Politik

Dutzende Verletzte in Hongkong Krawalle überschatten Chinas 70. Jahrestag

Demonstranten werfen mit Steinen und Brandsätzen, auf der anderen Seite setzt die Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein. Ein Video zeigt auch, wie ein Beamter mit einem Revolver auf einen Demonstranten schießt. An Chinas Nationalfeiertag gibt es erneut schwere Zusammenstöße.

Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zu Chinas 70. Geburtstag ist es in Hongkong erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Im Anschluss an zunächst friedliche Proteste der Demokratiebewegung lieferten sich an mehreren Orten radikale Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Hongkongs Krankenhaus-Behörde teilte zudem mit, dass bis zum Abend (Ortszeit) 51 Menschen bei den Protesten verletzt wurden, von denen sich zwei in einem kritischen Zustand befinden.

*Datenschutz

Auch wurde erstmals ein Demonstrant mit scharfer Munition angeschossen. Der 18-Jährige wurde Polizeiangaben zufolge in der Nähe seiner linken Schulter getroffen. Er sei Teil einer großen Gruppe von Randalierern gewesen, die Polizisten angegriffen hätten, hieß es. Einer der Beamten habe sein Leben und das seiner Kollegen gefährdet gesehen und den Schuss abgegeben. Die Polizei sei sehr betrübt über den Vorfall und habe nicht gewollt, dass jemand verletzt wird.

Die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, dass der junge Mann sich in einem kritischen Zustand befindet. In dem Bericht hieß es, dass er in die Brust getroffen wurde.

Polizist drückt aus nächster Nähe ab

Auf einem in sozialen Netzwerken geteilten Video von dem Vorfall ist eine turbulente Kampfszene zwischen einer Gruppe von Demonstranten und Polizisten zu sehen. Ein Mann geht mit einer Stange auf einen der Beamten los, daraufhin feuert der aus nächster Nähe aus seinem Revolver. Der Demonstrant geht zu Boden.

034c9cf0a7dbfa9b1f0413399210b6f5.jpg

Zusammenstöße in Sha Tin District.

(Foto: REUTERS)

Bei Ausschreitungen an mehreren Orten in der Stadt blockierten Aktivsten Straßen, warfen Pflastersteine, legten Feuer und warfen Brandsätze. Die Beamten setzen Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. Mehrere Warnschüsse wurden abgefeuert.

Zehntausende protestieren friedlich

Zehntausende Demonstranten zogen trotz eines Verbots der Behörden durch die Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone. "Freiheit für Hongkong" riefen die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten und stimmten die Hymne der Protestbewegung an. Auch an anderen Orten in der früheren britischen Kronkolonie kamen Demonstranten zu zunächst friedlichen Protestaktionen zusammen.

d5ca35bf7611e8cab456b3ad6ee98824.jpg

Ein Demonstrant wirft einen Molotow-Cocktail.

(Foto: REUTERS)

Zeitgleich hatten unter hohen Sicherheitsvorkehrungen die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik China begonnen. Abgeriegelt von der Öffentlichkeit verfolgten geladene Gäste im Messezentrum der Stadt eine Zeremonie, die in die geschlossenen Räume übertragen wurde. Eine Ehrengarde hisste die Nationalflagge an der goldenen Bauhinien-Statue, einem Wahrzeichen der Stadt. Zwei Helikopter mit einer großen chinesischen und einer kleineren Hongkonger Fahne flogen über den Hafen entlang der Hongkonger Skyline.

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, eine Amnestierung der mehr als 1500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als "Aufruhr" sowie freie Wahlen. "Wir kämpfen für Freiheit und Demokratie", sagte ein Demonstrant namens Ramon. Die Kommunistische Partei gewähre den Menschen keine freien Wahlen, zudem würden Versammlungsfreiheit und Redefreiheit immer weiter eingeschränkt. Hongkongs Behörden hatten einen für diesen Dienstag geplanten großen Protestmarsch im Vorfeld untersagt.

Die EU rief angesichts der neuen Gewalt zu Deeskalation und Dialog auf. Nur so könne man zu einer Lösung kommen, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Zugleich betonte sie, dass die Behörden gemäß dem Grundgesetz und internationalen Verpflichtungen das Recht auf friedliche Demonstrationen und die Versammlungsfreiheit garantieren müssten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa

Mehr zum Thema