen des Bundes sei", schreibt der Berliner "Tagesspiegel". Die Zeitung beruft sich auf Angaben, die das Kanzleramt im Zusammenhang mit einer Auskunftsklage der Redaktion gemacht hat.

Von Kohl ist bekannt, dass er nach seiner Wahlniederlage 1998 Hunderte Aktenordner aus der Regierungszentrale in die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung transportieren ließ und sie einige Jahre später zurückforderte mit der Begründung, sie für seine Memoiren zu benötigen. Seitdem lagern sie mutmaßlich im Privathaus des Verstorbenen und seiner Witwe in Oggersheim.

Im Bundesarchiv, das Akten des Bundes lagert, war man bisher davon ausgegangen, dass es sich zumindest bei einem Teil davon um staatliche Dokumente handelt. Dem Bundesarchiv gegenüber habe sich Kohls Witwe bislang nicht geäußert, teilte der Präsident der Behörde, Michael Hollmann, mit.

Hollmann hatte Kohl-Richter wenige Tage nach dem Tod des Altkanzlers im Juni 2017 in einem Brief die Unterstützung seiner Behörde bei der Regelung des schriftlichen Nachlasses angeboten. Dabei wies er darauf hin, dass "staatliches Schriftgut" aus der Zeit von Kohls Wirken über das Kanzleramt an das Bundesarchiv weiterzuleiten sei. Der Brief blieb laut "Tagesspiegel"-Bericht unbeantwortet. Auf die Frage, wie es nun weitergehe, erklärte Hollmann: "Es obliegt ausschließlich dem Bundeskanzleramt, mit der Mitteilung von Frau Kohl-Richter umzugehen."

Quelle: n-tv.de, cam/dpa

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