Politik

FDP-Vize bei "Klamroths Konter" Kubicki schiebt Merkel Schwarzen Peter zu

Einer der schlagfertigsten Politiker des Landes stellt sich dem n-tv Talk "Klamroths Konter". FDP-Vizechef Kubicki spricht unter anderem über die Jamaika-Sondierungen - und macht die Kanzlerin für deren Scheitern verantwortlich.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat eine Verantwortung seiner Partei für das Scheitern der Jamaika-Sondierungen zurückgewiesen. Kanzlerin Angela Merkel habe die schwarz-grün-gelbe Koalition nicht gewollt, sagte der Teilnehmer der Sondierungsverhandlungen. "Sie hätte Schwarz-Grün gemacht, auch Schwarz-Gelb, aber drei Leute am Tisch waren ihr zu viel", sagte er im n-tv Talk "Klamroths Konter".

Er wies zurück, dass die FDP von Anfang an die Sondierungen platzen lassen wollte. "Jeder, der behauptet, er war überrascht über das Jamaika-Aus, der lügt", so Kubicki. Er hätte nicht viereinhalb Wochen seines Lebens damit verbracht, 14 bis 16 Stunden am Tag zu verhandeln, wenn er es nicht ernst gemeint hätte, sagte der 65-Jährige. Und schob den Schwarzen Peter wieder Richtung Merkel. "Die Kanzlerin wollte nie Jamaika. Sie wollte die Große Koalition und die hat sie jetzt." Dass es zu keinem Jamaika-Bündnis kommen würde, habe sich schon früh abgezeichnet. Nach vier Wochen sei man in den entscheidenden Punkten dann keinen Schritt weiter gewesen.

Hätte man da nicht unter der Bedingung "Ja" zu Jamaika sagen können, dass Merkel sich zurückzieht, fragte Moderator Louis Klamroth – und brachte Kubicki zunächst ins Stocken. Man habe ja erst in den Sondierungen festgestellt, dass Merkel nicht eine Idee gehabt hätte, setzte er an. Auf die Frage, ob man wirklich nicht schon vorher gewusst habe, wie Merkel tickt, zog sich Kubicki auf die Antwort zurück, er habe sie zuvor eben nicht so gut gekannt.

"Ministeramt zu schlecht bezahlt"

Obwohl er eigentlich nie ein hohes Regierungsamt angestrebt habe, ließ Kubicki gegen Ende des 20-minütigen Talks durchblicken, dass er durchaus gern Finanzminister geworden wäre. Etwa, um eine Antwort auf die Reformpläne des französischen Präsidenten Emanuel Macron zu formulieren. Zuvor erzählte er, warum er in 40 Jahren politischer Tätigkeit nie einen Ministerposten, etwa in der schleswig-holsteinischen Landesregierung, übernommen hat. Er hätte dann ja nicht mehr anwaltlich tätig sein dürfen. "Ich wollte nicht zur Verarmung meiner Familie beitragen", sagte er mit süffisantem Grinsen. Entgegen der landläufigen Meinung sei er nicht der Ansicht, dass Minister gut bezahlt würden. Er könne mit seinen Steuerzahlungen einen Ministerpräsidenten finanzieren, sagte Kubicki.

In solchen Formulierungen zeigte sich Kubickis Schlagfertigkeit. Er habe Freude am Umgang mit Worten, so Kubicki dazu, da geht es gerne auch mal deftig zu. "Ich habe (den FDP-Vorsitzenden) Wolfgang Gerhard mal den 'schlafenden Löwen Wiesbaden' genannt", erzählte er. Über Wolfgang Schäuble sagte er mal, er sei auf Drogen. Manchmal gehöre auf einen groben Klotz auch mal ein grober Keil, sagte er in der gut 20-minütigen Sendung.

Dass es auch für ihn Grenzen gibt, machte er aber ebenfalls deutlich – gefragt, ob er Mitleid mit Ex-SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz habe, sprach er von einer Beißhemmung. Er könne aufgrund eigener Erfahrungen nachempfinden, wie der sich fühle. "Jemanden, der am Boden liegt muss man nicht noch mit Häme übergießen, das gehört sich nicht", so Kubicki. "Leider etwas, das in der Gesellschaft immer mehr um sich greift."

Quelle: n-tv.de, vpe