Politik

Täglich 20 Stunden ohne StromKuba hat keinen Diesel und kein Heizöl mehr

14.05.2026, 10:51 Uhr
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In Havanna zünden Demonstranten in der Nacht Müllhaufen an. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Seit vier Monaten blockieren die USA Treibstofflieferungen an Kuba. Das öffentliche Leben bricht zusammen. Der kubanische Energieminister räumt ein: Viele Stadtteile sind 20 bis 22 Stunden täglich ohne Strom. Die Menschen machen ihrem Unmut in einer großen Protestnacht Luft.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna ist es wegen der schwersten Stromausfälle seit Jahrzehnten zu Protesten gekommen. Hunderte Menschen strömten am Mittwochabend (Ortszeit) in mehreren Außenbezirken der Stadt auf die Straßen. Kuba ist wegen der im Januar verschärften US-Sanktionen von der Treibstofflieferung aus dem Ausland abgeschnitten. Der kubanische Energieminister Vicente de la O erklärte, seinem Land seien Diesel und Heizöl vollständig ausgegangen. Das Stromnetz sei in einem "kritischen Zustand".

"Wir haben absolut keinen Brennstoff und absolut keinen Diesel", sagte de la O in den staatlichen Medien. "Wir haben keine Reserven." Die Stromausfälle hätten in dieser Woche drastisch zugenommen. Viele Stadtteile Havannas seien 20 bis 22 Stunden pro Tag ohne Strom, sagte der Minister. Dies verschärfe die Spannungen in einer Stadt, die bereits unter dem Mangel an Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten leide. Das Stromnetz werde derzeit ausschließlich mit heimischem Rohöl, Erdgas und erneuerbaren Energien betrieben. Kuba habe in den vergangenen zwei Jahren 1300 Megawatt Solarenergie installiert, jedoch gehe ein Großteil dieser Kapazität durch Netzinstabilität verloren.

In Havanna zündeten Demonstranten Müllhaufen an und blockierten so die Wege. Zahlreiche Menschen schlugen aus Protest auf Töpfe und skandierten "Macht das Licht an" und "Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden". Reporter beobachteten in der ganzen Stadt mehrere, meist friedliche Ansammlungen. Es war die größte Protestnacht in der Hauptstadt seit Anfang der massiven Energiekrise zu Jahresbeginn.

Trump droht Handelspartnern

Die Blockade von Treibstofflieferungen an Kuba durch die USA dauert bereits den vierten Monat. Damit sind die öffentlichen Dienstleistungen auf der Karibikinsel mit ihren fast zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern praktisch lahmgelegt. Weder Mexiko noch Venezuela, die bislang Kubas wichtigste Öllieferanten waren, haben seit einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump vom Januar Treibstoff an die Insel geliefert.

Trump droht jedem Land, das Treibstoff an den kommunistisch geführten Staat exportiert, mit Zöllen. Seit Dezember hat nur ein einziger großer Öltanker, die unter russischer Flagge fahrende "Anatoli Kolodkin", Rohöl nach Kuba gebracht.

Kuba führe trotz der Blockade weiterhin Verhandlungen über den Import von Treibstoff, sagte Energieminister de la O. "Kuba ist offen für jeden, der uns Treibstoff verkaufen will." Die weltweit steigenden Öl- und Transportpreise infolge des Krieges der USA und Israels gegen den Iran würden diese Bemühungen jedoch zusätzlich erschweren.

Die Vereinten Nationen hatten die Treibstoffblockade durch die USA vergangene Woche als unrechtmäßig bezeichnet. Sie behindere das "Recht des kubanischen Volkes auf Entwicklung" und untergrabe gleichzeitig seine "Rechte auf Nahrung, Bildung, Gesundheit sowie Wasser und sanitäre Einrichtungen".

Quelle: ntv.de, mwa/rts

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