Politik

Trauerakt für Alt-Bundeskanzler Kohls Witwe wollte keine Merkel-Rede

Mit Helmut Kohl wird zum ersten Mal ein Politiker mit einem europäischen Trauerakt geehrt. Ursprünglich wünschte sich die Witwe des Altbundeskanzlers dort einen Auftritt eines erbitterten Merkel-Gegners - während die Kanzlerin schweigen sollte.

Helmut Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, wollte eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Staatsakt für ihren verstorbenen Mann verhindern. Der "Spiegel" berichtet, dass Kohl-Richter die Idee präsentierte, nur ausländische Gäste auf der für den 1. Juli in Straßburg geplanten Feier sprechen zu lassen. Darunter sollte unter anderem der rechtsgerichtete ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sein - einer der erbittertsten Kritiker Merkels innerhalb der Europäischen Union.

Vertraute sollen dem Bericht zufolge Kohl-Richter jedoch von einem solchen Eklat gegenüber der Bundesregierung abgeraten haben. Daraufhin habe sie einer Rede Merkels zugestimmt. Nach derzeitigem Stand sind in Straßburg Reden geplant von Merkel, EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton.

Mit Kohl soll erstmals ein Politiker mit einem europäischen Trauerakt gewürdigt werden. Die Zeremonie soll im Europäischen Parlament in Straßburg abgehalten werden, wie EU-Kommission, -Rat und -Parlament mitteilten. Der Trauerakt wird etwa zwei Stunden dauern. Anschließend wird der Sarg mit dem Leichnam Kohls per Hubschrauber nach Deutschland gebracht. Nach der Landung in der Nähe von Ludwigshafen folgt die Überführung nach Speyer, wo im Dom am späten Nachmittag eine Totenmesse geplant ist.

Auf Wunsch von Kohls Witwe soll es keinen zusätzlichen Staatsakt in Deutschland geben. Berichten zufolge hat Kohl selbst dies vor seinem Tod so gewünscht. Begraben werden soll Kohl der "Bild"-Zeitung zufolge auf dem Alten Speyrer Friedhof. Der Altkanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben. Er wird als Architekt der deutschen Einheit sowie des Zusammenwachsens Europas betrachtet.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/rts

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