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Die türkische Armee und ihre Verbündeten konnten acht Kilometer weit ins Kurdengebiet vordringen.
Die türkische Armee und ihre Verbündeten konnten acht Kilometer weit ins Kurdengebiet vordringen.(Foto: AP)
Montag, 22. Januar 2018

Türkischer Einmarsch: Kurden starten Gegenoffensive in Afrin

Nach heftigen Kämpfen in der nordsyrischen Enklave Afrin kann die Kurdenmiliz YPG Beobachtern zufolge einige verlorene Posten zurückerobern. Die türkische Armee zerstört indes zwei gegnerische Raketenstellungen. Gekämpft wird nun an mehreren Fronten.

Nach dem Beginn der türkischen Bodenoffensive in Nordsyrien haben die attackierten kurdischen Gruppen einen Gegenangriff gestartet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte kurdische Angaben, wonach zuvor verlorene Posten am Morgen aus den Händen der Türken und der mit ihnen verbündeten Rebellen zurückerobert wurden. Die Kämpfer seien an mehreren Fronten im Nordwesten und Osten der kurdisch kontrollierten Enklave vorgerückt. Dort werde weiter heftig gekämpft.

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Sechs pro-türkische Rebellen, die an der "Operation Olivenzweig" beteiligt sind, wurden einem kurdischen Sprecher zufolge getötet. Von türkischer Seite hieß es indes, in der Nacht zu Montag seien unter anderem zwei Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zerstört worden. Von diesen seien zuvor Raketen auf die türkische Grenzstadt Reyhanli abgeschossen worden, meldete die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Zudem hätten die türkischen Truppen elf Stellungen besetzt, die zuvor von YPG-Kämpfern geräumt worden waren.

Der türkische Nachrichtensender "Habertürk" hatte am Sonntagabend berichtet, Truppen der Türkei und der Freien Syrischen Armee seien acht Kilometer in die umkämpfte Region eingedrungen und hätten elf Stellungen der Kurdenmiliz YPG erobert. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, türkische Artillerie habe erneut YPG-Stellungen angegriffen.

Cavusoglu spricht von "Unsinns-Propaganda"

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag erklärt, es sei das Ziel der Türkei, Afrin seinen "ursprünglichen Besitzern" zurückzugeben. Damit meint er die Araber, die Erdogan zufolge ursprünglich eine Mehrheit der Bevölkerung in dem Gebiet ausmachten. Die Beobachtungsstelle berichtete, bei den türkischen Luftangriffen und dem Beschuss seien in den vergangenen 24 Stunden mindestens 21 Menschen getötet worden - darunter sechs Kinder.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf der YPG vor, diese "täusche die Welt mit Unsinns-Propaganda und haltlosen Lügen, indem sie neutralisierte Terroristen als Zivilisten darstellt. Sie nutzen Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Unser Ziel sind weder unsere kurdischen Brüder noch Zivilisten." Es gehe bei der Offensive ausschließlich um die Bekämpfung von Terroristen.

Die von der Türkei am Samstag gestartete Offensive zielt auf die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der Enklave Afrin. Die Türkei sieht in der YPG den Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrorgruppe.

Quelle: n-tv.de