Politik

"#timeline" mit Micky Beisenherz Kühnert: Gabriel versilbert sein Telefonbuch

Was ist los in den sozialen Medien? Dieser Frage widmet sich Micky Beisenherz in seinem neuen Talk-Format "#timeline". Er hat dafür Juso-Chef Kühnert und Moderatorin Karasek eingeladen. Sie diskutieren über aktuelle Hashtags im Twitter-Universum.

In Zeiten von Facebook, Twitter und Co haben sich politische Debatten vom heimischen Wohnzimmer oder Stammtisch ins Internet verlagert. Meinungen sind in den sozialen Medien schnell gebildet, aber auch Angst verbreitet sich dort wie ein Lauffeuer. Die Gesellschaft brauche viel weniger Panik - vor allem in der Politik, sagt Kevin Kühnert in der neuen ntv-Sendung "#timeline". In der Talkshow diskutiert Micky Beisenherz mit dem Juso-Chef und Moderatorin Laura Karasek über aktuelle Themen im Netz.

Unter dem Hashtag #coronavirus laufen seit Tagen Zehntausende Tweets ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Und die Bundesregierung holt in Wuhan lebende Deutsche zurück. Die Panik vor der Lungenkrankheit grassiert auf den Social-Media-Kanälen. Ein Twitter-User empfiehlt sogar, es den USA gleichzutun und die Flugverbindungen nach China zu kappen. Völlig übertrieben findet Kühnert das. Vorsicht sei zwar angebracht, aber "das Krisenmanagement scheint im Großen und Ganzen ganz gut geklappt zu haben".

Moderatorin Laura Karasek, ebenfalls zu Gast in der Talkrunde von Micky Beisenherz, ist da deutlich misstrauischer. Sie sei Hypochonder, gibt sie offen zu. Die Chinesen seien zwar gut organisiert. Niemand könne allerdings garantieren, dass alles in Ordnung sei, sagt sie. Panikmache helfe zwar nicht, aber "ich bade jeden Morgen in Sterilium".

*Datenschutz

Dann ertönt schon die Glocke, was bedeutet: Sechs Minuten sind um und es ist Zeit für den nächsten Hashtag. Karasek fühlt sich wie bei den Oscars. Und Beisenherz scherzt: "Das darf man ja nicht vergessen, ntv ist gleichbedeutend mit der Oscarverleihung." Weniger zum Lachen gibt es allerdings beim nächsten Thema, zumindest für die Sozialdemokraten: Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel wird Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank.

"Eher friert die Hölle zu"

Auf Beisenherz' Frage, ob er schon Gabriel gratuliert hätte, gibt Kühnert Überraschendes preis: Er habe die Nummer des Ex-Vizekanzlers gar nicht. Dann setzt er noch einen drauf: "Wir haben noch nie ein Wort miteinander gesprochen." Beisenherz ist baff. Warum das so sei, wisse er gar nicht, versichert Kühnert. Doch schnell wird klar: Zu einem netten Telefonplausch zwischen den zwei SPD-Größen wird es sobald auch nicht kommen: Gabriels neuster Karriereschritt in den Aufsichtsrat einer skandalumwobenen Bank erwecke den Eindruck, "dass hier ein gut gefülltes Telefonbuch versilbert wird", kritisiert Kühnert.

Seine Sympathien gelten eher der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer, die vor wenigen Wochen einen "dreckigen Deal" mit Siemens ausgeschlagen hat. Von dem Argument einer Twitter-Userin, man könne ja ein System von innen verändern, zeigt sich Kühnert wenig überzeugt. Er plädiert für eine saubere Trennung zwischen Privatwirtschaft und Politik. "Eher friert die Hölle zu", bevor er zu Unternehmen wie BMW gehen würde, sagt Kühnert und lacht.

Tempolimit? Ja danke.

123840214.jpg

Kevin Kühnert ist Bayern-Fan.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beim nächsten Hashtag #tempolimit ist Karasek wieder am Zug. Bei der Frage, wie sie denn zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen stehe, befürchtet sie: "Ich kann ja nur verlieren." Und outet sich als Befürworterin des umstrittenen Tempolimits. Applaus aus dem Publikum. Und auch Kühnert springt ihr zur Seite. Er halte die Sache für richtig und verstehe nicht, warum daraus eine Debatte über Freiheit gemacht werden würde. "Die Freiheit eines Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit eines anderen eingeschränkt wird", sagt er.

Einen Seitenhieb von dem Juso-Chef erntet dabei nicht nur die FDP, die sich klar gegen ein Begrenzung positioniert, sondern auch die CSU für ihre Kampagne "Tempolimit? Nein danke". Nach der "Ausländer-Maut" würden die Christdemokraten nun ihren "nächsten großen Burner starten", sagt Kühnert. Eigentlich hätte Verkehrsminister Andreas Scheuer genug zu tun, dafür zu sorgen, dass "wir nicht über 600 Millionen Euro für sein verpatztes Projekt ausgeben". Für ihn ist es eine reine "populistische Stimmenfang-Kampagne".

#timeline mit Micky Beisenherz

Sie finden "#timeline" auch als Podcast in der ntv-App, bei Audio Now und auf allen anderen bekannten Podcast-Plattformen. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden. Kopieren Sie einfach die Feed-URL und fügen Sie "#timeline" zu Ihren Podcast-Abos hinzu.

Anschließend diskutiert Beisenherz mit seinen Gästen über die Aufhebung der Immunität von AfD-Chef Alexander Gauland wegen des Verdachts auf Steuerbetrug. Und zum Abschluss gibt es einen Hashtag abseits der Politik: #heilandhaaland. Erling Haaland ist der neue Star am Fußball-Himmel, den sich Borussia Dortmund geschnappt hat. Karasek muss zugeben, dass sie noch nie von ihm gehört hat und ist somit auch bei diesem Thema außen vor. Aber auch Kühnert hat es bei diesem Thema nicht leicht. Als sich der Bayern-Fan für die Tabellen-Führung bedankt, erntet er Buhrufe aus dem Publikum. "Wenn Tempolimit weniger umstritten ist als Fußball", resümiert der Juso-Chef den Abend.

Quelle: ntv.de