Politik

"Wie kein Zweiter" Kohl verabschiedet sich von Genscher

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Februar 1989: Bundeskanzler Helmut Kohl und sein Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

(Foto: imago stock&people)

Hans-Dietrich Genscher und Helmut Kohl verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit. Sie stehen wie keine anderen Politiker für die Wiedervereinigung Deutschlands. Nun würdigt der Alt-Kanzler die Leistung seines verstorbenen Weggefährten.

Nach dem Tod des langjährigen FDP-Vorsitzenden Hans-Dietrich Genscher hat auch Alt-Kanzler Helmut Kohl seinen langjährigen Außenminister gewürdigt. Er habe Genscher erlebt als "einen Weggefährten, auf den ich mich auch menschlich stets verlassen konnte" und der "wie kein Zweiter das Amt des deutschen Außenministers im In- und Ausland geprägt" habe, schrieb Kohl in einem persönlichen Nachruf in der "Bild"-Zeitung.

"Ganz persönlich erinnere ich mich an einen Partner, mit dem ich als Bundeskanzler und CDU-Parteivorsitzender in gemeinsamer Regierung über viele Jahre gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe und mit dem mich viele politische Erfolge verbinden, die zu den politischen Höhepunkten unser beider Leben gehören", schrieb Kohl weiter.

Es sei "bekannt", dass er und Genscher nicht immer einer Meinung gewesen seien, führte der Alt-Kanzler aus. "Das Wesentliche zwischen uns war dabei immer, dass wir uns über Differenzen offen austauschen konnten - und am Ende an einem Strang zogen."

Besonders lobte Kohl Genschers "Verdienste um die Wiedervereinigung unseres Landes am 3. Oktober 1990, die wir in nicht einmal einem Jahr ab Mauerfall am 9. November 1989 in vielen zähen und schwierigen Verhandlungen in Frieden und Freiheit, ohne Blutvergießen und mit Zustimmung unserer Nachbarn und Partner und - für mich existenziell - als Mitglied der Nato erreicht haben."

Genscher zu Schäuble: "Sie dürfen nicht aufgeben"

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte Genschers Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung in einem Nachruf in der Zeitung: "Immer hat er daran geglaubt, dass die Teilung unseres Landes einmal überwunden wird. Er war Deutscher aus tiefstem Herzen - und er war ein überzeugter Europäer. Weil er immer wusste, dass Deutschland am besten in einem geeinten Europa aufgehoben ist."

Schäuble lobte den Verstorbenen auch als Mensch und Kollegen. "Wir schätzten uns. Wir haben eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet", schrieb der CDU-Politiker. Auch habe ihn Genscher 1990 im Krankenhaus besucht, "kurz nach dem Attentat, das mich seither an den Rollstuhl fesselt". "Sie dürfen nicht aufgeben", habe Genscher ihm damals gesagt.

Genscher war am Donnerstag in seinem Haus bei Bonn an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben. Er wurde 89 Jahre alt.

Quelle: ntv.de, hul/AFP